Ausweg aus fossiler Abhängigkeit

13 Empfehlungen an die Politik: Umweltbundesamt fordert Tempolimit und Wärmepumpen-Offensive

Die aktuelle Energiekrise zeigt erneut, wie abhängig Deutschland von Öl und Gas aus dem Ausland ist. Das Umweltbundesamt empfiehlt 13 konkrete Maßnahmen, die kurzfristig entlasten und langfristig die Energieversorgung unabhängiger machen sollen.
12.08.2026 | 3 Min.
Schnelle das Tempo drosseln: Das Umweltbundesamt empfiehlt unter anderem ein Tempolimit.
Schnelle das Tempo drosseln: Das Umweltbundesamt empfiehlt unter anderem ein Tempolimit.
Foto: Oliver Schröder, Pexels

Ähnlich wie 2022 befindet sich Deutschland seit der Blockade der Straße von Hormus in einer Energiekrise. Das Umweltbundesamt (UBA) hat erfolgreiche Maßnahmen aus der Krise von 2022 ausgewertet und diese mit weiteren Empfehlungen für mehr Energieeffizienz und Energiesparen kombiniert, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern: teure fossile Importe, steigende Energiepreise, Abhängigkeit von Drittstaaten. Entstanden ist der aktuelle Policy Brief mit 13 Empfehlungen an die Politik für einen Ausweg aus der fossilen Abhängigkeit. Denn: Insbesondere der Verkehrs- und der Gebäudesektor in Deutschland sind weiterhin stark auf fossile Energien angewiesen. Im Verkehrsbereich liegt die Abhängigkeit bei 92 Prozent; private Haushalten waren 2025 laut UBA zu 70 Prozent von fossilen Energieträgern abhängig. „Im letzten Jahrzehnt hat sich der Mineralöl- und Gasverbrauch in Deutschland kaum verändert“, schreibt das Umweltbundesamt im Policy Brief.

Der Krieg im Iran und die damit einhergehende wiederholte Unterbrechung von wichtigen Handelswegen führt vor Augen, wie stark Deutschland auf fossile Importe angewiesen ist: 98 Prozent des hierzulande verwendeten Erdöls stammt aus dem Ausland. Bei Erdgas liegt die Quote bei 95 Prozent.

Konkrete Vorschläge für mehr Energieeffizienz und Energiesparen

Jetzt hat das UBA 13 konkrete Vorschläge an die Politik formuliert, um diese Abhängigkeit und damit auch die Folgen der aktuellen Energiekrise zu mindern. Gleichzeitig könne die Umsetzung der Maßnahmen mittelfristig auch die Transformation zu mehr Energieunabhängigkeit unterstützen. „Damit wird die Resilienz gegenüber künftigen Energiekrisen erhöht“, schreibt das Umweltbundesamt im Policy Brief.

Das Umweltbundesamt empfiehlt die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten auf allen Straßen zu priorisieren." Umweltbundesamt
Die vorgeschlagenen Maßnahmen beziehen sich vor allem auf den Verkehrssektor sowie auf die Energieeffizienz und Heiztechnik in privaten Haushalten. Hier sieht das UBA ein großes, kurz- bis mittelfristig zu hebendes Optimierungspotenzial – das gleichzeitig private Haushalte in der Krise finanziell entlasten und vor weiteren Preissteigerungen schützen solle. Die Vorschläge reichen von Informations- und Aufklärungskampagnen zum Beispiel zum Thema Energiesparen bis zu einem flächendeckenden Tempolimit auf deutschen Straßen. Letzteres stuft das Umweltbundesamt als vorrangigste Maßnahme mit einem schnellen Effekt ein: „Das Umweltbundesamt empfiehlt die kurzfristige Umsetzung der Senkung des Kraftstoffverbrauchs durch die Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten auf allen Straßen zu priorisieren“, erklärt das UBA auf Nachfrage durch neue energie. „Dies lässt sich relativ schnell und mit geringem administrativem Aufwand umsetzen und kann zeitlich auf die Dauer der aktuellen Energiekrise begrenzt werden.“ Dadurch würden sich auch finanzielle Entlastungen für Autofahrerinnen und Autofahrer ergeben.

Wärmepumpen als Schlüsseltechnik für fossilfreies Heizen

Trotz bereits von Bundestag und Bundesrat beschlossenem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) fordert das Umweltbundesamt in seinem Policy Brief umfassende Anpassungen der Regeln für Heizungssysteme in Deutschland. So sieht das UBA in Wärmepumpen die Schlüsseltechnik für fossilfreies Heizen und empfiehlt, „klare Ausbauziele zu definieren, die aufzeigen, mit welchen Anteilen verschiedene Heiztechnologien zu einem sinnvollen Gesamtbild und damit zum Gelingen der Energiewende im Gebäudebestand beitragen sollen.“ Die aktuelle Bundesregierung solle diesen Sommer nutzen, um eine „Wärmepumpen-Offensive“ zu starten.

Eine weitere erfolgversprechende Maßnahme sieht das UBA in der Weiterentwicklung der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). So solle ein „Geschwindigkeitsbonus“ für den Einbau von Wärmepumpen eingeplant werden, der zu einem vorzeitigen Ausbau fossiler Heizkessel in den Wohngebäuden führt. Mit einer einkommensabhängigen Förderung würde die Wärmewende dann auch für finanzschwache Haushalte realisierbar. Gleichzeitig solle ein Förderschwerpunkt für Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern ergänzt werden, „um den Markthochlauf in diesem Segment mit Praxis-Beispielen zu verstärken.“ Insgesamt fordert das UBA einen klaren Pfad hin zu dem Ziel, „dass alle neuen Heizungen ausschließlich erneuerbare Energien nutzen“. Die Behörde spricht sich dafür aus, einen eindeutigen Endpunkt für den Betrieb fossiler Heizung zu setzen, etwa den 1. Januar 2045. So könnten Gebäudeeigentümer die zukünftige Energieversorgung ihres Hauses besser planen und sich rechtzeitig auf die Umstellung einrichten.

Der Policy Brief mit den 13 Empfehlungen liege Vertretern der Bundesregierung vor, sagt das Umweltbundesamt gegenüber neue energie. Wie wahrscheinlich es ist, dass diese Maßnahmen von der Politik auch umgesetzt werden, kann das UBA allerdings nicht einschätzen.

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Schnelle das Tempo drosseln: Das Umweltbundesamt empfiehlt unter anderem ein Tempolimit.
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