ENERGIEDIALOG 2026 - Der energiepolitische Jahresauftakt am 20.01.2026
Globale Bestandsaufnahme

So geht Energiewende: Island

Wasserkraft und Geothermie versorgen Island mit Strom. Die größten Verbraucher sind Aluminiumhütten.
02.09.2025 | 2 Min.
Erschienen in: Ausgabe 09/2025
Pioniere: Zwei Windkraftanlagen betreibt der staatliche Stromkonzern Landsvirkjun derzeit, nächstes Jahr kommen 28 Windturbinen dazu.
Pioniere: Zwei Windkraftanlagen betreibt der staatliche Stromkonzern Landsvirkjun derzeit, nächstes Jahr kommen 28 Windturbinen dazu.
Foto: Landsvirkjun

Island verzichtet auf Erdgas und Atomstrom, auch Kohle und Erdöl spielen kaum eine Rolle. Auf der atlantischen Insel kommt der Strom zu mehr als 99 Prozent aus Geothermie und Wasserkraft. Gut zwei Drittel des Stroms liefern Flüsse und Gletscher, rund 30 Prozent werden aus Erdwärme gewonnen. Sollte der Bedarf wachsen, können die erneuerbaren Energien problemlos nachlegen: Schätzungen gehen davon aus, dass sich Wasserkraft und Geothermie insgesamt auf bis zu 50 Terawattstunden (TWh) pro Jahr ausbauen lassen würden. Derzeit verbrauchen die Isländer rund 20 TWh. Wohl auch deshalb wird das Potenzial der Windenergie bislang kaum angezapft: Lediglich zwei Windkraftanlagen betreibt der staatliche Stromkonzern Landsvirkjun. Nächstes Jahr soll ein erster Windpark dazukommen: 28 Enercon-Anlagen erbringen eine Leistung von 120 Megawatt.

Das Überangebot an erneuerbaren Energien hat Island schon vor der Jahrtausendwende genutzt, um stromintensive Unternehmen ins Land zu holen. Und die kamen, angelockt mit billigem Strom aus ökologisch erzeugter Energie. Das Resultat heute: Drei Aluminiumhütten, eine Produktionsanlage für Ferrosilizium und eine Siliziumfabrik sind die größten Stromverbraucher auf der Insel.

Mittlerweile hat sich die Stimmung allerdings gedreht. Das hängt zusammen mit dem Bau von Kárahnjúkar, dem bislang größten Wasserkraftwerk im Land. Es produziert etwa 4,6 TWh elektrische Energie pro Jahr – rund ein Viertel des in Island produzierten Stroms. Der Bau von Kárahnjúkar führte zu Protesten. Es kam zu Großdemos, eine Kampagne mobilisierte international Umweltaktivisten, die teils mit Blockaden den Bau auszubremsen versuchten. Das Kraftwerk ging 2007 trotzdem in Betrieb. Gleichwohl haben die Proteste die isländische Energiepolitik verändert: Pläne für zwei weitere Aluminiumfabriken wurden gestoppt, eine davon war bereits in Bau. Stattdessen werden heute in Island ambitionierte Klimaschutztechnologien getestet. Es geht um grünen Wasserstoff und Methanol, um Carbon Capture and Storage (CCSSteht für Carbon Capture and Storage: das Einfangen und dauerhafte Einlagern von CO2. Beim verwandten CCU dient das eingefangene CO2 als Rohstoff für Produkte.Steht für Carbon Capture and Storage: das Einfangen und dauerhafte Einlagern von CO2. Beim verwandten CCU dient das eingefangene CO2 als Rohstoff für Produkte.) und Direct Air Capture and Storage (DAC), also um die Abscheidung von Kohlendioxid aus Industrieanlagen beziehungsweise der Umgebungsluft und seine Speicherung im Boden oder Weiterverarbeitung. Island will damit die Probleme lösen, mit denen sich andere Länder herumschlagen müssen, die sich nicht so schnell von fossilen Energieträgern getrennt haben.

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