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Bundesbehörde unter Verdacht

Gekaufte Geo-Experten?

Hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Industrieinteressen vertreten? Dieser Verdacht liegt nach Informationen eines Rechercheverbunds nahe. Dabei geht es auch um eine Studie, die Mitte der 1990er den Einfluss von CO2 auf den Klimawandel anzweifelte.
Von:  Michael Hahn
04.07.2016 | Aktualisierung: 07.07.2016 | 1 Min.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover steht unter dem Verdacht, von Industrieunternehmen für Studienergebnisse in ihrem Sinne bezahlt worden zu sein. Nach Informationen eines Rechercheverbunds von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) wird die Behörde, die dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist, durch den „Hans-Joachim-Martini-Fonds" unterstützt, der 1982 von Industrievertretern aus der Rohstoff-, Chemie- und Energiebranche gegründet wurde. Hauptgeldgeber des Fonds, der seit 1987 eine Stiftung ist, waren demnach unter anderem der Chemiekonzern Bayer, das Energieunternehmen Rheinbraun (heute RWE), der Stahlproduzent Salzgitter sowie die Unternehmen Wintershall und Kali+Salz. Manager der Firmen säßen im Kuratorium der Stiftung.

Diese habe nach internen Dokumenten die Aufgabe, BGR-Mitarbeiter durch Fördergelder oder den sogenannten „Hans-Joachim-Martini-Preis“ zu unterstützen. Dabei deckten sich laut Rechercheverbund Inhalt und Ergebnis von BGR-Studien teils erkennbar mit den Interessen der Unternehmen, die die Stiftung finanziert haben.

1995 erschien etwa eine BGR-Studie, die Wasserdampf und Sonneneinwirkung als die Haupteinflüsse des Klimawandels auswies. Dafür zahlte die Martini-Stiftung 50.000 D-Mark. Weitere industrie-freundliche Studien, die laut den Recherchen gefördert wurden, beschäftigten sich mit Fracking, der Speicherung von CO2 im sogenannten CCSSteht für Carbon Capture and Storage: das Einfangen und dauerhafte Einlagern von CO2. Beim verwandten CCU dient das eingefangene CO2 als Rohstoff für Produkte.Steht für Carbon Capture and Storage: das Einfangen und dauerhafte Einlagern von CO2. Beim verwandten CCU dient das eingefangene CO2 als Rohstoff für Produkte.-Verfahren und dem Atom-Endlager Gorleben. Eine Studie sollte zudem den schädlichen Einfluss von Infraschall bei Windkraftanlagen bestätigen.

Obwohl die Innenrevision des Bundeswirtschaftsministeriums schon 2012 die Vergabepraxis früherer Preisgelder bis zum Jahr 2003 kritisiert habe, gebe es seitens des Ministeriums keine grundsätzliche Beanstandung an der Martini-Stiftung, so NDR, WDR und SZ. Der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen) fordere angesichts der Erkenntnisse eine Neuprüfung der BGR-Publikationen. Die BGR und die Stiftung hätten die Vorwürfe schriftlich zurückgewiesen.

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