Durch die grünen Schluchten im Norden Albaniens schlängelt sich der Drin. Für Touristen ist das türkisblaue Wasser des aufgestauten Koman-Sees eine Attraktion, für das Land ist er eine der wichtigsten Energiequellen. Der Koman-Damm ist einer von drei Staudämmen, die am Drin Wasserkraft erzeugen, 4000 Gigawattstunden (GWh) im Jahr, die Hälfte des Bedarfs. Insgesamt sorgen 130 Wasserkraftwerke in Albanien für 95 Prozent des produzierten Stroms.
Die vielen Berge und Flüsse bieten ideale Bedingungen für Wasserkraft. Bereits in den 1960er Jahren wurden erste Seen aufgestaut. Das kommunistische Regime setzte auf Autarkie, außerdem war Wasserkraft vergleichsweise billig. Heute ist Albanien neben Island das einzige Land in Europa, dessen eigene Stromerzeugung ausschließlich auf erneuerbaren Energien basiert.
Zwar ist der Stromverbrauch pro Einwohner vergleichsweise gering, doch der Bedarf wächst schnell – auch weil der Tourismus seit einigen Jahren boomt. In den kommenden fünf Jahren wird eine Steigerung des Stromverbrauchs um mehr als 70 Prozent prognostiziert. Deshalb setzt das Land auf Diversifizierung. Denn im Sommer, wenn der Wasserstand niedrig ist, muss Albanien etwa 30 Prozent des benötigten Stroms teuer aus den Nachbarländern importieren.
Die Kapazitäten für Solar- und Windenergie werden derzeit verstärkt ausgebaut, auch dafür sind die Bedingungen in Albanien günstig. Die Sonnenstrahlung ist im Westen des Landes sehr hoch. 2023 ging ein riesiger Solarpark in Betrieb: Auf 185 Hektar reihen sich fast 200000 Solarpaneele aneinander, die pro Jahr etwa 265 GWh erzeugen. 2030 soll eine Solarkapazität von ein Gigawatt erreicht werden – das ist etwa das Dreifache der heutigen Kapazität.


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