neue energie: Wird der koreanische Energiemarkt offener für internationale Unternehmen?
arbeitet seit April 2022 beim Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEH). Hier ist er für internationale Kooperation im Bereich der erneuerbaren Energien zuständig.
ne: Welche Chancen haben deutsche Firmen zurzeit?
Shi: Südkorea will Offshore-Windenergie mit einer Kapazität von bis zu 14 GW installieren. Das bietet attraktive Möglichkeiten für deutsche Projektentwickler und Ingenieurdienstleister. Es gibt jedoch einige Herausforderungen: das langwierige Genehmigungsverfahren, Interessenkonflikte mit anderen Nutzern der Meeresgebiete, etwa der Fischerei, der Schifffahrt und dem Militär. Mit effektivem Stakeholder-Management sollten Projektentwickler frühzeitig die relevanten lokalen Akteure einbinden, um unterschiedliche Interessen auszugleichen.
ne: Warum ist die Floating-Technik in Korea so wichtig?
Shi: Koreas Küstengewässer zeichnen sich durch große Wassertiefe und hohe Windgeschwindigkeiten aus – ideale Bedingungen für die Floating-Technik. Die Regierung setzt gezielt Förderinstrumente für Pilotprojekte ein, etwa in Ulsan, bei denen lokale Industriepartner eingebunden sind. Allerdings: Floating-Anlagen müssen Extremwetterereignissen standhalten. Die vorhandenen Referenzprojekte liefern bislang nur begrenzte Erkenntnisse zur Langzeitverfügbarkeit und zu den Wartungskosten der Anlagen, was die Projektfinanzierung mit erheblichen Unsicherheiten belastet.
ne: Wo sehen Sie die kritischen Systemengpässe?
Shi: Um die Metropolregionen und Industriecluster mit grünem Strom zu versorgen, müssen Übertragungsleitungen über weite Distanzen gebaut werden. Ein weiterer Engpass ist die Einspeisung des Stroms aus küstennahen Windparks. Die Netzanbindungsinfrastruktur verfügt nur über begrenzte Kapazität. Ähnlich wie in Deutschland ist eine Synchronisierung von Netzplanung und Ausbau bei der Windenergie dringend nötig.