Das Netzpaket von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ist kein Reformwerk zur Kostensenkung oder Modernisierung in Deutschlandgeschwindigkeit, sondern Stillstand mit Ankündigung. Zwar sind viele Ziele darin richtig und wohlklingend formuliert. Im Kern ist es aber vor allem eine Simulation von Entschlossenheit bei gleichzeitiger Modernisierungsverweigerung.
Und was plant die zuständige Ministerin? Sie erklärt die Energiewende zur Generalschuldigen und gießt Flüssiggas ins Feuer. Das sogenannte Netzpaket soll noch mehr Macht und Freiraum an jene übertragen, die seit Jahren strukturell überfordert sind und das System blockieren. Mehr Spielräume, mehr Ermessensfreiheit, weniger Verbindlichkeit. Und gleichzeitig mehr Kosten, Auflagen und Einschränkungen für Netzkunden wie Einspeiser und Speicher: Das ist kein Effizienzmanagement, das ist Sabotage. Wer die Kosten der Energiewende wirklich senken und das Leben für alle Netzkunden vereinfachen will, muss standardisieren, statt weiter zu fragmentieren. Einheitliche Technik und einheitliche Prozesse, klare Fristen und Rechte für all jene Unternehmen und Haushalte, die den Monopolen des Netzbetriebs heute hilflos gegenüberstehen.
Planwirtschaft ohne Plan
Die deutschen Stromverteilnetze genügen nicht mehr den Anforderungen eines modernen Industriestaats: zu wenig digitalisiert, zu starr, nicht leistungsfähig genug. Und Netzkunden scheinen in all dem nur eine Rolle zu spielen: zahlen zu müssen, koste es, was es wolle. Genau das zu ändern, verweigert Reiche. Stattdessen erklärt sie Kleinstaaterei zum Prinzip. Jeder Netzbetreiber darf weiterwursteln. Wer Pech hat, wartet. Wer zahlt, erhält vielleicht Anschluss. Das ist Planwirtschaft ohne Plan.
Der passende Vergleich ist brutal einfach. Stellen wir uns ein Land vor, in dem jede Kommune selbst entscheidet, wie Straßen aussehen, ob sie befahrbar sind und wer sie nutzen darf. An jeder (Stadt-)Grenze Schlagbaum und Chaos. Dauerstau. Wirtschaft mit Standgas. Und zur Entspannung der Situation reagiert die Verkehrsministerin mit Fahrverboten, anstatt den Flickenteppich abzuschaffen. Genau das passiert gerade beim Stromnetz.
Stromnetze sind Monopole. Kritische Infrastruktur. Sie dürfen nicht nach Gutsherrenart verwaltet werden. Wer dabei keine einheitlichen Regeln durchsetzt, sabotiert die Energiewende und den Industriestandort gleich mit. Milliarden versickern. Investitionen bleiben liegen.
In diesem Netzpaket steckt gleichwohl auch viel Richtiges. Der Präambel des Gesetzentwurfs kann man fast durchgängig zustimmen. Natürlich müssen der Netzausbau und Anlagenzubau von Erzeugern, Speichern und Verbrauchern besser synchronisiert werden. Die vorgeschlagene Schaffung digitaler Plattformen für Netzkunden ist da ein guter Weg. Doch mit solchen Maßnahmen simuliert das Netzpaket nach außen Tempo, während sein Kern die aktuellen Knoten in den deutschen Stromnetzen nur noch fester zieht.
Der Fehler steckt im Ansatz: Die bessere Synchronisierung der Energiewende darf nicht darin bestehen, alles gleich langsam zu machen. Bringen wir lieber alles auf Deutschlandgeschwindigkeit – mit einfachen Standards, Digitalisierung und endlich einem Fokus auf den Nutzen für die Kunden. Die zahlen schließlich die Netze.
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