Interview

Windprojekt-Finanzierung 2026: „Regulatorische Unsicherheit ist Gift für Investoren“

Stark gesunkene Zuschlagspreise, EEG-Novelle, Netzpaket: Die Finanzierung von Windprojekten steht vor entscheidenden Weichenstellungen. Jörg-Uwe Fischer, Head of Structured Finance bei Nextwind, erklärt, warum klare Rahmenbedingungen jetzt wichtiger sind denn je – und wie sie aussehen könnten.
04.03.2026 | 2 Min.
Blickt auf die aktuellen Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Windprojekten Jörg-Uwe Fischer, Head of Structured Finance bei Nextwind.
Blickt auf die aktuellen Rahmenbedingungen für die Finanzierung von Windprojekten Jörg-Uwe Fischer, Head of Structured Finance bei Nextwind.
Foto: Jörg-Uwe Fischer

neue energie: Welche Themen werden 2026 Ihrer Meinung nach die Diskussionen um die Finanzierung von Windprojekten prägen?

Jörg-Uwe Fischer: Das sind neben den stark gesunkenen Zuschlagspreisen die EEG-Novelle sowie das Netzpaket. Die Diskussion wird sich weit über das Jahr ziehen und die bekannt gewordenen ersten Entwürfe versprechen spannende und intensive Diskussionen.

ne: Richtig, vergangene Woche wurde ein Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetz 2027 geleakt. Welche Änderungen in der Finanzierung von Windprojekten sind durch die EEG-Novelle zu erwarten?

Fischer: Zu befürchten ist aktuell, dass mit der EEG-Novelle die Risken für die Betreiber neuer Windparks steigen, insbesondere die Wirtschaftlichkeit der Projekte weiter belastet wird. Größere Risken ziehen in der Regel höhere Kalkulationspuffer und erhöhte Eigenkapitalanforderungen nach sich. Zumindest sind diese Änderungen für die meisten Investoren und Projektierer noch kalkulierbar. Schlimmer wäre eine generelle Zurückhaltung bei der Finanzierung, die immer dann zu erwarten ist, wenn die Risiken finanziell nicht hinreichend klar kalkulierbar sind.

ne: Was schreckt Investoren und Banken aktuell mehr ab: fehlende Netzanschlusskapazitäten oder regulatorische Unsicherheit durch die ausstehenden Novellen?

Fischer: Regulatorische Unsicherheiten sind immer „Gift“ für Investoren und Banken. Gerade langfristige Projekte wie Windparks brauchen zwingend verlässliche und kalkulierbare Rahmenbedingungen. Die fehlenden Netzanschlüsse verzögern neue Projekte und bremsen so den Zubau der Erneuerbaren aus. Das ist sehr ärgerlich. 
Wenn der Netzanschluss dann aber gesichert ist, gibt es bisher verlässliche Rahmenbedingungen für den Betrieb, was eine Grundvoraussetzung für die Projektfinanzierung ist.

ne: Welche politischen Maßnahmen würden die Finanzierbarkeit denn sofort verbessern?

Fischer: Zunächst gilt die Regel, je früher neue Rahmenbedingungen klar sind, umso eher und besser können sich Banken und Investoren darauf einstellen. Insofern hoffe ich, dass sich die Diskussionen und Verhandlungen bis zu den finalen Beschlüssen nicht zu lange hinziehen. Der Markt braucht so schnell wie möglich Klarheit für 2027! Erhöhte Ausschreibungsmengen noch in diesem Jahr – zum Beispiel durch eine Sonderausschreibung wie sie Bayern gerade vorschlägt – würden sofort den Druck auf die Zuschlagspreise reduzieren und enge Projekte wieder wirtschaftlicher und besser finanzierbar machen. In Bezug auf die EEG-Novelle wünsche ich mir, dass das neu zu erwartende CfDSteht für Contracts for Difference (Differenzverträge): Erhält ein Stromerzeuger bei Ausschreibungen für sein Preisangebot den Zuschlag, kriegt er bei einem niedrigeren Börsenpreis die Differenz erstattet. Liegt der Börsenpreis höher, muss er die zusätzlichen Gewinne abgeben.Steht für Contracts for Difference (Differenzverträge): Erhält ein Stromerzeuger bei Ausschreibungen für sein Preisangebot den Zuschlag, kriegt er bei einem niedrigeren Börsenpreis die Differenz erstattet. Liegt der Börsenpreis höher, muss er die zusätzlichen Gewinne abgeben.-Vergütungsregime einfach ausgestaltet wird und sich in seiner Anwendung an der realen Produktion der Anlagen orientiert. 

ne: Welche alternativen Vergütungsmodelle sehen Sie zukünftig für die Praxis – abseits der bisherigen EEG-Vergütung? Und welche Vorteile haben sie?

Fischer: Wie auch bereits in anderen Ländern werden PPAs künftig eine zunehmende Rolle spielen. Und – sofern die Rahmenbedingungen dies unterstützen –, könnten Direktliefermodelle eine interessante Option sein. Je mehr Alternativen realisierbar sind, umso deutlicher wird, dass Erneuerbare längst in der Lage sind, die Energieversorgung nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich sicherzustellen.

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