BMWE-Monitoring der Energiewende: Das sagt die Branche
Während die einen begrüßen, dass das Gutachten Klarheit über Handlungsbedarf schafft, kritisieren andere, dass falsche Schlussfolgerungen gezogen seien. Wir haben die Reaktionen gesammelt.
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Von: Redaktion neue energie
18.09.2025 | 5 Min.
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In der Branche der Erneuerbaren gibt es unterschiedliche Stimmen zum Energiewende-Monitoring des BMWE.
Laut Bundesverband Erneuerbare Energie e. V. (BEE) zeigt der Monitoringbericht zur Energiewende: Die Energiewende bedarf keiner Neuausrichtung. Der Ausbau der Erneuerbaren und der Netzausbau müssen ambitioniert weitergehen und das Gesamtsystem mit Flexibilisierung, Digitalisierung und mehr regionaler Steuerung zur besseren Marktintegration der Erneuerbaren stärker in den Fokus genommen werden.
Der Ausbau der Erneuerbaren muss unvermindert weitergehen.“Dr. Simone Peter, BEE-Präsidentin
Dr. Simone Peter, BEE-Präsidentin, betont: „Die Gutachter und Bundeswirtschaftsministerin Reiche unterstrichen ausdrücklich das Festhalten an den Klimazielen, am Erneuerbaren-Ausbauziel von 80 Prozent bis 2030 und an einem ambitionierten Netzausbau. Das Gutachten stellt auch klar, dass nur bei einem starken Anstieg des Strombedarfs der vollständige Erhalt der gegenwärtigen Industriestruktur gesichert, die SektorenkopplungDie Nutzung von Strom in anderen Energie-Sektoren wie Wärme und Verkehr, z.B. durch E-Autos und Wärmepumpen.Die Nutzung von Strom in anderen Energie-Sektoren wie Wärme und Verkehr, z.B. durch E-Autos und Wärmepumpen. umgesetzt und der Bedarf von neuen (KI-)Rechenzentren gedeckt werden kann. […] Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie der weiteren Umsetzung der Energiewende“,
Die Windenergie ist bereit, Verantwortung zu übernehmen.“Bärbel Heidebroek, BWE-Präsidentin
Wolfram Axthelm, BWE-Geschäftsführer, erklärt: „Der Monitoringbericht an sich ist eine sehr gute Arbeitsgrundlage. Viele Punkte, die wir schon seit längerem gerade im Bereich Flexibilitäten vorgeschlagen haben, spielen dort eine Rolle. Darauf kann man aufbauen. Wir sagen aber auch: Die Bundesregierung muss von höheren Strombedarfen ausgehen, sonst strahlt sie kein Signal der Zuversicht aus.“
Energiewende-Monitoring
BMWE schlägt zehn Schlüsselmaßnahmen vorDer Bericht ist ein Auftrag aus dem Koalitionsvertrag und wurde von den wissenschaftlichen Instituten BET und EWI im Auftrag des BMWE...
Stefan Rouenhoff, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, fordert: „Wir müssen beim Ausbau der erneuerbaren Energien die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft viel stärker in den Fokus rücken. Und das bedeutet: Die Systemkosten müssen von nun an vollumfassend mitgedacht werden, denn die erneuerbaren Anlagen sind keine Nischentechnologien mehr. Sie sind die zentrale Energiequelle in Deutschland. Und deshalb ist es an der Zeit, dass auch sie mehr Systemverantwortung übernehmen und ihren Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Bezahlbarkeit in unserem Land leisten.“
Es ist unsere Aufgabe, aus dem Energiewende-Monitoring eine gute Nachjustierung für die Energiewende zu machen, die Planungssicherheit, Verlässlichkeit und Perspektive gibt.“Tobias Goldschmidt, Energiewende-Minister Schleswig-Holstein
Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein, erklärte bei der Messe Husum Wind: „Ich möchte einmal sagen, dass das Energiewende-Monitoring mit Blick auf die erneuerbaren Energien erst mal ein gutes Dokument ist, was die Grundlage für so etwas wie ein Energiewende-Konsens in unserem Land bilden könnte. Problematisch ist das Narrativ und sind auch die zehn Punkte der Bundeswirtschaftsministerin, die aus meiner Sicht von dem Willen geprägt sind, zu polarisieren. [...] Es ist unsere Aufgabe, aus dem wirklich sehr guten Energiewende-Monitoring eine gute Nachjustierung für die Energiewende zu machen, die den verschiedenen Akteuren Planungssicherheit, Verlässlichkeit und Perspektive gibt. […] Ich möchte dazu aufrufen, dass aus dem wirklich sehr guten Monitoring, der sehr guten Grundlage, dann auch wieder sehr gute Energiewende-Politik werden kann. Das haben wir in Schleswig-Holstein in der Vergangenheit häufig vorangetrieben. Und das werden wir auch in Zukunft machen.“
Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems, gibt an: „Ein Realitätscheck zum Beginn der Legislaturperiode ist sinnvoll, um getroffene Annahmen zu überprüfen. Doch ist diese Metastudie sehr stark energiewirtschaftlich und kostenorientiert. Das greift zu kurz. Wir hängen derzeit beim Ausbau der Erneuerbaren hinterher. Wenn wir aber die langfristigen Ziele beibehalten und vor allem in den 2030er Jahren Tempo aufnehmen, hätte das deutlich höhere positive Effekte als eine dauerhafte Reduktion des Ausbaus, die jetzt im Raum steht.“
Die Kosten beim Netzausbau werden steigen. Die Finanzierung muss langfristig sichergestellt sein.“Jürgen Kerner, zweiter Vorsitzender IG Metall
Jürgen Kerner, zweiter Vorsitzender der IG Metall, sagt: „Um die Zukunft des Industriestandortes Deutschland zu sichern, brauchen wir die Erneuerbaren Energien. Deshalb ist es gut, dass die Bundesregierung das 80-Prozent-Ziel beim Ausbau der Erneuerbaren nicht infrage stellt. Allerdings haben wir Zweifel, ob tatsächlich mit einem geringeren Stromverbrauch gerechnet werden sollte. [...] Die Regierung sollte nicht nur auf die Kosten achten, sondern auch auf die Sicherung von Arbeit und Wertschöpfung in Deutschland und Europa. Die Kosten beim Netzausbau werden steigen. Die dafür notwendige Finanzierung muss langfristig sichergestellt sein.“
Externes MonitoringEnergiepolitik auf neuem Kurs?Mit einem externen Monitoring will Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche ihre künftige Energiepolitik vorab legitimieren lassen – möglichst agendakonform. Worauf muss...
Julia Bläsius, Direktorin Agora Energiewende Deutschland, warnt: „Den Erneuerbaren-Ausbau auf Basis einer niedrigeren Stromverbrauchsprognose für 2030 zu bremsen, ist kurzsichtig, kostspielig und sendet das falsche Signal an die heimische Wirtschaft. Unabhängig von der Nachfrageentwicklung verteuert ein gedrosselter Zubau von Wind- und Solarenergie den Strompreis 2030 um 2 Cent pro Kilowattstunde – für Haushalte und Unternehmen summieren sich die zusätzlichen Kosten 2030 so auf mindestens 12 Milliarden Euro. Dieser Kurs würde die gerade beschlossene Strompreisentlastung, die das Bundeswirtschaftsministerium mit rund 10 Milliarden Euro Haushaltsmitteln auf 2,4 Cent pro Kilowattstunde beziffert, fast vollständig zunichtemachen. Anstatt den Rotstift bei den Erneuerbaren-Ausbauzielen anzusetzen und so den Strom zu verteuern, sollte die Bundesregierung besser Kostensparpotenziale beim Netzausbau und -betrieb nutzen, um die Strompreise zu senken.“
Wir brauchen Planungssicherheit. Die Unsicherheit, die jetzt von der Ministerin in den Markt getragen wird, ist Gift für die Branche.“Hartmut Brösamle, Geschäftsführer der WPD AG
Ulrich Schulze Südhoff, CCO von Enercon, betont: „Es ist gut, dass Reiche am 80-Prozent-Ziel festhält. Aber wir merken, dass sich der Schwerpunkt verändert hat, hin zu einer effizienteren Nutzung des Stroms und Kostensenkung. Wir können dafür sorgen, dass die Strompreise sinken, aber wir brauchen von der Gesetzgebung mehr Markt im System.“ Er fordert unter anderem „eine Priorisierung bei der Genehmigung von Batteriespeicher, die an Windparks oder Photovoltaikanlagen errichtet werden, einen Rechtsanspruch auf Überbauung des Netzanschlusses sowie die proaktive Nutzung von Speichern, auch um Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“
Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG, bedauert: „Am Ziel von 80 Prozent Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch bis 2030 festzuhalten und zugleich von einem deutlich niedrigeren Bedarf auszugehen, bedeutet das stillschweigende Eingeständnis, sektorenübergreifend – also inklusive Gebäude, Verkehr und Industrie – die Klimaschutzziele zu verfehlen.“
Diese Priorisierung neuer Gaskraftwerke läuft Gefahr, das eigentliche Problem – die Speicherlücke – zu verlängern.“Georg Gallmetzer, Geschäftsführer ECO STOR
Georg Gallmetzer, Geschäftsführer von ECO STOR, erläutert: „Das nun veröffentlichte Papier […] zeigt zu Recht, dass Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz im Einklang gedacht werden müssen. Es betont die Bedeutung von Flexibilität, Digitalisierung und Marktmechanismen. Dies alles sind Felder, in denen Speicher heute schon konkret Wirkung entfalten können. Jede eingesetzte Speicherkapazität reduziert Redispatch-Kosten, glättet Preisspitzen und macht den Strommarkt verlässlicher. Speicher leisten so einen direkten Beitrag zur Entlastung von Haushalten, Industrie und Staatshaushalt. Gerade deshalb sehen wir mit Sorge, dass das Papier Speicher nicht ins Zentrum seiner Strategie stellt. Stattdessen liegt der Schwerpunkt auf neuen Gaskraftwerken, die über einen Kapazitätsmarkt gefördert werden sollen und auf Technologien wie CCSSteht für Carbon Capture and Storage: das Einfangen und dauerhafte Einlagern von CO2. Beim verwandten CCU dient das eingefangene CO2 als Rohstoff für Produkte.Steht für Carbon Capture and Storage: das Einfangen und dauerhafte Einlagern von CO2. Beim verwandten CCU dient das eingefangene CO2 als Rohstoff für Produkte. und CCU, die noch aufwendig entwickelt werden müssen. Diese Priorisierung läuft Gefahr, das eigentliche Problem – die Speicherlücke – zu verlängern. Denn solange überschüssige erneuerbare Energie nicht gespeichert wird, entstehen teure Überschüsse, steigende Netzkosten und volatile Märkte. Speicher könnten diese Symptome schon heute lindern.“
ENERGIEDIALOG 2026Der ENERGIEDIALOG ist der große energiepolitische Jahresauftakt des BEE. Seien Sie am 20. Januar 2026 dabei und starten Sie mit den Erneuerbaren-Verbänden in das neue Jahr 2026.