Erneuerbare in den USA

Ausgerechnet Texas zeigt, warum Trump die US-Energiewende nicht aufhalten kann

Donald Trump setzt auf Öl, Gas und Kohle. Doch der US-Energiemarkt folgt anderen Gesetzen: Mehr als 90 Prozent der neuen Kraftwerksleistung stammen inzwischen aus Solarenergie, Windkraft und Batteriespeichern – selbst im Ölstaat Texas.
03.07.2026 | 5 Min.
Trotz Trump: Der Ausbau Erneuerbarer nimmt in den USA zu – wie hier in Kalifornien.
Trotz Trump: Der Ausbau Erneuerbarer nimmt in den USA zu – wie hier in Kalifornien.
Foto: Venti Views, Unsplash

US-Präsident Donald Trump lässt kaum eine Gelegenheit aus, gegen Windräder und Solaranlagen zu polemisieren. Seine Regierung fördert Öl, Gas und Kohle, lockert Umweltauflagen und versucht, die unter Vorgänger Joe Biden eingeführten Steuervorteile für saubere Energien möglichst rasch abzubauen. Im vergangenen Sommer wies das Weiße Haus das Finanzministerium ausdrücklich an, die Förderung neuer Wind- und Solarprojekte eng auszulegen und auslaufen zu lassen. Trumps Leitmotiv lautet „Energy Dominance“: mehr Öl- und Gasbohrungen, mehr Flüssiggasexporte, längere Laufzeiten für Kohlekraftwerke.

Doch der Präsident kann die wirtschaftliche Realität nicht einfach außer Kraft setzen. Während Washington die Energiewende bremst, geht der Ausbau von Solar-, Wind- und Speichertechnik weiter. Eine neue Analyse des Center for Global Sustainability an der Universität Maryland, veröffentlicht im Klima-Infodienst „Carbon Brief“, zeigt: Mehr als 90 Prozent der 2025 neu errichteten Kraftwerksleistung entfielen auf Solarenergie, Windkraft und Batteriespeicher. Bereits seit 2011 übertrifft der Zubau erneuerbarer Kapazitäten den jeder anderen Technologie.

Solar, Wind, Speicher: Neuer Rekord in Aussicht

Für 2026 zeichnet sich sogar ein neuer Rekord ab. Nach Angaben der staatlichen Energiebehörde EIA planen Betreiber insgesamt 86 Gigawatt neue Kraftwerksleistung. Davon sollen 43,4 Gigawatt auf große Solarparks, 24 Gigawatt auf Batteriespeicher und 11,8 Gigawatt auf Windkraft entfallen. Zusammen wären das mehr als 90 Prozent des gesamten Zubaus. Gaskraftwerke kommen lediglich auf gut sechs Gigawatt. Die geplanten Solarinstallationen lägen um 60 Prozent über dem Vorjahreswert, der Windkraft-Zubau könnte sich mehr als verdoppeln.

Die Gründe sind Kosten, Geschwindigkeit und Versorgungssicherheit. Zudem drängt die wachsende Stromnachfrage zum Handeln. Seit 2020 ist der US-Verbrauch um rund sieben Prozent gestiegen. Rechenzentren, neue Fabriken, Elektroautos und elektrische Heizsysteme treiben ihn weiter nach oben. Die Maryland-Forscher halten bis Mitte der 2030er Jahre ein Plus von 24 bis 34 Prozent gegenüber 2021 für möglich, nachdem der Stromverbrauch in den vergangenen Jahren kaum gewachsen war. Ausgerechnet der Boom der von Trump hofierten Tech-Konzerne erhöht damit den Druck, rasch neue Stromquellen zu erschließen. Neue Erdgas- und Atomkraftwerke brauchen lange Vorläufe; Erneuerbare dagegen können schnell und schrittweise ans Netz gehen. Der Markt folgt nicht der Rhetorik aus Washington, sondern dem Bedarf vor Ort.

Texas ist unerwartet Vorreiter beim Erneuerbaren-Ausbau

Besonders sichtbar ist das laut der Analyse in Texas, dem Zentrum der US-amerikanischen Öl- und Gasindustrie, einer Hochburg der Republikaner. Der Bundesstaat verfolgt kein offizielles Klimaneutralitätsziel, führt unter den US-Bundesstaaten aber den Ausbau der erneuerbaren Energien an. Viel Sonne, starke Winde, große Flächen, einfache Genehmigungen und ein liberalisierter Strommarkt haben die installierte Ökostromleistung 2025 auf fast 90 Gigawatt steigen lassen. Inzwischen erzeugen texanische Solarparks mehr Strom als die Kohlekraftwerke des Staates. Rund 40 Prozent der für 2026 geplanten neuen US-Solarleistung sollen wiederum in Texas entstehen.

Politische Entscheidungen bleiben dennoch wichtig. Kalifornien will seinen Strom bis 2045 vollständig aus erneuerbaren und anderen CO2-freien Quellen beziehen; 2025 lag der Erneuerbaren-Anteil bei 44 Prozent. New Mexico erzeugt mehr als die Hälfte seines Stroms regenerativ. Andere republikanisch regierte Staaten hingegen blockieren dagegen Klimaregeln oder Solarprojekte. Die US-Energiewende bleibt ein Flickenteppich: Wo Erneuerbare Kosten senken und neue Verbraucher versorgen, setzen sie sich oft über Parteigrenzen hinweg durch. Anderswo bremsen Widerstände, Netzengpässe und fehlende Leitungen.

USA drohen Klimaziele zu verfehlen

Auch klimapolitisch ist das Bild weniger erfreulich, als die Rekordzahlen vermuten lassen. Wind und Sonne deckten 2025 jeweils etwa zehn beziehungsweise neun Prozent der US-Stromerzeugung. Der Kohleanteil ist binnen zehn Jahren um mehr als die Hälfte gefallen, doch Erdgas, zum Teil durch Fracking gewonnen, sprang in die Lücke und lieferte zuletzt rund 39 Prozent des Stroms. Insgesamt stammten noch 56 Prozent der Elektrizität aus fossilen Quellen. Zugleich sind die USA zum weltweit führenden Produzenten von Erdöl und Erdgas und zu einem großen Exporteur von Flüssigerdgas aufgestiegen.

Damit droht das Land seine Klimaziele klar zu verfehlen. Der Rückzug aus dem Pariser Abkommen, die Schwächung von Emissionsstandards für Kraftwerke und Fahrzeuge sowie die Kürzung der Förderprogramme bremsen Investitionen und verlängern die Nutzung fossiler Infrastruktur. Alte Kohlekraftwerke sollen länger laufen, neue LNG-Terminals binden Kapital für Jahrzehnte. Selbst ein kräftiger Ökostromausbau reicht nicht, wenn gleichzeitig der Verbrauch steigt und Öl und Gas in Verkehr, Gebäuden und Industrie kaum zurückgedrängt werden.

Hormus-Schock stärkt Interesse an Erneuerbaren in Südostasien

Wie riskant die fossile Abhängigkeit bleibt, hat ausgerechnet Trumps Krieg gegen Iran demonstriert. Die Schließung der Straße von Hormus ließen Öl- und Gaspreise stark steigen, gerade auch in den USA. Besonders hart traf es jedoch asiatische Länder, die einen großen Teil ihrer fossilen Energien aus dem Nahen Osten beziehen. Und, Ironie der Geschichte, dort dürfte Trumps Politik die Energiewende sogar beschleunigen. Der Hormus-Schock hat das Interesse an Solarenergie, Speichern und elektrischen Anwendungen deutlich verstärkt. Der Energie-Thinktank Ember erwartet, dass der Ersatz geplanter Gaskraftwerke durch Solaranlagen die Stromerzeugungskosten in Südostasien um rund 60 Prozent drücken kann.

Am deutlichsten zeigt sich die Reaktion auf den Philippinen. Weil die Strompreise seit Beginn des Iran-Krieges anstiegen, schnellten die Einfuhren chinesischer Solarmodule in den Monaten März bis Mai gegenüber dem Vorjahr um 145 Prozent auf 407 Millionen Dollar hoch. Haushalte und Unternehmen installieren Dachanlagen, um sich gegen teuren Importstrom und Ausfälle abzusichern. Die Amortisationszeit sank nach Schätzungen von vier auf gut drei Jahre. Damit wurden die Philippinen zeitweise zum weltweit dynamischsten Markt für Solarmodule.

Erneuerbaren-Ausbau langsamer und teurer als technisch möglich

Trumps fossile Agenda wirkt also sowohl in den USA wie weltweit wie aus der Zeit gefallen. Unternehmen, Bundesstaaten und Verbraucher setzen zunehmend Technologien, die keine Brennstoffe brauchen. Fachleute erwarten daher, dass der Ausbau der Erneuerbaren die Trump-Jahre wohl überstehen wird. Er ist zu günstig, zu schnell und wirtschaftlich zu breit verankert, um sich per Dekret komplett stoppen zu lassen. Das heißt aber nicht, dass Trumps Bremserkurs nicht auch wirkt. Der Erneuerbaren-Ausbau droht deutlich langsamer und teurer werden, als es technisch möglich wäre. Ohne verlässliche Förderung, neue Netze, Speicher, schnellere Genehmigungen und eine Strategie zur Elektrifizierung bleibt der Umbau Stückwerk. Der Markt kann eine konsequente Klimapolitik nicht ersetzen.

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Trotz Trump: Der Ausbau Erneuerbarer nimmt in den USA zu – wie hier in Kalifornien.
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