Power Purchase Agreements

Negative Preise, neue Risiken: Der PPA-Markt im Wandel

Die goldenen Jahre für Power Purchase Agreements (PPAs) scheinen vorerst vorbei zu sein. Die Abnehmer von Wind- und Solarstrom drücken die Preise. Die Betreiber reagieren, indem sie ihre Geschäftsmodelle nachjustieren und Speicherlösungen könnten den Markt wieder stabilisieren.
18.02.2026 | 6 Min.
Erschienen in: Spotlight: PPA / Direktbelieferung
Auf oder ab: Der PPA-Markt befindet sich aktuell im Wandel.
Auf oder ab: Der PPA-Markt befindet sich aktuell im Wandel.
Bild: AdobeStock

Die Energiewende soll nicht unnötig Geld kosten. Daher sind Unternehmen offen für Power Purchase Agreements. Bei PPAs kommt der Strom direkt und verlässlich von Wind- oder Solarparks oder beides gemischt zu einem ebenso verlässlichen und damit planbaren Preis. Wie viel Strom wann zu welchem Preis geliefert wird, ist in den meist langfristigen Stromabnahmeverträgen zwischen Erzeuger und Abnehmer festgelegt. Dieser Direktvertrieb gilt als attraktives Geschäftsmodell, auch für die Betreiber der Solar- und Windparks: Die PPASteht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.Steht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.-Konditionen sind besser als bei der Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Und wer keine EEG-Vergütung bekommt, hat gleichwohl sichere Einnahmen. Win-Win also?

Ganz so einfach ist es leider nicht – jedenfalls nicht mehr. Ab 2020 gab es geradezu einen PPASteht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.Steht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.-Boom. Laut einer Analyse der Marktoffensive Erneuerbare Energien wurden innerhalb von vier Jahren PPASteht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.Steht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.-Verträge über eine Leistung von 66 Gigawatt abgeschlossen. „Die hohen Strompreise machten Power Purchase Agreements attraktiv“, blickt Fritz Halla von der Energieberatung Enervis zurück. Viele Unternehmen setzten auf grünen Strom. Einige aus Überzeugung, andere wollten spätere Strafzahlungen durch einen zu hohen Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen vermeiden. Doch 2025 ist das Interesse an PPAs spürbar gesunken – statt 2500 Megawatt wie im Jahr zuvor wurden nur noch rund 400 Megawatt an Leistung vertraglich festgeschrieben.

Mehr Wind- und Solarenergie: Der Markt verändert sich

In der Frage des Preises müssen Produzent und Abnehmer zueinander finden." Gernot Gauglitz, Geschäftsführer UKA
Power Purchase Agreements sind also keine Selbstläufer mehr. Und das liegt ausgerechnet am Erfolg der Energiewende. Die Zahl der Solar- und Windparks steigt – und damit das Angebot. Potenzielle Abnehmer des Stroms, neben Unternehmen auch Energieversorger, können derzeit mit mehr Erfolgsaussichten über Strompreise verhandeln. Damit sinken die Erträge für die Erzeuger der Wind- und Solarenergie. „In der Frage des Preises müssen derjenige, der den Strom produziert, und derjenige, der ihn abnimmt, zueinander finden“, sagt Geschäftsführer Gernot Gauglitz vom Energieparkentwickler UKA.

Das ist neu für eine Branche, die sich bisher weitgehend vom Markt abkoppelt: Erzeuger erneuerbarer Energien erhalten dank EEG einen festgelegten Preis für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde. Wer derzeit einen Wind- oder Solarpark betreiben will, veranschlagt bei staatlichen Auktionen einen festen Preis pro Kilowattstunde erzeugten Stroms. Wer den niedrigsten Preis bietet, erhält den Zuschlag. Fällt der Preis an der Strombörse darunter, zahlt der Staat die Differenz. Steigt er darüber, behalten die Betreiber die Einnahmen. Das ändert sich derzeit durch Contracts for Difference (CfDSteht für Contracts for Difference (Differenzverträge): Erhält ein Stromerzeuger bei Ausschreibungen für sein Preisangebot den Zuschlag, kriegt er bei einem niedrigeren Börsenpreis die Differenz erstattet. Liegt der Börsenpreis höher, muss er die zusätzlichen Gewinne abgeben.Steht für Contracts for Difference (Differenzverträge): Erhält ein Stromerzeuger bei Ausschreibungen für sein Preisangebot den Zuschlag, kriegt er bei einem niedrigeren Börsenpreis die Differenz erstattet. Liegt der Börsenpreis höher, muss er die zusätzlichen Gewinne abgeben.) über einen sogenannten Clawback-Mechanismus. Alles oberhalb des in der Auktion angegebenen Preises müssen Betreiber ab 2027 an den Staat abführen. Das zehrt an der Rendite, ebenso wie die zunehmende Stundenzahl mit negativen Preisen.

Branche kann sich von negativen Preisen nicht abkoppeln

Wird mehr Strom erzeugt als verbraucht, fallen die Preise und kippen an der Strombörse manchmal sogar ins Negative. Wer zu solchen Zeiten seinen Strom ins Netz einspeist, muss dafür zahlen. Von dieser Entwicklung – allein im vergangenen Jahr wurden 573 Stunden mit negativen Preisen registriert – kann sich die Branche nicht mehr abkoppeln: Immer mehr Wind und Solarparks erhalten trotz EEG keine Vergütung mehr, wenn der Strompreis an den Börsen ins Negative kippt. Das betrifft insbesondere Solarparks, die abhängig sind vom Lauf der Sonne. „Wenn zur Mittagszeit negative Preise vorherrschen, ist das für die Wirtschaftlichkeit und Finanzierung der Projekte und demzufolge für Anlagenbetreiber ein großes Problem“, sagt Josephine Steppat, Analystin bei Energy Brainpool. Die synchrone Produktion – mittags viel, nachts nichts – „kannibalisiert“ die Preise. Von diesem Preisverfall wollen die Abnehmer profitieren und gehen entsprechend ambitioniert in PPASteht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.Steht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.-Verhandlungen.

Produktionsabhängige Verträge sind schwieriger zu finden." Alea Soft Energy Forecasting
„Produktionsabhängige Verträge sind schwieriger zu finden, und es werden mehr technische Bedingungen und Garantien auferlegt“, heißt es in einer Analyse von Alea Soft Energy Forecasting. „Die Preise, wenn sie denn gefunden werden, sind oft zu niedrig für die Erwartungen der Entwickler“ – und die der Banken. Die schauen beispielsweise darauf, ob die Risiken zwischen Anlagenbetreiber und Stromkäufer gerecht verteilt sind, „was sich im vertraglich vereinbarten Preis niederschlägt“, sagt Ute Mann, Direktvertriebs Expertin bei der DKB. Bevor eine Finanzierungszusage gegeben wird, prüft die Bank sowohl Mengen als auch Preisrisiken, Kündigungsrechte, Haftungsfragen und nicht zuletzt ergänzende Verträge. Grundsätzlich, sagt Expertin Mann, seien PPAs allerdings weiterhin „bankable“.

Das gilt selbst für den Fall, dass sich die Stundenzahl mit negativen Strompreisen vervielfacht. Dieser Trend wird sich laut Enervis Berechnungen erst Mitte der 2030er Jahre umkehren. Bis dahin werde der Strommarkt flexibler sein, sagt Enervis Berater Halla, und vor allem werde Deutschland umfangreicher mit Batteriespeichersystemen (Battery Energy Storage Systems, kurz BESS) versorgt sein. Denn nur wer den Strom nicht speichern kann, muss ihn unverzüglich ins Netz einspeisen – egal, wie hoch oder niedrig der Preis ist. Wer ihn speichern kann, vermeidet negative Börsenpreise.

Warten auf Speicher- und Netzausbau

Solar und Windparks werden daher heute meist von vornherein mit einem Speicher geplant – und Power Purchase Agreements erweitert zu Power Storage Agreements: Grün erzeugter Strom wird nur dann ins Netz eingespeist, wenn es sich rechnet. Damit ist beiden Seiten gedient – zumindest grundsätzlich.

Faktisch kämpft der BESS-Ausbau sowohl gegen aufwendige Genehmigungsverfahren als auch gegen fehlende Stromleitungen. Denn wenn Unternehmen auf fossile Energieträger verzichten, brauchen sie Strom – und zwar deutlich mehr Strom als heute. Die Netzbetreiber Amprion, Transnet BW, 50Hertz und Tennet gehen davon aus, dass sich der Strombedarf bis 2045 verdoppeln wird. Dafür müssen neue Stromtrassen gebaut werden: Laut Bundesnetzagentur fehlen 16.800 Kilometer an Höchstspannungsleitungen. In den vergangenen beiden Jahren sind nur ein paar Hundert Kilometer neu ans Netz angeschlossen worden, erst ab 2028 sollen jährlich rund 4000 Kilometer an neuen Trassen dazukommen. „Die steigende Nachfrage aus der Industrie war bei Netzbetreibern lange nicht auf dem Schirm“, sagt Frank Peter, Direktor beim Thinktank Agora Industrie.

Die Netzbetreiber zeigen sich zögerlich, dieses Versäumnis auszugleichen. „Wir sehen, dass Netzbetreiber ihre Netze verantwortungsbewusst steuern und ausbauen müssen“, sagt Tobias Heyen, Chief Commercial Officer beim Energiedienstleister Engie. „Gleichzeitig braucht es pragmatische Lösungen, um neue Speicher schneller ans Netz zu bringen.“ Heyen plädiert für „deutlich intelligentere Stromnetze“ durch KI und datenbasierte Verfahren.

Nach EEG-Förderung: Erst PPASteht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.Steht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik., dann RepoweringAustausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.Austausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.

Mit technologischer Intelligenz und digitalen Netzanschlussverfahren könne der PPA-Markt „wieder deutlich an Dynamik gewinnen“, sagt Experte Heyen. In den kommenden Monaten, da sind sich die Fachleute einig, wird es eher ruhig zugehen, was neue PPASteht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.Steht für Power Purchase Agreement: längerfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Verbraucher, z.B. einer Fabrik.-Verträge angeht. Allerdings könnten nicht nur niedrige Strompreise, sondern auch übersteigerte Vorstellungen vieler Grundstückseigentümer, was künftige Pachteinnahmen angeht, so manches Projekt zum Scheitern bringen.

Kurzfristige PPAs mit solchen Partnern sind für Unternehmen weiterhin interessant." Sabrina Schmitt, Teamleaderin Origination Abo Energy
Ein Ausweg: Power Purchase Agreements mit Windparks, die nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung fallen. „Kurzfristige PPAs mit solchen Partnern sind für Unternehmen weiterhin interessant“, sagt Sabrina Schmitt, Teamleaderin Origination bei Abo Energy. Kurzfristig heißt: zwei bis drei, vielleicht sogar fünf Jahre. Das reicht den Betreibern meist, um ein RepoweringAustausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort.Austausch älterer EE-Anlagen durch moderne Anlagen zur Leistungssteigerung am gleichen Standort. zu finanzieren: Neue und leistungsfähigere Windräder werden genau dort hingestellt, wo kurz nach der Jahrtausendwende erstmals Wind erzeugt wurde.

Die neuen Windräder werden attraktiver für Public Purchase Agreements, sobald die Strompreise wieder steigen. Schon heute seien die ertragsstärksten Windpark-Standorte konkurrenzfähig, die aktuell nur EEG-Vergütungen von 61 bis 65 Euro pro Megawattstunde erzielen können, sagt Enervis Experte Fritz Halla. 2025 lag der Jahresmarktwert für Onshore-Anlagen bei rund 74 Euro pro Megawattstunde – und damit deutlich oberhalb solcher EEG-Vergütungen.

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