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Offshore

Offshore-Wasserstoff braucht endlich klare Regulierung

Offshore-Wasserstoff könnte Deutschlands Energiewende voranbringen – doch warum kommt er kaum vom Fleck? Ein Blick auf Chancen, Blockaden und die entscheidenden Weichenstellungen für die Zukunft der Industrie.
Kommentar: Stefan Thimm
03.09.2025 | 2 Min.
Erschienen in: Ausgabe 09/2025
Stefan Thimm, Geschäftsführer vom Bundesverband Windenergie Offshore
Stefan Thimm, Geschäftsführer vom Bundesverband Windenergie Offshore
Foto: Stefan Thimm/Bundesverband Windenergie Offshore

Stefan Thimm

ist seit 2020 Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie Offshore (BWO). Unter seiner Leitung hat sich der Verband strategisch geöffnet und vertritt heute die gesamte Wertschöpfungskette der Offshore-Windenergie. Zuvor war Thimm mehr als zehn Jahre Fachgebietsleiter Erneuerbare Energien im Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Er studierte Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte sowie Öffentliches Recht an der Universität Bonn. Mit seiner langjährigen Erfahrung in Verbandsarbeit und Energiepolitik setzt er sich für den verlässlichen Ausbau der Offshore-Windenergie ein.

Grüner Wasserstoff aus Offshore-Wind – lange galt er als das nächste Kapitel der Energiewende. Doch während unsere Nachbarländer längst Pflöcke einschlagen, die niederländische Regierung bereits Wasserstoffknotenpunkte fördert, verzettelt sich Deutschland in Symbolpolitik und Zuständigkeitsgerangel. Der jüngste Referentenentwurf für das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz (WasserstoffBG) offenbart einmal mehr: Für das Wirtschaftsministerium scheint Offshore-Wasserstoff keine Priorität zu haben. Dabei ist gerade jetzt eine industriepolitische Richtungsentscheidung überfällig.

Zwar betont der Entwurf die Dringlichkeit beim Aufbau einer nationalen Wasserstoffinfrastruktur, aber ausgerechnet dort, wo die Potenziale am größten sind, bleibt er stumm: auf hoher See. Plattform-Elektrolyseure in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die direkt vor Ort Wasserstoff produzieren, sucht man im Gesetz vergeblich. Auch Hybridlösungen, also die parallele Anbindung von Strom- und Wasserstoffleitungen, bleiben rechtlich in der Schwebe. So vergeht wertvolle Zeit, während erste Pilotprojekte auf Genehmigung warten.

Stattdessen erleben wir das Gegenteil von Beschleunigung: Offshore-Wasserstoff wird systematisch aus dem regulatorischen Rahmen ausgeklammert – im WasserstoffBG, im RED-III-Umsetzungsgesetz, im Windenergie-auf-See-Gesetz (Wind-SeeG). Zuletzt wurde auch im Kabinettsentwurf zum Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) vom 6. August zwar festgelegt, dass Energiespeicheranlagen im überragenden öffentlichen Interesse liegen. Für die Offshore-Windbranche wäre aber entscheidend, dass dies auch für Offshore-spezifische Speicherlösungen wie die Wasserstoffproduktion auf See explizit klargestellt wird. Diese Klarstellung fehlt nach wie vor. Das ist kein Versehen, sondern eine Fortschreibung politischer Versäumnisse.

Politik und Behörden bekommen es zudem seit Jahren nicht hin, die Fläche SEN-1 auszuschreiben, auf der die Produktion von klimafreundlichem Wasserstoff vorgesehen ist. Das ist symptomatisch für den aktuellen Stand der Offshore-Wasserstoffproduktion in Deutschland. Der Bundesverband Windenergie Offshore fordert deshalb einen klaren Kurswechsel, der vier Hauptpunkte umfasst.

Erstens: Die planungsrechtliche Öffnung für Elektrolyseure in der AWZ muss noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Andernfalls droht Deutschland, den technologischen Anschluss zu verlieren.

Zweitens: Die rechtssichere Möglichkeit zur Hybrid-Anbindung von Windparks an Strom- und Wasserstoffleitungen muss ins WindSeeG aufgenommen werden. Und zwar nicht als Option, sondern als Standard.

Drittens: Das überragende öffentliche Interesse für Wasserstoffvorhaben darf nicht zu einer Verdrängung bereits raumordnerisch gesicherter Offshore-Windflächen führen. Die Energiewende braucht klare Prioritäten, keine neuen Flächenkonflikte.

Viertens: Es braucht verlässliche Abnahme- und Fördermechanismen. Ohne Marktanreize wie Carbon Contracts for Difference wird kein Unternehmen in großskalige Offshore-Elektrolyse investieren. Die Bundesregierung muss hier liefern. Nicht morgen, sondern jetzt.

Offshore-Wasserstoff ist keine ferne Zukunftstechnologie. Die Industrie steht bereit. Was fehlt, ist ein kohärenter Rechtsrahmen und ein Wirtschaftsministerium, das zielgerichtet handelt. Ministerin Katherina Reiche spricht öffentlich von Leuchtturmprojekten. Jetzt sollte sie das Fundament für den Wasserstoffausbau legen.

*An dieser Stelle lesen Sie einen Gastbeitrag, der nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wiedergibt. Für den Inhalt sind die jeweiligen Autoren verantwortlich.

 

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