neue energie: Wie bewerten Sie die Wirkung von Beteiligungsmodellen auf die Akzeptanz vor Ort?
Dr. Tilman Zimmermann-Werner: Beteiligungsmodelle, auch das Ertragsbeteiligungsgesetz, können vor Ort zu einer Akzeptanzsteigerung beitragen. Ich finde, Beteiligung ist dabei nichts, was man fakultativ macht, sondern das ist eine Pflicht. Es ist ein Muss, die Leute vor Ort mit einzubinden, sie ordentlich zu informieren, auch wirtschaftliche Möglichkeiten aufzuzeigen – und dann kann das den ganzen Prozess positiv unterstützen. Beteiligung wirkt langfristig, wenn die Kommunen einen festen Betrag bekommen, mit dem sie vor Ort etwas gestalten können. Diese Möglichkeit der finanziellen Beteiligung kann, wenn sie kontinuierlich, transparent und vernünftig umgesetzt wird, schon zu einem Umdenken vor Ort führen. Wenn dann ein nächstes Projekt kommt, haben Kommune und Bevölkerung bereits gute Erfahrungen gesammelt. Das wirkt sich positiv aus.
ne: Wie lassen sich Menschen am ehesten für Erneuerbare begeistern?
ne: Das Ertragsbeteiligungsgesetz in Sachsen ist in Kraft, entfaltet seine Wirkung aber noch nicht. Sind gesetzliche Reformen nötig, um die Akzeptanz zu steigern?
Dr. Zimmermann-Werner: Ein eigentlich sehr naheliegender Gedanke ist, Energie regional zu nutzen und daraus einen wirtschaftlichen Effekt zu erzielen, indem ich zum Beispiel keine oder weniger Netznutzungsentgelte bezahle, Stichwort: Mieterstrom oder gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Das heißt, ich habe eine zentrale Anlage, ich habe Nutzer in der Umgebung, vielleicht im gleichen Haus oder zumindest im Ortsnetz, und dann kann ich die Energie relativ preiswert bilanziell oder physisch nutzen. Da gibt es leider aktuell EU-Vorgaben und Gerichtsentscheide, die diese Umsetzung eher schwierig machen. Dort müssen wir ansetzen. Ein weiteres Thema sehe ich in Rechenzentren. Das sind Stromnutzer, die mein Einspeiseproblem lösen können: Wenn ein Rechenzentrum kommt, muss ich an der Selle gar nicht das Netz ausbauen, weil ich Angebot und Nachfrage vor Ort miteinander verbinden kann. Solche pragmatischen Lösungen brauchen wir in Deutschland und dafür braucht es einen rechtlichen Rahmen.

