Arbeitsmarkt

„Mit unserer Wirtschaftskraft fördern wir den Wirtschaftsstandort Deutschland“

Max Bögl gehört zu den Marktführern beim Turmbau für Windenergieanlagen und beschäftigt allein im Geschäftsbereich Wind etwa 1000 Mitarbeitende. Entsprechend wichtig sind Recruiting-Maßnahmen für das Unternehmen. Wir haben mit Melanie Baier, Marketing- und Kommunikationsspezialistin bei Max Bögl, über ihre Erfahrungen gesprochen.
Interview: Christiane Nönnig
27.01.2026 | 6 Min.
Melanie Baier ist Marketing- und Kommunikationsspezialistin bei Max Bögl.
Melanie Baier ist Marketing- und Kommunikationsspezialistin bei Max Bögl.
Foto: Max Bögl

neue energie: Wie ist die Auftragslage in eurem Geschäftsbereich?

Melanie Baier: Wir bauen hybride Türme aus Beton und Stahl für die Anlagenhersteller, die hier im DACH-Bereich tätig sind. Als Zulieferer sind wir also von der allgemeinen Marktentwicklung abhängig, und die ist vielversprechend: Die Zahlen aus der letzten Ausschreibung von November wurden gerade veröffentlicht. Es wartet also sehr viel Arbeit auf die Branche. Dementsprechend sieht die Auftragslage bei uns aktuell sehr gut aus. Wir haben in den letzten Jahren weitere Fertigungen in Betrieb genommen, zuletzt im August 2024 in Emden. In den anderen Werken konnten wir unsere Kapazitäten ausweiten, sodass wir Ende dieses Jahres über 1000 Türme jährlich produzieren. Dafür suchen wir in allen Abteilungen kompetente Menschen, ob im kaufmännischen, technischen oder handwerklichen Bereich.

Melanie Baier

arbeitet bei der Max Bögl Wind AG im bayerischen Sengenthal, einem Geschäftsbereich innerhalb der Firmengruppe Max Bögl, der unter anderem hybride Türme für Windenergieanlagen produziert. Sie ist im Unternehmen verantwortlich für die Bereiche Strategie, Marketing, Personalkommunikation und Nachhaltigkeit.

ne: Wie viele Werke habt ihr insgesamt?

Baier: Wir haben insgesamt drei Produktionswerke. Unser Hauptstammwerk in Sengenthal bildet die komplette Wertschöpfungskette unseres Turmsystems ab. Dazu kommen Werke in Osterrönfeld in Schleswig-Holstein, eineinhalb Stunden nördlich von Hamburg, und in Emden in Niedersachsen, direkt an der Nordsee.

ne: Nach welchen Profilen sucht ihr konkret?

Baier: Eigentlich querbeet. Wir haben einen eigenen Einkauf, eine Planung, Produktentwicklung, ein technisches Büro und natürlich unsere Produktionswerke. Im Werk suchen wir Betonbauer und Handwerker, die die Maschinen instand setzen können, also Schlosser, Maschinentechniker und Elektriker. Außerdem Maschinenbediener, Schichtführer, Monteure für die Betonteilfertigung und das Stahlturmwerk. In der neuen Halle im Landkreis Neumarkt gibt es Teams, die sich um die Spanngliedtechnik kümmern. Dafür brauchen wir Maschinenbediener, die sich mit Robotertechnik und CNC-Maschinen auskennen. Dann gibt es den Bereich Logistik, damit alles zur rechten Zeit am rechten Ort ist, und natürlich die Kollegen draußen vor Ort, also Fundamentbauer, Monteure sowie die Bau- und Projektleiter.

Daneben haben wir weitere Geschäftsbereiche außerhalb des Turmbaus: Wir beraten Unternehmen, wie sie die Energie vor Ort am besten nutzen, haben ein eigenes Energiemanagementsystem und einen Luft-Eisspeicher entwickelt und übernehmen auch die technische und kaufmännische Betriebsführung von Windparks.

ne: Das ist wirklich eine große Bandbreite. Braucht man bestimmte Qualifikationen, um sich bei euch zu bewerben?

Baier: Auch Quereinsteigende sind bei uns herzlich willkommen. In der Bauleitung suchen wir zum Beispiel Profile, die sich gut organisieren können und durchsetzungsstark sind. Zu unseren besten Bauleitern gehören ein gelernter Maler und ein ehemaliger Koch. Außerdem legen wir Wert auf ein vielfältiges Team und haben kein Problem damit, wenn jemand nicht so gut Deutsch spricht. Wir haben Büros in vielen größeren Städten, da sind wir sehr offen.

ne: Und welche Maßnahmen plant ihr, um neue Mitarbeitende zu finden?

Baier: Wir haben letztes Jahr eine Offensive gestartet, um Max Bögl auch an den Standorten im Norden bekannter zu machen. Gemeinsam mit unserer Zentralabteilung Personal-Marketing haben wir Botschaften entwickelt, die für unseren Geschäftsbereich sprechen und ein starkes Zugpferd für die Firmengruppe sein können. Dazu gehören Claims wie „Energiewende mit dir“, die ganz bewusst auf eine direkte, persönliche Ansprache setzen. Wir möchten zeigen, dass wir eine große Familie sind und man sich bei uns wohlfühlen kann.

Mit diesen Maßnahmen sind wir in Emden und Osterrönfeld in die Kinos gegangen mit einem eigenen Karriere-Spot, der dort im Vorprogramm läuft. Zusätzlich haben wir Einkaufswagen-Werbung und Großflächenplakate geschaltet, das alles begleitet von Online-Maßnahmen im Social-Media-Bereich und Online-Bannern über Google Ads. Menschen im Umkreis von 50 Kilometern um den Standort wurden dann Stellenanzeigen ausgespielt. Dazu haben wir mehrere Jobmessen im Umkreis besucht, um auch vor Ort präsent zu sein und ein Gesicht hinter der Marke zu zeigen.

Wir wollen mit Augmented Reality arbeiten, um Interessierte durch interaktive und innovative digitale Projekte zu begeistern.“ Melanie Baier, Marketing- und Kommunikationsspezialistin bei Max Bögl

Die Kampagne bringt Interessierte gleich an mehreren Touchpoints mit der Marke in Berührung: In der Früh auf dem Weg zur Arbeit sehen sie vielleicht ein Plakat, später nach der Arbeit die Werbung am Einkaufswagen und am Wochenende im Kino noch den Werbespot. Wenn sie dann nach Max Bögl googlen, triggert das unsere Online-Anzeige in den sozialen Medien.

ne: Das ist gut durchdacht. Gibt es weitere Maßnahmen?

Baier: Wir versuchen, die Menschen im persönlichen Umfeld noch stärker abzuholen. Das machen wir in Form von Spenden und Sponsorings für Vereine und gemeinnützige Institutionen. Zum Beispiel an die Tafel, an Tierheime, Palliativstationen oder Kinderhilfsorganisationen. In Osterrönfeld haben wir einen Beitrag zur Anschaffung eines Defibrillators gespendet, der dort im Freibad hängen wird. So verbinden die Menschen unterschwellig unsere Marke mit etwas Positivem, unabhängig von der Windenergie. Zusätzlich sind wir an Universitäten und technischen Hochschulen präsent.

ne: Sind Jobmessen für euch noch relevant?

Baier: Ja, wir waren letztes Jahr auf sämtlichen Jobmessen unterwegs. Dabei ist uns aufgefallen, dass jeder Stand ziemlich ähnlich aussieht. Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, unseren Messestand neu zu erfinden. Wir wollen mit Augmented Reality arbeiten, um Interessierte durch interaktive und innovative digitale Projekte zu begeistern. Wir haben sogar einen eigenen Instagram-Filter programmiert. Damit kann man sich einen Max-Bögl-Bauhelm aufsetzen und das Foto dann teilen. Das ist ein witziges Gimmick für Messen.

ne: Coole Idee. Habt ihr auch Programme für die Aus- und Weiterbildung?

Baier: Ja, wir haben ein Onboarding- und ein Patenprogramm. Neue Mitarbeitende werden an ihrem ersten Arbeitstag erst mal in der Gruppe begrüßt und erhalten eine Werksführung. Im Patenprogramm stehen ihnen dann für das erste halbe Jahr erfahrene Kollegen und Kolleginnen zur Seite und beantworten Fragen. Unser internes Weiterbildungsprogramm läuft über die mbakademie und ist ein Mix aus Präsenz- und Online-Schulungen. Da geht es um Themen wie Führungskräfteentwicklung, Kommunikation oder bestimmte Produktions- und Montageprozesse.

Zusätzlich bauen wir gerade ein Schulungszentrum für unsere Projekt- und Bauleiter auf, die komplett in Deutschland verstreut sind. Da wird es dann technische Trainer geben, die mit auf der Baustelle sind, zum Beispiel bei der Einführung von neuen Prozessen. Sie begleiten die Monteure über mehrere Tage, damit jeder Handgriff sitzt. Unsere Trainingsmaßnahmen entwickeln wir stetig weiter.

ne: Was erwartet ihr für die Zukunft?

Baier: Aktuell befinden wir uns mitten im Hochlauf und sorgen dafür, die Ausschreibungsmengen der letzten Jahre gut abzuarbeiten. Die Investitionssicherheit wäre daher unser Appell an die Politik. Wir brauchen verlässliche Aussagen und Entscheidungen, die sich nicht wie ein Fähnchen im Wind drehen. Wir investieren Millionen in den Ausbau der Kapazitäten am Standort Deutschland. Und mit dieser Wirtschaftskraft fördern wir den Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Windbranche ist mittlerweile sehr groß und viele Menschen sind von den politischen Entscheidungen abhängig. Daher unser Appell an die Politik, dass wir diese Sicherheit behalten, sowohl für unser Personal als auch für die Investitionen, die wir hier hoffentlich noch lange tätigen können.

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