ENERGIEDIALOG 2026 - Der energiepolitische Jahresauftakt am 20.01.2026
Energiemix 2025

Mehr Solar, wenig Fortschritt: Warum die Energiewende 2025 stagnierte

Photovoltaik liefert so viel Strom wie nie zuvor und deckt inzwischen 18 Prozent der heimischen Stromproduktion. Trotzdem wächst der Ökostrom insgesamt nur minimal – und beim Primärenergieverbrauch haben Öl und Gas weiterhin die Oberhand.
09.01.2026 | 4 Min.
55,9 Prozent: Über die Hälfte des Stroms stammte 2025 wieder aus erneuerbaren Quellen.
55,9 Prozent: Über die Hälfte des Stroms stammte 2025 wieder aus erneuerbaren Quellen.
Foto: AdobeStock

Die gute Nachricht zuerst: Die Stromerzeugung aus Solaranlagen hat im vergangenen Jahr ein neues Rekordhoch erreicht. Ihr Anteil an der heimischen Stromproduktion betrug 2025 rund 18 Prozent – nach 14 Prozent im Vorjahr. Insgesamt braucht der Umbau des Energiesystems allerdings neuen Schub. Denn unter dem Strich gab es 2025 nur einen minimalen Zuwachs beim Ökostrom, vor allem, weil die Windkraft in dem besonders windarmen Jahr schwächelte. Hinzu kommt, dass beim Primärenergieverbrauch – also beim Gesamteinsatz inklusive Wärme, Kraftstoffe und Industrieproduktion – fossile Energieträger mit fast 80 Prozent weiterhin dominieren.

 

Wieder mehr als die Hälfte des Stroms aus erneuerbaren Quellen

Insgesamt produzierten die erneuerbaren Energiequellen Solar, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie laut ISE mehr als die Hälfte des verbrauchten Stroms, nämlich 55,9 Prozent – derselbe Wert wie 2025. Es waren 278 TWh, von denen 256 TWh ins öffentliche Stromnetz eingespeist und 22 TWh selbst verbraucht wurden. Die Erzeugung stieg damit nur gering, nämlich um sechs TWh gegenüber dem Vorjahr. Sie liege deutlich unter dem für 2025 ursprünglich angestrebten Wert von 346 TWh, bemerkt das Institut. Hauptursache sei der geringe Ausbau der Windenergie onshore und offshore. Allerdings gibt es auch bei der Photovoltaik Sorgen, dass der in den vergangenen Jahren spürbare Boom nicht weitergeht.

Beim Photovoltaik-Ausbauziel nicht auf Kurs

Der Solarverband bilanziert, das solare Ausbautempo habe sich 2025 „entschleunigt“. Konkret heißt das: Nachdem 2024 noch Anlagen mit einer Maximalleistung von 17,7 Gigawatt (GW) neu installiert wurden, waren es im vorigen Jahr etwas weniger: 17,5 GW. Das ist zwar immer noch deutlich mehr als in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre, als der Solarzubau extrem abgestürzt war. Doch um das für das Jahr 2030 gesetzlich verankerte Photovoltaik-Ausbauziel von 215 GW zu erreichen, wäre ein jährlicher Zubau von rund 20 GW erforderlich. Aktuell ist eine Gesamtleistung von rund 118 GW erreicht, also erst gut die Hälfte. Verbands-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig appelliert vor diesem Hintergrund an die Bundesregierung, weitere Marktbarrieren abzubauen und die Förderung für Solaranlagen keinesfalls weiter zu verschlechtern. Er reagierte damit auf die Ankündigung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) vom letzten Herbst, die Förderung für neue Solardächer noch weiter zurückzufahren, nachdem sie bereits zu Jahresbeginn 2025 gekürzt worden war.

Laut einem Maßnahmenkatalog des Ministeriums sollen kleine Solaranlagen auf Hausdächern künftig gar keine staatliche Förderung mehr erhalten. Bei großen Solaranlagen sollen die bisherigen festen Einspeisevergütungen, die für 20 Jahre gelten, abgeschafft werden. Stattdessen soll die Förderung auf sogenannte Differenzverträge (Contracts for Difference) umgestellt werden. Dabei verkauft der Stromerzeuger die Elektrizität auf dem freien Markt oder an einen festen Vertragspartner. Sinkt der erlöste Strompreis unter einen bestimmten Referenzpreis, wird das ausgeglichen, liegt der Strompreis darüber, muss der Stromerzeuger die Mehreinnahmen abgeben. Reiche plant, ein solches Differenzmodell auch für Windkraftanlagen einzuführen.

CO2-Emissionen so hoch wie schon 2024

Die Klimabilanz der deutschen Stromerzeugung hat sich unter dem Strich gegenüber 2024 nicht verbessert, da sich der Beitrag der fossilen Kraftwerke – bei einem leichten Rückgang im Braunkohle-Sektor und einem leichten Plus bei Erdgas – kaum verändert hat. Die CO2-Emissionen lagen nach ersten Hochrechnungen bei 160 Millionen Tonnen und damit ziemlich genau auf dem Niveau von 2024. Verglichen mit dem Basisjahr 1990 ist der Rückgang jedoch deutlich; er beträgt laut ISE 58 Prozent. Das Fraunhofer-Institut lässt indes keinen Zweifel daran, dass die Energiewende im Stromsektor neuen Schwung braucht, um die Klimaziele zu erreichen. Der Zubau beim Wind liege „deutlich unter den deutschen Ausbauzielen“. Ende 2025 waren 68,1 GW Leistung installiert, es hätten aber 76,5 GW sein sollen. Wie der Solarverband halten auch die Freiburger Forscher mehr Power beim Solarausbau für nötig.

Betrachtet man den gesamten Energieverbrauch in Deutschland, sieht die Bilanz deutlich schlechter als im Stromsektor aus. Weiterhin gilt, dass die Energiewende bisher vor allem eine Stromwende war. Die fossilen Energieträger Öl, Gas und Kohle lieferten 2025 zusammen 79,4 Prozent der verbrauchten Energie, wie aus Zahlen des Energieverbands BDEW hervorgeht – und damit nur 0,6 Prozentpunkte weniger als 2024.

Erdgas dominiert als Primärenergie

Der größte Anteil entfiel auf Mineralöl mit 36 Prozent, vor allem wegen seiner kaum geschmälerten Dominanz im Verkehrssektor und der immer noch relativ großen Bedeutung im Heizungsbereich. Die Zahl der Ölheizungen sinkt zwar tendenziell, beträgt aber weiterhin 4,8 Millionen. Erdgas folgt in der Bilanz auf Platz zwei mit 27 Prozent. Der Energieträger ist wichtig im Wärmesektor – etwa die Hälfte der Wohngebäude wird damit beheizt –, für die Stromerzeugung und für Prozesswärme in der Industrie. Erdgas war damit in der Gesamtbilanz wichtiger als die erneuerbaren Energien Wind, Solar, Biomasse und Wasserkraft zusammen, die es 2025 insgesamt auf rund 20 Prozent der Primärenergie brachten.

Die Wärmewende ist die Königsdisziplin der Energiewende." Kerstin Andreae, BDEW
Der BDEW betont, dass vor allem im Wärmemarkt große Herausforderungen in puncto Energiewende bestünden, da drei Viertel der Haushalte weiterhin mit Gas oder Öl heizen. Zwar sei im Wohnungsneubau der Anteil der Wärmepumpe mittlerweile auf 67 Prozent gestiegen, der Umbau des Bestands bleibe aber eine Mammutaufgabe. „Die Wärmewende dürfen wir nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie ist die Königsdisziplin der Energiewende“, sagte Verbandschefin Kerstin Andreae im Dezember auf der Jahrespressekonferenz ihrer Organisation. Millionen Heizungen müssten in den kommenden zwei Jahrzehnten erneuerbar werden. „Dafür brauchen wir verlässliche, verständliche und praxistaugliche Regeln“, so Andreae.

Relevante Termine

Kommentar verfassen

Hinweis: Kommentare werden vor der Freischaltung zunächst gesichtet. Dies kann unter Umständen etwas Zeit in Anspruch nehmen.

*Pflichtfelder

Die E-Mailadresse wird nicht gespeichert, sondern gelöscht, sobald Sie eine Bestätigungsmail für Ihren Kommentar erhalten haben. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung


Captcha Image
=
55,9 Prozent: Über die Hälfte des Stroms stammte 2025 wieder aus erneuerbaren Quellen.
Foto: AdobeStock
Termine
16.01.2026 bis 25.01.2026
Messe Berlin GmbH

19.01.2026
Webinar | Solarenergie - Standortsicherung