Mit dem rasanten Ausbau der erneuerbaren Energien wächst eine zentrale Herausforderung. Der Bau und Betrieb von Solaranlagen, Windkraftwerken und Energiespeichern erfordert große Mengen sogenannter Energiewende-Mineralien – und deren Abbau ist vielerorts mit erheblichen sozialen ökologischen und finanziellen Risiken verbunden. Ein jüngst veröffentlichter Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) warnt vor den Schattenseiten des Grünstrom-Booms und fordert tiefgreifende Reformen bei Finanzierung, Regulierung und Transparenz im globalen Bergbausektor.
Bericht stellt Risiken der Rohstoffgewinnung in den Vordergrund
Der Bericht rückt die oft ausgeblendeten ökologischen und sozialen Risiken in den Vordergrund. Beispiel: Der Abbau von Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo, von Lithium im chilenischen Atacama-Gebiet oder von Seltenen Erden in China führt seit Jahren zu Biodiversitätsverlust, massiver Wasserentnahme, Verschmutzung von Böden und Gewässern sowie zur Belastung kompletter Ökosysteme. Unep verweist darauf, dass viele betroffene Regionen bereits heute unter Wasserstress leiden – ein Umstand, der sich durch wasserintensive Gewinnungsverfahren noch verschärft. Internationale Recherchen dokumentieren zudem eine Zunahme von Menschenrechtsverletzungen. Laut Untersuchungen, die von der britischen Zeitung Guardian ausgewertet wurden, nahmen Missbrauchsvorwürfe bei Bergbauprojekten, die für die Energiewende benötigt werden, innerhalb von fünf Jahren um ein Mehrfaches zu. Neben Ausbeutung und schlechten Arbeitsbedingungen gehören Kinderarbeit, Vertreibung lokaler Gemeinschaften und Konflikte um Landrechte zu den gravierendsten Problemen.
Organisationen wie die Internationale Energieagentur (IEA) warnen, dass trotz wachsender Produktionskapazitäten ein strukturelles Angebotsdefizit bei zentralen Rohstoffen droht – etwa bei Kupfer, bei dem bis 2035 ein Fehlbetrag von rund 30 Prozent erwartet wird. Solche Engpässe könnten die Energiewende verlangsamen und geopolitische Spannungen verstärken. Die IEA geht davon aus, dass bis 2040 weltweit rund 800 Milliarden Dollar in neue Bergbauprojekte fließen müssen, um die Klimaziele zu erreichen.
Rohstoff-Kreislaufwirtschaft: Mehr Ressourceneffizienz nötig
Auch die Unep-Fachleute betonen, dass eine massive Ausweitung der Förder- und Verarbeitungsaktivitäten von Energiewende-Mineralien unabdingbar sei – aber nur dann vertretbar sei, wenn sie mit einer parallelen Kreislaufwirtschaft einhergeht, die Recycling, Design zur Wiederverwertung und generell mehr Ressourceneffizienz umfasst. Dennoch blieben gewaltige Investitionsbedarfe bestehen. Ergänzend fordert der Bericht Partnerschaften zwischen rohstoffreichen Ländern und Importstaaten, damit die Vorteile des Bergbaus lokal und gerecht verteilt werden, Governance gestärkt wird und Menschenrechte sowie Umweltbedingungen nicht für die Klimaziele geopfert werden.
Der Bericht widmet sich ferner dem informellen Kleinbergbau, der in zahlreichen Ländern einen erheblichen Teil der Förderung ausmacht, oft jedoch völlig unreguliert ist. Transparenz, klare Lizenzierung, technische Unterstützung sowie gerechter Zugang zu Daten und Märkten seien entscheidend, um soziale und ökologische Mindeststandards in dem Sektor durchzusetzen. Darüber hinaus empfiehlt Unep die Einführung globaler Nachhaltigkeitsleitlinien sowie Anreiz und Zertifizierungssysteme, die verantwortungsvolle Unternehmen belohnen.
Institute sollen ESG-konforme Projekte bei Finanzierung bevorzugen
Unep stellt klar: Die Energiewende ist nur dann wirklich nachhaltig, wenn sie Umwelt, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit berücksichtigt. „Die Nachfrage nach Mineralien und Metallen, die für die Energiewende benötigt werden, erfordert eine Bergbauindustrie, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt und gleichzeitig die Menschenrechte und die Umwelt achtet“, sagt Janez Potočnik, Co-Vorsitzender des Unep-Ressourcenrats. Nur wenn Verantwortung und Nachhaltigkeit Leitprinzipien des globalen Rohstoffsektors werden, könne „der Bergbau vom Problem zur Lösung werden und die Energiewende tatsächlich zukunftsfähig machen“.
