Für das Jahr 2013 verzeichnete die Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) die Neugründung von 128 Gemeinschaftsunternehmen zur dezentralen Energiegewinnung in Bürgerhand. Im Jahr davor wurden noch 150, im Jahr 2011 sogar 167 Gründungen registriert. Damit steigt zwar die Gesamtzahl der im DGRV organisierten Energiegenossenschaften auf etwa 800 an, 888 insgesamt zählte die Agentur für Erneuerbare Energien Anfang des Jahres. „Aber die Bundespolitiker, die in ihrer Koalitionsvereinbarung noch von mehr Bürgerbeteiligung geschrieben haben, bauen jetzt an hohen Hürden für genossenschaftliche Gründer“, warnt Eckhard Ott, Vorstandsvorsitzender des DGRV.
Da ist zum einen die Idee einer verpflichtenden Direktvermarktung zum 1. Januar 2017 von Strom ab 100 Kilowatt, die in den fast immer ehrenamtlich geleiteten Energiegenossenschaften zu deutlich mehr Bürokratie führen würde. Zum anderen sollen die Gemeinschaftsunternehmen zukünftig ihren selbst erzeugten Strom vor Ort ohne Nutzung des öffentlichen Stromnetzes nur mit vollem EEG-Umlage-Aufschlag direkt liefern dürfen. „Diese Diskussionen haben bundesweit bei gründungswilligen Bürgern zu großen Verunsicherungen geführt. Bestehende Energiegenossenschaften stellen ihre Projekte zurück und nehmen immer öfter keine neuen Mitglieder auf“, so Ott weiter.
Die im Verband organisierten 800 Energiegenossenschaften mit ihren 200.000 Mitgliedern haben bislang rund 1,5 Mrd. Euro in Erneuerbare Energien investiert. Nach Schätzungen der Bundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften werden allein in diesem Jahr etwa 300 Millionen Euro an Investitionen in allen Teilen Deutschlands zurückgestellt. Problematisch sind die viel zu kurzen Übergangsfristen. Insbesondere Projekte im Bereich Windenergie haben eine sehr lange Planungsphase. „Wenn ich heute nicht weiß, ob ich zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme noch eine sichere Refinanzierung habe, dann werde ich nicht investieren. Diese unbefriedigende Situation wirft die bürgergetragene Energiewende in Deutschland um Jahre zurück“, so Ott.
Positiver ist die Entwicklung bei den Nahwärme-Genossenschaften. Mit diesen Gemeinschaftsanlagen werden die angeschlossenen Haushalte kostengünstig mit Wärmeenergie, zum Beispiel von einer Bioenergieanlage, versorgt. Fast jede fünfte Energiegenossenschaft ist in diesem Bereich aktiv. Hier liege noch enormes Potenzial, so Ott, denn bei vielen Biogasanlagen werde die anfallende Abwärme noch nicht genutzt. Auch industrielle Abwärme in Unternehmen kann vielerorts für die gemeinschaftliche Wärmeversorgung genutzt werden.
Nicole Allé energiezukunft.eu