neue energie: Herr Feddersen, die Deutsche Windtechnik betreibt drei Trainingszentren – in Viöl, Bremen und Bissendorf. Was unterscheidet die drei Standorte?
Momme Feddersen: Man könnte sagen, Viöl ist die eierlegende Wollmilchsau: Wir haben dort Technik-Trainings direkt an den Anlagen, den Ausbildungsbereich für Mechatroniker und die Sicherheitstrainings unter einem Dach. Das Training Center in Bremen dagegen ist in einem alten Stahlwerk mit einem riesigen Kletterturm – der Schwerpunkt liegt dort klar auf Sicherheitstrainings, sowohl für unsere eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch für externe Kunden. Bissendorf bei Osnabrück fokussiert sich ausschließlich auf Technik-Trainings: Elektrotechnik, Anlagentraining und Grundschulungen für alle, die ihren ersten Schritt auf eine Windenergieanlage wagen wollen. Die Standorte spiegeln auch unsere Unternehmensgeschichte wider – jedes Training Center ist in der Nähe eines Hauptstandorts gewachsen.
ne: Wie sieht die Qualifizierung eines neuen Servicetechnikers aus – von der ersten Schulungswoche bis zur vollen Einsatzfähigkeit?
ne: Wie lange dauert es, alle Level zu durchlaufen?
Feddersen: Das ist sehr individuell. Level 1 macht man grob gesagt am Ende des ersten halben Jahres, weil man vorher einfach die Erfahrung und das Anlagenwissen braucht. Für Level 2 sind mindestens zwei Jahre realistisch. Und nicht jeder durchläuft alle drei Level – manche bleiben dauerhaft auf Level 1 oder 2, was absolut keine Schwäche ist, sondern an der Tätigkeit liegt, die der oder diejenige draußen im Feld durchführt. Hinzu kommt: Wer in einer Region arbeitet, in der nur ein Anlagentyp steht, kann sich auf diesen auch viel tiefer spezialisieren. In mehreren Technologien gleichzeitig Level 3 zu sein – das ist schlicht nicht möglich.
ne: Arbeitssicherheit steht dabei immer an erster Stelle?
Feddersen: Absolut. Arbeitssicherheit ist bei uns die Grundlage für alles, was wir tun. Wer auf Windenergieanlagen arbeitet, bewegt sich in einem anspruchsvollen Umfeld: große Höhen, enge Räume, wechselnde Wetterbedingungen, elektrische Gefährdungen und schwere Komponenten. Deshalb investieren wir bewusst in hochwertige Ausrüstung, gute Arbeitskleidung, verlässliches Werkzeug und praxisnahe Trainings.
Ein Beispiel ist unsere Arbeitskleidung. Wir haben den Anbieter gewechselt, weil uns ein höherer Standard wichtig war. Das ist bei über 1.000 Servicetechniker*innen ein erheblicher Kostenfaktor, aber für uns ist klar: Wer draußen auf der Anlage arbeitet, braucht Ausrüstung, auf die er sich verlassen kann. Gleiches gilt für Werkzeug und Fahrzeuge. Unsere Serviceteams arbeiten mit gut ausgestatteten Sprintern, sicherem Material und hochwertigem Werkzeug.
Wichtig ist aber: Gute Ausrüstung allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass die Mitarbeitenden sicher handeln können. Deshalb qualifizieren wir sehr praxisnah und wiederholen sicherheitsrelevante Inhalte regelmäßig. Einmal im Jahr durchlaufen alle Servicetechnikerinnen und Servicetechniker eine Sicherheitswoche. Diese ist zwar gesetzlich notwendig, aber wir gestalten sie bewusst so, dass sie über reine Pflichtunterweisungen hinausgeht. Wir greifen Themen auf, die im Arbeitsalltag tatsächlich relevant sind, und trainieren sie so praktisch wie möglich.
ne: Was passiert konkret in dieser Sicherheitswoche?
Feddersen: Die Inhalte orientieren sich an der Global Wind Organization, also an internationalen Standards, und natürlich an der deutschen Gesetzgebung. Aber wir schauen auch, was draußen im Feld tatsächlich passiert. Wenn die Kollegen der Arbeitssicherheit melden, dass zum Beispiel die Ladungssicherung immer wieder ein Thema ist, dann bauen wir genau das als Fokusmodul in die Sicherheitswoche ein. Für 2026 haben wir das bereits so gemacht: Ladungssicherung, Kranbedienung, Lastenanhängen – ganz konkrete Dinge, die im Alltag Probleme bereiten. So gehen wir sicher, dass wirklich alle intensiv geschult wurden.
ne: Wie bereitet sich das Training Center auf neue Anlagentechnologien vor?
ne: Stellt Sie der Fachkräftemangel in der Branche vor Probleme?
Feddersen: Wir haben den Vorteil, dass wir deutschlandweit ausbilden und einstellen und nicht auf eine Region fixiert sind. Außerdem sind wir als Multi-Brand-Anbieter für mittelalte Anlagen bekannt und gefragt. Wer einen elektrotechnischen Hintergrund mitbringt, hat gute Chancen bei uns eine Anstellung zu finden. Bei den Azubis achten wir auf Qualität, nicht auf Quantität – lieber weniger, dafür gut. Und angesichts des starken Marktwachstums und einer bei guter Leistung nahezu hundertprozentigen Übernahmegarantie ist eine Ausbildung bei uns schlicht attraktiv.
ne: Die Arbeit als Servicetechniker auf Windenergieanlagen ist ja nicht für jeden etwas, oder?
Feddersen: Nein, definitiv nicht. Die Höhe, die körperliche Belastung, die Arbeit bei Wind und Wetter – das muss man wirklich wollen und auch psychisch verkraften können. Genau deshalb entwickeln wir gerade in Kooperation mit zwei Hochschulen ein VR-Tool, das Höhenangst bereits im Vorfeld testen und vielleicht sogar therapieren kann. Wir haben auch schon erste Schritte mit VR-Brillen gemacht – und das ist wirklich beeindruckend, sich virtuell auf einer Anlage zu bewegen.