Windenergieanlagen im Wald werden heftig diskutiert und stoßen sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung. Pierre L. Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde erklärt, was gegen Windparks im Forst spricht.
Die Webadresse dieses Artikels wurde erfolgreich in die Zwischenablage kopiert.
Die Webadresse dieses Artikels wurde erfolgreich in die Zwischenablage kopiert.
Pierre L. Ibisch, Professor für Sozialökologie der Waldökosysteme an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.
Foto: privat
Die Windkraft leistet einen zentralen Beitrag zur Energiewende. Allerdings sollte sie im Rahmen von komplexeren Strategien im Einklang mit den anderen Wenden gedacht und umgesetzt werden, die zur Erhaltung unserer Lebensgrundlagen erforderlich sind. Wir haben es in Deutschland neben der globalen Klimakrise mit Krisen der Biodiversität und der Ökosysteme, der Böden, des Wasserhaushalts sowie des Mikroklimas zu tun.
Unter den Bedingungen der sich zuspitzenden Klimakrise ist es noch bedeutsamer als zuvor, dass vor allem die Kühlung der Landschaft, die Vorräte des sogenannten grünen Wassers in den Ökosystemen und die bestmögliche Produktivität, Funktions- und Anpassungsfähigkeit der Natur gefördert werden. Eine Reduktion von baulicher Versiegelung, Bodendegradation und Zerschneidung vor allem von Waldökosystemen ist in unserem dicht besiedelten und von Infrastruktur aller Art geprägten Land eine dringliche Aufgabe.
Dossier-Ausgabe: Wind im ForstLesen Sie kostenfrei alle Beiträge des Dossiers „Wind im Forst“ – mit Hintergrundinformationen und Expertenmeinungen zum Thema Windenergieanlagen im Forst.
Fragmentierung für zur stärkeren Austrocknung des Waldes
Die ohnehin beeinträchtigte Waldökosystemgesundheit und das Waldentwicklungspotenzial verschlechtern sich."Pierre L. Ibisch
Windparks im ohnehin schon zu fragmentierten Wald führen nachweislich zu einer noch stärkeren Erschließung und größeren vegetationsfreien oder -armen Flächen. Dabei kommt es nicht nur auf die Fläche an, die für die eigentlichen Bauten benötigt wird, sondern um eine Verstärkung von sogenannten Randeffekten entlang der Wege beziehungsweise Straßen und an den Freiflächen. Vor allem an heißen und trockenen Tagen bedeuten sie eine zusätzliche Stressquelle, die Temperatur in den fragmentierten Wäldern steigt messbar und mit ihr die Austrocknung. Die ohnehin beeinträchtigte Waldökosystemgesundheit und das Waldentwicklungspotenzial verschlechtern sich – auch auf Kalamitätsflächen oder in Nadelbaummonokulturen, die in Laubwälder umgewandelt werden müssen.
Windkraft sollte dort ausgebaut werden, wo Landschaften schon stärker erschlossen sind. Die Effizienz der Windausbeute kann nicht das einzige Kriterium der Standortsuche sein. Mehr kleinere Anlagen im Offenland mit geringerem Abstand zu Siedlungen und Straßen bieten erhebliches Potenzial. Der Wald sollte als Vorrangfläche für regulierende Ökosystemleistungen, für Kühlung, Boden- und Wasserhaushaltsschutz sowie den natürlichen Klimaschutz und als stressärmeres Habitat von Arten entwickelt werden.
*An dieser Stelle lesen Sie einen Gastbeitrag, der nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wiedergibt. Für den Inhalt sind die jeweiligen Autoren verantwortlich.
Poster zu Windenergie im ForstWarum Windenergieanlagen im Forst aktiver Waldschutz sind, erklärt das Poster von Windindustrie in Deutschland mit anschaulichen Zahlen und Fakten.
Interessant dass bei beiden Parteien das Thema Randeffekte aufgegriffen wird - einmal positiv, einmal negativ. Ich frage ich was unter dem Strich passiert und was "nachweislich" - d.h. mittels Studien bereits belegt ist.
12.11.2025 - 14:20 | Ambiel
Jede Einzelmaßname lässt sich berechtigt kritisieren. Der korrekte Vergleich wäre aber, keine Windkraftanlagen im Wald dafür z.B. Braunkohlekraftwerke, die komplette Wälder verschlingen. Die vergleichende Beurteilung des Spezialisten wäre da sehr interessant.
24.10.2025 - 14:46 | Detlef Drossel
Bei der Beurteilung welche Auswirkungen der Bau von Windrädern im Wald auf die Fragmentierung von Flächen sowie Randeffekten hat, sollte die Verhältnismäßigkeit berücksichtigt werden. Entlang von Autobahnen, Straßen, Bahntrassen und vielem mehr, liegen die Beeinträchtigungen um ein vielfaches höher. Hinzukommen noch Fluglärm und Freizeitaktivitäten.
Das Hautproblem ist aber der Klimawandel. Nicht die Windräder trocknen den Wald aus. Um die Energiewende zu schaffen werden auch Flächen im Wald benötigt. Wenn Windräder derart negative Auswirkungen auf die Umwelt hätten wie oft behauptet wird, dürften diese auch nicht auf Ackerflächen oder in der nähe von Wohngebieten gebaut werden.
Mittlerweile gibt es gute Beispiele für Windräder im Wald.
24.10.2025 - 09:17 | Kurt Werner
Kommentar verfassen
Pierre L. Ibisch, Professor für Sozialökologie der Waldökosysteme an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde.