Offshore-Windenergie

Südkoreas Windenergieboom: „Synchronisierung von Netzplanung und Ausbau dringend nötig“

Offshore-Wind ist in Südkorea stark im Kommen. Welche Chancen haben internationale Entwickler?
Interview: Frank Lassak
13.02.2026 | 1 Min.
Erschienen in: Ausgabe 02/2026
Jingkai Shi ist Experte für internationale Kooperationen im Sektor der erneuerbaren Energien beim Cluster EEHH in Hamburg. Den südkoreanischen Markt hat er eingehend untersucht.
Jingkai Shi ist Experte für internationale Kooperationen im Sektor der erneuerbaren Energien beim Cluster EEHH in Hamburg. Den südkoreanischen Markt hat er eingehend untersucht.
Foto: EEHH

neue energie: Wird der koreanische Energiemarkt offener für internationale Unternehmen?

Jingkai Shi

arbeitet seit April 2022 beim Cluster Erneuerbare Energien Hamburg (EEH). Hier ist er für internationale Kooperation im Bereich der erneuerbaren Energien zuständig.

Jingkai Shi: Der Aufbau einer lokalen Lieferkette bleibt das zentrale industriepolitische Ziel der südkoreanischen Regierung, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, Abhängigkeiten zu verringern und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

ne: Welche Chancen haben deutsche Firmen zurzeit?

Shi: Südkorea will Offshore-Windenergie mit einer Kapazität von bis zu 14 GW installieren. Das bietet attraktive Möglichkeiten für deutsche Projektentwickler und Ingenieurdienstleister. Es gibt jedoch einige Herausforderungen: das langwierige Genehmigungsverfahren, Interessenkonflikte mit anderen Nutzern der Meeresgebiete, etwa der Fischerei, der Schifffahrt und dem Militär. Mit effektivem Stakeholder-Management sollten Projektentwickler frühzeitig die relevanten lokalen Akteure einbinden, um unterschiedliche Interessen auszugleichen.

ne: Warum ist die Floating-Technik in Korea so wichtig?

Shi: Koreas Küstengewässer zeichnen sich durch große Wassertiefe und hohe Windgeschwindigkeiten aus – ideale Bedingungen für die Floating-Technik. Die Regierung setzt gezielt Förderinstrumente für Pilotprojekte ein, etwa in Ulsan, bei denen lokale Industriepartner eingebunden sind. Allerdings: Floating-Anlagen müssen Extremwetterereignissen standhalten. Die vorhandenen Referenzprojekte liefern bislang nur begrenzte Erkenntnisse zur Langzeitverfügbarkeit und zu den Wartungskosten der Anlagen, was die Projektfinanzierung mit erheblichen Unsicherheiten belastet.

ne: Wo sehen Sie die kritischen Systemengpässe?

Shi: Um die Metropolregionen und Industriecluster mit grünem Strom zu versorgen, müssen Übertragungsleitungen über weite Distanzen gebaut werden. Ein weiterer Engpass ist die Einspeisung des Stroms aus küstennahen Windparks. Die Netzanbindungsinfrastruktur verfügt nur über begrenzte Kapazität. Ähnlich wie in Deutschland ist eine Synchronisierung von Netzplanung und Ausbau bei der Windenergie dringend nötig.

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