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Regierungsstrategie

Wasserstoff wird zur bunten Mischung

Die Bundesregierung hat ihre Pläne zur künftigen Versorgung mit Wasserstoff aktualisiert. Das Update sieht zwar mehr Tempo bei der klimaneutralen Variante vor, setzt aber fürs Erste auch auf die Erzeugung aus Erdgas.
Von:  Ina Matthes
27.07.2023 | Aktualisierung: 22.08.2023 | 2 Min.

Erdgas wird in den kommenden Jahren für die deutsche Wasserstoffwirtschaft eine größere Rolle spielen. Bis ausreichend klimaneutraler grüner Wasserstoff bereitsteht, sollen auch blauer oder türkiser Wasserstoff auf Erdgasbasis verwendet werden. Darauf hat sich die Ampelkoalition in einer aktualisierten Nationalen Wasserstoffstrategie geeinigt, die das Kabinett am Mittwoch (26. Juli) beschlossen hat.

Türkiser, blauer und oranger Wasserstoff als Teil der Strategie

Während die vor drei Jahren verabschiedete Ursprungsfassung fast vollständig auf grünen, mit erneuerbarer Energie aus Wasser gewonnenen Wasserstoff setzte, lässt ihre Fortschreibung nun eine ganze Farbpalette zu. Übergangsweise sind türkiser und blauer Wasserstoff vorgesehen, um einen schnellen Hochlauf des Marktes zu erreichen und den erwarteten Bedarf decken zu können. Beide Varianten werden aus fossilem Gas gewonnen.

Dabei fällt Kohlendioxid an, das abgeschieden und gespeichert wird – etwa im sogenannten CCSSteht für Carbon Capture and Storage: das Einfangen und dauerhafte Einlagern von CO2. Beim verwandten CCU dient das eingefangene CO2 als Rohstoff für Produkte.-Verfahren. Türkiser und blauer Wasserstoff gelten deshalb als kohlenstoffarm. Zum Einsatz kommen soll auch oranger Wasserstoff, der aus Biogas oder unter Verwendung von Energie aus der Abfallverbrennung hergestellt wird. Was die Strategie allerdings ausklammert, ist die rote, mit Atomstrom erzeugte Variante.

Ziel für grünen Wasserstoff verdoppelt

Zugleich will die Bundesregierung aber auch den Hochlauf von grünem Wasserstoff deutlich beschleunigen. Das Ziel, fünf Gigawatt (GW) Erzeugungskapazität bis 2030 aufzubauen, verdoppelt sie auf zehn GW. Dafür soll es Förderung geben. Die Erzeugung der anderen Farbversionen will der Bund nicht fördern, aber für ihre Anwendung ist eine staatliche Unterstützung vorgesehen. Wasserstoff soll vor allem in Industrie, Kraftwerken, Verkehr und als Speicher eingesetzt werden.

Für die Wärmeversorgung spielt er zunächst eine untergeordnete Rolle in Wärmenetzen und dezentralen Heizungen. Den Bedarf schätzt die Bundesregierung mit 95 bis 130 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2030. Das ist etwas mehr, als noch vor drei Jahren – da waren 90 bis 110 TWh angesetzt. Ein großer Teil der benötigten Menge, 50 bis 70 Prozent, sollen künftig importiert werden.

Umweltschützer kritisieren den Einsatz von Erdgas

Lob für die aktualisierte Strategie kam vom Verband der Gas- und Wasserwirtschaft DVGW, der die erweiterte Farbpalette als sinnvolle Ergänzung für klimaneutrales grünes Gas sieht. Die Deutsche Umwelthilfe hingegen wirft der Bundesregierung vor, den Ausstieg aus fossilen Energien auf Kosten des Klimaschutzes zu verschieben. Kritisch äußerte sich auch die Energieökonomin Claudia Kemfert. Blauer Wasserstoff sei keine Übergangstechnologie, schrieb sie auf Twitter.

Der dafür notwendige Aufbau einer Infrastruktur verzögere den Zubau erneuerbarer Energien. „Nur grüner Wasserstoff kann treibhausgasfrei und nachhaltig hergestellt werden“, so Kemfert. Bei der Förderung und dem Transport des Erdgases, aus dem türkiser und blauer Wasserstoff entsteht, wird Methan frei. Dieses Treibhausgas ist laut Umweltbundesamt 25-mal klimaschädlicher als CO2.

 

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