Netzauslastung

Netzanschlüsse besser auslasten – durch Überbauung von Netzverknüpfungspunkten?

Begrenzte Netzkapazitäten bremsen den Ausbau erneuerbarer Energien. Abhilfe schafft die Überbauung von Anschlüssen in Kombination mit Batteriespeichern.
07.05.2026 | 2 Min.
Erschienen in: Ausgabe 05/2026
Ohne effizientere Nutzung bestehender Infrastruktur wird der Ausbau erneuerbarer Energien kaum im erforderlichen Tempo gelingen.
Ohne effizientere Nutzung bestehender Infrastruktur wird der Ausbau erneuerbarer Energien kaum im erforderlichen Tempo gelingen.
Foto: AdobeStock

Der Ausbau von Wind- und Solarenergie stößt zunehmend an eine unsichtbare Grenze: die verfügbare Netzanschlusskapazität. Weil der Netzausbau nicht hinterherkommt, werden viele Projekte nicht umgesetzt und gute Standorte bleiben ungenutzt – und das, obwohl viele Netzverknüpfungspunkte suboptimal genutzt werden. „Wir sehen, dass Netzanschlüsse über weite Teile des Jahres nicht voll ausgelastet sind“, sagt Peter Ritter, Geschäftsführer von EMD, einem Software- und Beratungsunternehmen, das die Erneuerbaren-Energien-Branche bei der Umsetzung ihrer Projekte unterstützt.

„Wir sehen, dass Netzanschlüsse über weite Teile des Jahres nicht voll ausgelastet sind. Peter Ritter, Geschäftsführer von EMD
„Das ist volkswirtschaftlich ineffizient und angesichts der Ausbauziele nicht mehr tragbar.“ Damit das Netz nicht zum Flaschenhals der Energiewende wird, müssen die vorhandenen Anschlüsse besser genutzt werden. Klassischerweise wird die Anschlussleistung an der maximalen Einspeisung eines einzelnen Parks ausgerichtet, obwohl diese nur selten erreicht wird.

Überbauung steigert die Auslastung

Hier setzt die Überbauung an. Dabei wird bewusst mehr Erzeugungsleistung angeschlossen, als der Netzanschluss nominal aufnehmen kann. Möglich wird dies durch die komplementären Erzeugungsprofile von Photovoltaik und Wind. Solarstrom fällt vor allem mittags und im Sommer an, Windenergie eher nachts und im Winter. Dadurch lassen sich Netzanschlüsse deutlich besser auslasten. Mit steigender Überbauung wächst jedoch das Risiko von Abregelungen. Batteriespeicher können hier ausgleichen, indem sie überschüssige Energie aufnehmen und zeitversetzt wieder einspeisen. Die Kombination aus Wind, Photovoltaik und Speicher führt zu einem flexibleren Gesamtsystem und glättet das Einspeiseprofil. Zugleich lassen sich zusätzliche Erlöspotenziale erschließen, etwa durch die Nutzung von Strompreisschwankungen.

Speicher machen Flexibilität wirtschaftlich

Wie diese Kombination wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt wird, hängt stark vom Standort, von den Kosten und den Marktbedingungen ab. „Die optimale Konfiguration ergibt sich aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren“, betont Ritter. Dementsprechend gewinnen modellbasierte Analysen an Bedeutung, die technische und wirtschaftliche Aspekte zusammenführen. Auswertungen zeigen, dass bereits moderate Überbauungen die Auslastung deutlich verbessern, während höhere Grade der Überbauung sich durch den Einsatz der Speicher rechnen. Neben betriebswirtschaftlichen Vorteilen ergeben sich auch systemische Effekte: Bestehende Netze werden besser genutzt, der Ausbaubedarf sinkt, und die Integration erneuerbarer Energien wird erleichtert.

Fest steht: Ohne effizientere Nutzung bestehender Infrastruktur wird der Ausbau erneuerbarer Energien kaum im erforderlichen Tempo gelingen. Die Überbauung von Netzanschlüssen in Kombination mit Speichern könnte für die Energiewende eine Schlüsselrolle spielen.

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