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Energiewende als Wirtschaftsmotor: Hamburg erreicht Wachstum dank Erneuerbaren

Die Energiewende schafft in Hamburg und Umgebung nicht nur Klimaschutz, sondern auch Jobs und Wertschöpfung. Das macht eine Studie des EEHH-Clusters deutlich: 30.800 Beschäftigte und 5,26 Milliarden Euro zeigen die wachsende Bedeutung der Erneuerbaren-Branche.
29.09.2026 | 5 Min.
Aufschwung: Die Erneuerbaren-Branche wächst in der Metropolregion Hamburg.
Aufschwung: Die Erneuerbaren-Branche wächst in der Metropolregion Hamburg.
Foto: Pixabay

Die Erneuerbaren-Branche ist in der Metropolregion Hamburg längst zu einem relevanten Wirtschaftsfaktor geworden – und entwickelt sich deutlich dynamischer als die Gesamtwirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Erneuerbare Energien und klimaneutrale Energieversorgung“, die Prognos gemeinsam mit cruh21 im Auftrag des Clusters Erneuerbare Energien Hamburg (EEHH) erstellt hat.

Für das Jahr 2025 weist die Untersuchung rund 30.800 Beschäftigte und eine Bruttowertschöpfung von rund 5,3 Milliarden Euro aus, die auf die Erneuerbaren in Hamburg und Umgebung zurückzuführen sind. Die zugrundeliegende Berechnung ist dabei eher konservativ: Erfasst werden vor allem direkt zurechenbare Aktivitäten; indirekte und induzierte Effekte entlang der Wertschöpfungsketten bleiben unberücksichtigt. Die tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung dürfte daher sogar noch höher liegen.

Beschäftigung wächst viermal so schnell wie die Gesamtwirtschaft

Die Entwicklung der Erneuerbaren-Branche in den vergangenen 15 Jahre ist dabei sehr dynamisch: 2010 arbeiteten in der untersuchten Region knapp 12.000 Menschen in diesem Bereich. Bis 2025 hat sich die Beschäftigung damit nahezu zweieinhalbfacht. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate lag laut Studie bei 6,5 Prozent – gegenüber etwa 1,5 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungsentwicklung.

Noch stärker wuchs die Bruttowertschöpfung in der Metropolregion Hamburg: Sie stieg von rund einer Milliarde Euro im Jahr 2010 auf knapp 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2025. Das entspricht einer durchschnittlichen nominalen Wachstumsrate von 11,7 Prozent pro Jahr. Erneuerbare Energien sind damit nicht nur Teil der ökologischen Transformation, sondern auch ein stabilisierender Faktor in einem wirtschaftlich unsicheren Umfeld. „Die Studie macht deutlich, dass die Metropolregion Hamburg heute zu den dynamischsten Standorten der Energiewende in Deutschland gehört“, sagt Prognos-Studienautorin Katharina Wilkskamp.

Dienstleistungen für Windenergie mit stärkstem Wachstum

Die Energiewende ist längst auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor." Melanie Leonhard, Wirtschaftssenatorin Hamburg
Der Technologiebereich mit dem stärksten Wachstum bleibt die Windenergie mit rund 13.000 Arbeitsplätzen. Hamburgs Rolle ist dabei weniger durch die industrielle Fertigung von Anlagen geprägt als durch die zentralen Dienstleistungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Erneuerbaren-Lösungen: Projektentwicklung, Finanzierung, Planung, Management und Betriebsführung bündeln sich in der Metropolregion. Die regionale Windwirtschaft profitiert damit sowohl von Hamburgs Funktion als Dienstleistungs- und Unternehmensstandort als auch von der Nähe zu den norddeutschen Produktions- und Installationsstandorten.

Daneben gewinnt die Systemseite der Energiewende an Gewicht. Für intelligente Energiesysteme und -netze weist die EEHH-Studie 8.500 Beschäftigte und eine Bruttowertschöpfung von rund zwei Milliarden Euro aus. Damit liegt dieses Segment bei der Wertschöpfung sogar vor der Windenergie mit knapp 1,8 Milliarden Euro. Die politische Einordnung fällt entsprechend eindeutig aus: „Die Energiewende ist längst auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard. „Gerade bei erneuerbaren Energien und Wasserstoff haben wir im Norden große Stärken entwickelt. Diese wollen wir nutzen, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu sichern und neue Chancen zu schaffen.“

Standortvorteile treffen auf Umsetzungsengpässe in Hamburg

Die Studie kombiniert die statistische Auswertung mit einer Befragung von 196 Organisationen sowie Interviews und Workshops mit Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Finanzierung und Clusterumfeld. Das Ergebnis ist ein differenziertes Bild: Die Metropolregion Hamburg verfügt über eine starke Forschungslandschaft, industrielle Erfahrung, einen international ausgerichteten Hafen und ein dichtes Netzwerk relevanter Akteure.

Gleichzeitig gibt es gewichtige Bremsfaktoren: Mehr als 50 Prozent der befragten Organisationen bewerten die Geschwindigkeit von Genehmigungsprozessen als sehr wichtig. Positiv beurteilen diesen Standortfaktor jedoch weniger als 15 Prozent. Eine ähnliche Lücke zeigt sich beim Netzausbau: Er wird von mehr als der Hälfte der Befragten als wichtig oder sehr wichtig eingestuft, aber nur von weniger als 20 Prozent als gut bewertet.

Fachkräftebedarf und Transfer von Forschungsergebnissen sind offene Punkte

Die Fachkräftebasis wird insgesamt besser eingeschätzt. Über 80 Prozent halten die Verfügbarkeit von Fachkräften für wichtig oder sehr wichtig; rund die Hälfte bewertet die Situation in der Region als gut oder sehr gut. Die qualitativen Interviews zeigen allerdings, dass vor allem technisch-handwerkliche Fachkräfte knapp sind. Der Engpass betrifft damit weniger die Attraktivität Hamburgs als die Geschwindigkeit, mit der Ausbildung, Rekrutierung und Wissenstransfer auf den wachsenden Bedarf reagieren können.

Auch der Transfer aus der Forschung in die Anwendung bleibt ein offener Punkt. Zwar konnten Wissenschaftseinrichtungen der Metropolregion zwischen 2021 und 2025 rund 294,5 Millionen Euro an Bundesmitteln für Projekte zu erneuerbaren Energien und klimaneutraler Energieversorgung einwerben. Auf Unternehmen entfielen davon jedoch nur 53,1 Millionen Euro beziehungsweise 18 Prozent. Die Studie sieht deshalb weiteres Potenzial darin, Forschungsergebnisse schneller in marktfähige Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu überführen.

Wasserstoff: viele Projekte, aber noch kein selbsttragender Markt

Am deutlichsten zeigt sich die neue Logik der Energiewende beim Wasserstoff. Die Metropolregion verfügt über eine vielseitige Projektlandschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Studie identifiziert 46 Wasserstoffprojekte mit rund 120 beteiligten Partnern. Darunter sind Vorhaben zur Erzeugung, zum Leitungs- und Importinfrastrukturausbau, zur Speicherung, zu Anwendungen in Industrie und Mobilität sowie zu Forschung und Wissenstransfer. In Hamburg treffen industrielle Nachfrage, Hafeninfrastruktur und internationale Logistik aufeinander. Der Hafen kann nicht nur Umschlagplatz, sondern Knotenpunkt für Import, Verteilung und Nutzung von Wasserstoff und wasserstoffbasierten Energieträgern werden.

„Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft ist eine zentrale Voraussetzung für die Dekarbonisierung der energieintensiven Industrie, sowie Schifffahrt, Luftfahrt und Langstrecken-Logistik“, beschreibt EEHH-Studienautor Martin Wilferth die Perspektive. „Mit etwa 50 Projekten verfügt die Metropolregion bereits heute über ein breit gefächertes und dynamisches Wasserstoff-Ökosystem. Hamburg hat das Potenzial, sich als bedeutender Knotenpunkt für Produktion, Import und Verteilung von Wasserstoff und wasserstoffbasierten Energieträgern in Nordeuropa zu etablieren.“ Der Hamburger Hafen spiele dabei eine Schlüsselrolle. Doch der Markthochlauf steckt noch in einer frühen Phase und ohne langfristig abgesicherte Abnahmeverträge bleiben Investitionen in Wasserstoffprojekte riskant.

Vom Technologie- zum Integrationsstandort

Für uns ist die Studie eine exzellente Grundlage, um unsere Clusterstrategie bis zum Jahr 2030 weiterzuentwickeln." Jan Rispens, EEHH
Die EEHH-Studie kommt zu dem Schluss: Hamburg und die Metropolregion müssen ihre Stärke nicht durch noch mehr Einzeltechnologien beweisen, sondern durch deren Integration. Strom, Wärme, Mobilität, Speicher, Netze, Wasserstoff und digitale Steuerungssysteme müssen zu einem funktionierenden Energiesystem verbunden werden. „Für uns ist die Studie vor allem eine exzellente Grundlage, um unsere Clusterstrategie bis zum Jahr 2030 weiterzuentwickeln“, sagt Jan Rispens, Geschäftsführer des EEHH-Clusters. „Die dynamischen technologischen und preislichen Entwicklungen – beispielsweise im Bereich Batteriespeicher – verändern die Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft grundlegend. Die Studie hilft dabei, aktuelle Entwicklungen einzuordnen und daraus Perspektiven für die weitere Entwicklung des Clusters abzuleiten.“

Für die kommende Phase ergeben sich daraus klare Prioritäten: Genehmigungs- und Infrastrukturengpässe müssen abgebaut, Investitionsbedingungen verlässlicher und Forschungsergebnisse schneller in die Anwendung gebracht werden. Zugleich braucht es mehr Schnittstellen zwischen Start-ups, Industrie, Kapitalgebern und Wissenschaft. Das Cluster kann dabei als Moderator und Übersetzer zwischen den Akteursgruppen wirken.

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