Überblick

Wie sich die Offshore-Windbranche weltweit entwickelt

Die Offshore-Windbranche kämpft in Europa und den USA mit Verzögerungen und politischem Gegenwind, während der asiatisch-pazifische Raum mit massiven Ausbauplänen zum globalen Wachstumstreiber wird.
Von:  Frank Lassak
29.09.2025 | 2 Min. | 1
Erschienen in: Ausgabe 10/2025
Offshore-Windenergie
Offshore-Windenergie
Foto: AdobeStock

Die europäische Offshore-Industrie geht mit ehrgeizigen Zielen, aber spürbarem Gegenwind in die zweite Hälfte der Dekade: Genehmigungen dauern, Netze und Häfen hinken hinterher, Auktionen bilden die Kosten- und Risikolage nicht durchgängig ab.

Europa und USA unter Druck

Zwei Fälle illustrieren die aktuellen Herausforderungen: Der Windpark IJmuiden Ver Beta vor der niederländischen Küste wird um drei Jahre verschoben, auch weil die Nachfrage nach grünem Wasserstoff, der dort mit Offshore-Windenergie produziert werden soll, langsamer wächst als geplant; die Inbetriebnahme ist laut Regierungsangaben nun erst für 2032 geplant. Auch in Großbritannien läuft nicht alles rund: Der Windpark Hornsea 4 vor der Küste von Yorkshire wird ersatzlos gestrichen; Projektierer Ørsted nennt gestiegene Lieferketten- und Kapitalkosten sowie ein erhöhtes Ausführungsrisiko als Gründe für den Rückzug.

Trotz der jüngsten Entwicklungen erwartet der Branchenverband WindEurope bis 2030 einen Offshore-Zubau von mehr als 43 Gigawatt (GW), davon 25 GW in den Staaten der EU. Die kumulierte europäische Leistung stiege dadurch auf rund 80 GW, bliebe aber klar hinter den von der Politik gesteckten Zielen zurück.

Derweil verschärft die erratische Politik von US-Präsident Donald Trump die Lage in den Vereinigten Staaten. Die Bundesbehörde Bureau of Ocean Energy Management (BOEM) zog Ende Juli die Genehmigungen für sämtliche Offshore-Gebiete auf dem äußeren Kontinentalschelf der USA zurück. Parallel trafen Stop-Work-Orders einzelne Großprojekte: Equinors Empire Wind 1 vor New York wurde bereits im April gestoppt; im August folgte Revolution Wind (Rhode Island/Connecticut) – obwohl knapp 80 Prozent der Fundamente bereits fertiggestellt und 45 von 65 Turbinen schon montiert waren. Betreiber Ørsted klagt nun gemeinsam mit den betroffenen Bundesstaaten gegen die Entscheidung. Zu den Folgen der Trump’schen Politik zählen höhere Risikoaufschläge, Hunderte Jobverluste sowie Rechts- und Opportunitätskosten entlang der Lieferkette. Kein Wunder, dass der Global Wind Energy Council (GWEC) die Prognose für den US-Zubau bis 2029 auf weniger als 6 GW gesenkt und seinen weltweiten Fünfjahres-Ausblick um 24 Prozent reduziert hat.

APAC als Wachstumsmotor

Deutlich dynamischer läuft es dagegen im asiatisch-pazifischen Raum (APAC). Bereits 2020 hatte die Region Europa bei Neuinstallationen und 2022 bei kumulierter Leistung überholt; 60 Prozent des weltweiten Zubaus bis 2034 sollen dort stattfinden – getragen von Offshore-Spitzenreiter China und flankiert vom derzeitigen Offshore-Boom in Südkorea, Japan, Vietnam, den Philippinen und Australien. Bis Ende 2034 rechnet der GWEC mit mehr als 350 GW zusätzlicher Offshore-Leistung in den APAC-Ländern; die weltweite Offshore-Kapazität prognostizieren die GWEC-Experten dann mit rund 441 GW – unter der Bedingung, dass Regulierung, Finanzierung, Lieferketten und Stromnetze das Wachstum tragen.

Kommentare (1)

Von einem Boom in Ostasien zu sprechen, entspricht nicht ganz den Tatsachen. Das einzige Land, das nicht nur an Land, sondern auch auf See, die Windenergie in großen Schritten ausbaut, ist China. In Japan stehen gerade große Projekte auf der Kippe, weil die Unternehmen, die die Anlagen bauen wollten, sich zurückziehen wollen. In Korea entwickelt sich der Markt sehr zögerlich, es wurden bislang nur sehr wenige Anlagen errichtet.

02.10.2025 - 14:50 | Stefan Gsänger, WWEA

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