Mörsdorf
Viel los ist nicht im Rhein-Hunsrück-Kreis, dabei liegen Mainz und Wiesbaden fast um die Ecke. Früher flohen die Menschen, dann kamen nach der Jahrtausendwende die Windräder. Über den Kreis verteilt drehen sich derzeit 300 Anlagen, zwölf davon bei Mörsdorf. Wo früher Bäcker und Restaurant schließen mussten, wurde jetzt ein Dorfgemeinschaftshaus und eine 360 Meter lange Hängebrücke gebaut. Geld gibt es genügend: Jährlich füllen die Windräder die Gemeindekasse mit etwa einer Million Euro auf. Heute fragen sogar Familien aus Frankfurt nach Bauplätzen in Mörsdorf: Dort gibt es jetzt Kindergarten und Schule. Finanziert durch … schon klar.
Steinfurt
Wenn die Anwohnenden mitentscheiden und zugleich spürbar vom lokalen Windpark profitieren, steigt die Akzeptanz von Windrädern. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Anlagen im direkten Besitz der Bürgerinnen und Bürger sind. Erwirtschaftete Gewinne fließen an die Menschen, die in der Nähe der Anlagen leben. Im Kreis Steinfurt fungiert der Verein Energieland 2050 als zentrale Koordinations- und Unterstützungsplattform, die die Aktivitäten und Ressourcen von Kommunen, Unternehmen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vernetzt. Wesentlicher Baustein sind die gemeinsam erarbeiteten Leitlinien für Bürgerenergie. Sie umfassen drei zentrale Punkte:
- Transparenz und Beteiligung: Bürgerinnen und Bürger werden frühzeitig in den Planungsprozess eingebunden und erhalten unternehmerische Mitbestimmungsmöglichkeiten. Je nach Größe des Windparks liegen mindestens 25 Prozent oder sogar mehr als 50 Prozent des Eigenkapitals in den Händen der Bürgerinnen und Bürger.
- Regionale Wertschöpfung: Ein Großteil der finanziellen Erträge bleibt in der Region, indem lokale Unternehmen eingebunden und Bürgerbeteiligungsmodelle gefördert werden.
- Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit: Die Bürgerwindparks unterstützen den Umweltschutz über das gesetzliche Maß hinaus und engagieren sich für das Gemeinwohl.
Aufbauend auf diesen Leitlinien ist im Kreis Steinfurt jetzt ein Zertifizierungsmodell entwickelt worden. Es prüft anhand von 40 Kriterien, ob es sich bei Projekten tatsächlich um Bürgerwindparks handelt. Derzeit sieht es gut aus: Fast 40 Prozent der rund 300 Windenergieanlagen im Kreisgebiet liefern Bürgerenergie.
Wildpoldsried
Die Sonne scheint häufig im Allgäu, und auf den Höhen weht meist ein kräftiger Wind. Das sollten wir nutzen, sagten sich vor rund 20 Jahren einige Lokalpolitiker in Wildpoldsried und machten sich stark für Energie, die von Sonne und Wind geliefert wird. Bewusst setzten sie auf Genossenschaftsmodelle, woraufhin die meisten anderen Dorfbewohner mitzogen. „Über Beteiligungsmodelle haben wir es geschafft, dass die Bürgerinnen und Bürger – die sich natürlich aber auch Gewinn erhoffen – investieren“, sagt der Zweite Bürgermeister Günter Mögele. Beim Bau der neuesten beiden Windräder habe man die Beteiligungssumme sogar deckeln müssen. Heute nennt sich die 2600-Einwohner-Gemeinde stolz Energiedorf.
Coesfeld
Zank um den Windpark Letter Bruch gab es nicht. Denn die Stadt Coesfeld stellte von Anfang an die Weichen richtig: Die Menschen werden an den Planungen und an der Finanzierung beteiligt – und anschließend an den Erträgen beteiligt. Dasselbe gilt für die Stadtwerke Coesfeld, die als Teilhaber eingebunden wurden. Die 13 Windräder produzieren jährlich 125 Gigawattstunden Strom. An die beteiligten Bürgerinnen und Bürger wird aktuell eine jährliche Rendite von 300 000 Euro verteilt. Derselbe Betrag landet als Gewerbesteuer im Stadtsäckel, dazu kommen weitere 250 000 Euro aus der EEG-Umlage. Ach so: Die Stromtarife in Coesfeld sind erfreulich niedrig – auch für Mitmenschen, die Windräder eher skeptisch sehen.
