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Akzeptanz

„Beteiligung wirkt langfristig“: Wie Kommunen von Erneuerbaren profitieren

Warum ist finanzielle Teilhabe entscheidend für die Energiewende vor Ort? Dr. Tilman Zimmermann-Werner, Geschäftsführer der Sächsischen Landesenergieagentur, erklärt, wie Kommunen in Sachsen profitieren können – und weshalb Beteiligung keine Option, sondern Pflicht ist.
31.03.2026 | 2 Min.
Dr. Tilman Zimmermann-Werner, Geschäftsführer Sächsische Landesenergieagentur (SAENA).
Dr. Tilman Zimmermann-Werner, Geschäftsführer Sächsische Landesenergieagentur (SAENA).
Foto: Erik Krüger

neue energie: Wie bewerten Sie die Wirkung von Beteiligungsmodellen auf die Akzeptanz vor Ort?

Dr. Tilman Zimmermann-Werner: Beteiligungsmodelle, auch das Ertragsbeteiligungsgesetz, können vor Ort zu einer Akzeptanzsteigerung beitragen. Ich finde, Beteiligung ist dabei nichts, was man fakultativ macht, sondern das ist eine Pflicht. Es ist ein Muss, die Leute vor Ort mit einzubinden, sie ordentlich zu informieren, auch wirtschaftliche Möglichkeiten aufzuzeigen – und dann kann das den ganzen Prozess positiv unterstützen. Beteiligung wirkt langfristig, wenn die Kommunen einen festen Betrag bekommen, mit dem sie vor Ort etwas gestalten können. Diese Möglichkeit der finanziellen Beteiligung kann, wenn sie kontinuierlich, transparent und vernünftig umgesetzt wird, schon zu einem Umdenken vor Ort führen. Wenn dann ein nächstes Projekt kommt, haben Kommune und Bevölkerung bereits gute Erfahrungen gesammelt. Das wirkt sich positiv aus.

ne: Wie lassen sich Menschen am ehesten für Erneuerbare begeistern?

Dr. Zimmermann-Werner: Am Ende des Tages spielt das Wirtschaftliche schon eine entscheidende Rolle. Das ist nicht nur eine Beteiligung an der erzeugten Kilowattstunde, sondern das sind auch sinkende Strompreise und sinkende Energiekosten allgemein – oder zumindest stabile Preise. Wenn ich es über die SektorenkopplungDie Nutzung von Strom in anderen Energie-Sektoren wie Wärme und Verkehr, z.B. durch E-Autos und Wärmepumpen. schaffe, erneuerbaren Strom in die Wärmeversorgung reinzubringen, dann interessiert mich der hohe Gaspreis nicht mehr. Natürlich ist das schwierig während der Dunkelflaute, weil in dem Moment auch meistens viel Heizenergie benötigt wird. Aber wenn ich das mit Speichern – und gerade Wärme kann man gut speichern – kombiniere und die Investitionen einmal getätigt habe, habe ich im Grunde genommen für mindestens 20 Jahre meinen Wärmepreis gesichert. Da interessiert mich nicht, was in der Welt gerade los ist und wie hoch der CO2-Preis ist. Über diese Argumente gewinnt man die Leute für die erneuerbaren Energien. Und das Potenzial haben die Erneuerbaren.

ne: Das Ertragsbeteiligungsgesetz in Sachsen ist in Kraft, entfaltet seine Wirkung aber noch nicht. Sind gesetzliche Reformen nötig, um die Akzeptanz zu steigern?

Dr. Zimmermann-Werner: Ein eigentlich sehr naheliegender Gedanke ist, Energie regional zu nutzen und daraus einen wirtschaftlichen Effekt zu erzielen, indem ich zum Beispiel keine oder weniger Netznutzungsentgelte bezahle, Stichwort: Mieterstrom oder gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Das heißt, ich habe eine zentrale Anlage, ich habe Nutzer in der Umgebung, vielleicht im gleichen Haus oder zumindest im Ortsnetz, und dann kann ich die Energie relativ preiswert bilanziell oder physisch nutzen. Da gibt es leider aktuell EU-Vorgaben und Gerichtsentscheide, die diese Umsetzung eher schwierig machen. Dort müssen wir ansetzen. Ein weiteres Thema sehe ich in Rechenzentren. Das sind Stromnutzer, die mein Einspeiseproblem lösen können: Wenn ein Rechenzentrum kommt, muss ich an der Selle gar nicht das Netz ausbauen, weil ich Angebot und Nachfrage vor Ort miteinander verbinden kann. Solche pragmatischen Lösungen brauchen wir in Deutschland und dafür braucht es einen rechtlichen Rahmen.

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