Deutschlands Wasserstoffhoffnung entsteht in Ostfriesland
EWE baut bei Emden Deutschlands größte Wasserstofffabrik. Die Anlage soll zeigen, dass grüner Wasserstoff im industriellen Maßstab funktioniert. Doch ohne klare politische Rahmenbedingungen könnte der Markthochlauf weiterhin ins Stocken geraten.
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Hochlauf ausstehend: Wann wird grüner Wasserstoff zum viel genutzten Energieträger?
Foto: AdobeStock
Mit dem CHC-Projekt setzen wir ein wichtiges Signal für den Markthochlauf."Stefan Dohler, EWE
Nördlich von Emden wird gerade ein Stück Zukunft gebaut. Fünf Jahre ist es her, dass sich der Energiekonzern EWE mit dem Projekt Clean Hydrogen Coastline (CHC) für eine Förderung beim IPCEI-Programm (Important Project of Common European Interest) beworben hatte. Mitte 2024 kam grünes Licht, und vor wenigen Wochen rückte schweres Baugerät in Ostfriesland an, um dort Deutschlands größte Wasserstofffabrik zu errichten. Ende 2027 soll sie in Betrieb gehen. „Mit dem CHC-Projekt setzen wir ein wichtiges Signal für den Markthochlauf“, sagt EWE-Vorstandschef Stefan Dohler, „damit grüner Wasserstoff eine tragende Rolle für den Klimaschutz und den Industriestandort Deutschland übernehmen kann“. Der Bund und die Länder Niedersachsen und Bremen lassen dafür zusammen 500 Millionen Euro springen, das gesamte Investitionsvolumen beträgt laut EWE 800 Millionen Euro.
Herzstück des Projekts ist ein bei Siemens Energy beauftragter 320-Megawatt-Elektrolyseur, der pro Jahr bis zu 26.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren soll – ausschließlich mit Windstrom. Zu CHC gehört zudem ein 50-MW-Elektrolyseur in Bremen, der Grüngas für die Stahlbranche liefern soll, ferner ein Kavernenspeicher in der Wesermarsch, der Wasserstoff mit einer Energieleistung von 70 Gigawattstunden ans Kernnetz und ans European Hydrogen Backbone angeschlossen wird.
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„Herumgeeiere“ statt Hochlauf beim Wasserstoff
Für die deutsche Wasserstoffbranche könnte das Projekt zugleich ein Befreiungsschlag und die Lösung des oft zitierten Henne-Ei-Problems sein: Demnach sei grüner Wasserstoff bislang zu teuer, weil die Nachfrage fehle – und die fehle, weil grüner Wasserstoff zu teuer sei. Den beliebten Begriff lässt Luc Graré, Manager für Zentral- und Osteuropa beim französischen Wasserstoffhersteller Lhyfe, allerdings nicht mehr gelten. „Was wir in Deutschland inzwischen beim Hochlauf sehen, ist nichts anderes als Herumgeeiere“, sagte er im Februar auf einem Handelsblatt-Panel. Und damit meint er weniger die Industrie als die Politik. Deren Mikado-Verhalten – wer sich zuerst bewegt, verliert – wird beim Wasserstoffbeschleunigungsgesetz besonders deutlich. Seit November 2025 schmort es im Wirtschaftsausschuss des Bundestags. Ein Interesse der schwarz-roten Koalition, es zu verabschieden, ist zurzeit nicht erkennbar. „Dabei wäre das Gesetz durchaus eine gute Sache“, findet Graré, „zumal sich die Genehmigungszeiten für Projekte mit Sicherheit verkürzen, sobald es in Kraft getreten ist.“
Das ist freilich nicht der einzige Grund für den holprigen Hochlauf: Eine im Februar veröffentlichte Studie des Bundesverbands der deutschen Energiewirtschaft (BDEW) benennt außer zu langen Genehmigungszeiträumen etliche weitere Faktoren: Wenn etwa langfristige Abnahmezusagen ausbleiben, leide die Investitionssicherheit ebenso wie beim Fehlen rechtsverbindlicher Rahmenbedingungen, die überdies die Finanzierbarkeit der Vorhaben erschwerten. Hinzu kommen laut der Studie das Marktpreisrisiko und das Infrastrukturrisiko aufgrund schlechter Netzanbindung. BDEW-Chefin Kirsten Westphal fordert daher immer wieder „sichtbare Großprojekte, um die Machbarkeit und Skalierbarkeit von Wasserstoffprojekten zu demonstrieren“.
Wir brauchen eine verbindliche Quote für grünen Wasserstoff."Peter Agoston, Enertrag
Die Clean Hydrogen Coastline von EWE könnte ein Leuchtturm ganz nach ihrem Geschmack sein. Doch was, wenn der dort hergestellte fossilfreie Wasserstoff am Ende zum Ladenhüter wird, weil potenzielle Kunden lieber auf Erdgas oder andere, nach wie vor wesentlich günstiger zu beschaffende Energieträger setzen? „Um so eine Entwicklung zu vermeiden, brauchen wir eine verbindliche Quote für grünen Wasserstoff – quer durch alle Branchen, in denen dessen Nutzung sinnvoll ist“, sagt Enertrag-Manager Peter Agoston. Vielleicht reicht aber auch die Einsicht, dass die vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft der einzige Weg ist, um die Klimakrise zu meistern.
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Auch in diesem Projekt werden vile Millionen Steuergelder verbrannt. Grüner H2 funktioniert nicht ohne Subventionen. Und, dauerhafte Subventionen sind in den Haushalten nicht darstellbar. Die Kosten über die gesamte Kette sind wirtschaftlich nicht darstellbar. Solche Projekte zu starten, in der Hoffnung, dass Steuergelder die Margen erwirtschaften werden, ist mit den Prinzipien eines ordentlichen Kaufmanns nicht darstellbar. Kosten und Ertrag werden niemals in Einklang stehen. Grüner H2 ist der zweite teuere Irrweg nach der Atomkraft.
26.03.2026 - 17:56 | Energiewende - Mehr Kaufkraft für die Region - Landkreis Cham e.V.
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