Der Bundestag hat vergangene Woche das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) verabschiedet. Nach Monaten der Debatten, Anhörungen und Warnungen aus unterschiedlichen Richtungen geht das Gesetz nun weitgehend unverändert durch das parlamentarische Verfahren. Verbände und Unternehmen der Erneuerbaren-Branche sind eher unzufrieden, wie die Bundesregierung das ehemalige Gebäudeenergiegesetz (GEG) weiterentwickelt hat.
Das GModG als klimapolitischer Rückschritt
Der Deutsche Naturschutzring (DNR) etwa kritisiert, dass die Regierung trotz aktueller Hitzewellen die Klimaschutzanforderungen bei Immobilien zurückdreht. Florian Schöne, Geschäftsführer beim DNR: „Während Deutschland unter extremen Hitzewellen immer deutlicher die Folgen der Klimakrise spürt, setzt die Bundesregierung im Gebäudesektor weiter auf fossile Energien. Dies geschieht trotz geopolitischer Krisen wie dem Irankrieg, die deutlich machen, wie riskant unsere Abhängigkeit von Erdgas ist. Das ist unverantwortlich: Die Regierungsfraktionen nehmen weitere Hitzeopfer in Kauf, zwingen Verbraucher*innen in teure grüne Gase und opfern unsere energetische Unabhängigkeit den Interessen weniger fossiler Unternehmen.“ Aus Sicht des DNR markiere dieser Beschluss einen klimapolitischen Präzedenzfall: Zum ersten Mal schwächt eine Bundesregierung substanziell den Klimaschutz, anstatt ihn voranzutreiben.
Mehr Unsicherheit für Gebäudeeigentümer und Wärmenetze
Entscheidend sei nun das angekündigte Wärmenetzpaket, das Investitionssicherheit für Ausbau und Transformation der Wärmenetze schaffen müsse, sagt John Miller, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Fernwärme (AGFW): „Das GModG ist beschlossen. Jetzt muss die Bundesregierung auch bei der Fernwärme liefern. Dazu gehören praxistaugliche Lösungen für die Wärmelieferverordnung und die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme, die langfristige Absicherung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze im Zuge der Novellierung des Wärmeplanungsgesetzes sowie die zügige Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Weitere Verzögerungen können wir uns nicht leisten.“
Herkunft ausreichender grüner Brennstoffe noch ungeklärt
Ursula Heinen-Esser, Präsidentin Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) lobt hingegen die neu festgelegten Leitplanken für die Grüngasquote. Dass die Inverkehrbringer hier bis zum Jahr 2045 vollständig auf klimaneutrale Brennstoffe umsteigen sollen, schaffe Planungssicherheit. Damit sei implizit zumindest systemtechnisch ein Enddatum für den fossilen Betrieb von Heizsystemen in Sicht. „Die Änderungen am GModG sind zwar nicht der große Wurf, der die Wärmewende entscheidend vorantreiben wird, aber die rechtlichen Rahmenbedingungen stehen. Allen positiven Vorstößen zum Trotz ist in der Gesamtbetrachtung allerdings ein Rückschritt bei der Wärmewende zu verzeichnen“, so Heinen-Esser. Dass die Verpflichtungen zur neuen Bio-Treppe nicht für Heizungsanlagen gelten sollen, die ab dem 1. Januar 2024 installiert wurden, sieht der BEE jedoch kritisch. Damit werden rund 900.000 Gas- und Ölheizungen aus der Pflicht genommen.
Bio-Treppe mit Risiko und schwindendes Vertrauen in die Politik
Grundlegende Kritik an der Entstehung des Gebäudemodernisierungsgesetz äußert Konstantin Litke, Leiter Politik und Kommunikation beim Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft. Ihm fehle der Dialog zwischen Gesetzgeber und Branche und sieht das Vertrauen in die Politik schwinden: „Wir erleben erneut, dass Kritik zwar zur Kenntnis genommen wird, aber kaum in konkreten Verbesserungen mündet. Ein Gesetz, das so viele Fragezeichen aufwirft – etwa woher die benötigten grünen Brennstoffe in ausreichender Menge kommen sollen und wie die angekündigten Vereinfachungen trotz zusätzlicher Nachweis- und Abrechnungspflichten funktionieren sollen – darf im Wesentlichen nicht unverändert verabschiedet werden. Das untergräbt Vertrauen und verschiebt die wesentlichen Konflikte in die Zukunft.“ Mehrere Klagen gegen das neue Gesetzt seien angekündigt oder bereits auf den Weg gebracht. Wenn politische Konflikte absehbar in langwierigen gerichtlichen Verfahren münden, sei das kein Zeichen für Planungssicherheit, sondern Ausdruck eines Gesetzgebungsprozesses, der offene Fragen nicht ausreichend klärt, meint der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft.
Lob kommt aus der Gas-Branche
Nur der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) findet ausschließlich positive Worte zum Gebäudemodernisierungsgesetz. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW: „Das Gebäudemodernisierungsgesetz sendet ein wichtiges Signal für einen technologieoffenen Transformationspfad im Gebäudesektor. Die stärkere Berücksichtigung klimaneutraler Gase wie Wasserstoff und Biomethan erweitert den Lösungsraum zur Defossilisierung der Gebäudewärme und ermöglicht es, bestehende Gasinfrastrukturen effizient zu nutzen. Damit leistet das Gesetz einen wichtigen Beitrag, um Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit miteinander stärker in Einklang zu bringen.“