Während frühere Studien von künftigen Gestehungskosten zwischen 2,50 Euro und 4,50 Euro pro Kilogramm des fossilfrei erzeugten Gases ausgehen, haben Forschende der Münchner FfE berechnet, dass der Kilopreis für grünen Wasserstoff im Jahr 2030 bei etwa 9,80 Euro liegen wird. Bis zum Jahr 2040 könnte er auf 7,40 Euro pro Kilo fallen. Hauptgründe für die angenommene Teuerung seien höhere Investitions- und Strombezugskosten sowie der Austausch technischer Bauteile bei intensiver Nutzung, der in bisherigen Berechnungen nicht auftauchte. Für eine realistische Kalkulation ohne rosarote Brille müssen der Studie zufolge neben den physischen Komponenten die erforderlichen Kapitalressourcen für Planung und Durchführung der H₂-Projekte berücksichtigt werden. So seien etwa die Aufwendungen für die Mess- und Regelungstechnik sowie für Wasser- und Stromanschlüsse nicht ausreichend in frühere Kalkulationen eingeflossen. Zudem fallen Gebühren für den Transport der Komponenten, Genehmigungen und Risikobewertungen an. Diese Systemkosten seien oft sogar höher als die der technischen Bauteile.
Ein weiterer entscheidender Faktor sind die Kosten für den Strombezug. Die Annahme, dass Wasserstoff produziert wird, wenn zu viel erneuerbarer Strom im Netz vorhanden ist und die Nachfrage der Verbraucherinnen und Verbraucher niedrig ist, sei „eher Wunschdenken“, heißt es in der Studie. Aktuell sei nicht genügend Überschussstrom verfügbar, um eine wirtschaftliche Anzahl von Betriebsstunden zu ermöglichen. Mit steigender Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen konkurrieren Wasserstoffproduzenten zudem künftig mit flexiblen Verbrauchern um den preiswerten Strom. Daher prognostiziert die Studie für das Jahr 2040, dass die Volllastdauer weit unter dem geplanten Wert von 5000 Stunden pro Jahr liegen werde.
Unsichere Zukunftsaussichten und eine nicht absehbare Wirtschaftlichkeit sind einige der Gründe, weshalb sich zuletzt Unternehmen wie Statkraft, Arcelor-Mittal, Leag und EWE aus dem Wasserstoffgeschäft zurückgezogen haben oder das Tempo herausnehmen. Dabei wäre grüner Wasserstoff ein lukratives Geschäftsfeld, wenn nicht langwierige Genehmigungsverfahren und fehlende Investitionssicherheit die Wirtschaft verunsicherten, wie neue energie jüngst berichtete (neue energie 05/2025). Gerade das Zusammenspiel aus wirtschaftlicher Investitionsbereitschaft, einem klaren politischen Kurs und vereinfachten gesetzlichen Regulierungen seien entscheidend, um den Wasserstoffhochlauf anzukurbeln, raten die Autorinnen der FfE-Studie. Allen beteiligten Akteuren empfehlen sie, künftig mit realistischen Kostenannahmen zu kalkulieren und die rosarote Brille abzusetzen.


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