Doch was genau steckt hinter dem Studium? Und wie fühlt sich der Einstieg in eine noch junge, aber dynamische Branche an? Im Gespräch berichtet Jannik, warum er sich für diesen Weg entschieden hat, was ihn an der Arbeit mit erneuerbaren Energien begeistert und wie er sich seine berufliche Zukunft vorstellt.
neue energie: Warum hast du dich für dieses Studium entschieden?
Jannik Thiedig: Nach der Schule wusste ich lange Zeit nicht genau, was ich machen will, und da habe ich einfach mal herumgeschaut, was es so gibt. Ich wollte immer etwas Technisches machen, mit mathematischem Bezug, weil mich das auch in der Schule am meisten interessiert hat. Und irgendwas mit Umwelt, damit ich etwas zurückgeben kann. Auch wenn das nicht der Hauptgedanke war, kam das als Bonus mit dazu.
ne: Und was reizt dich an deinem Studium?
Thiedig: Ich studiere eine Mischung aus Maschinenbau und Elektrotechnik. Aber es gehört noch viel mehr dazu. Hinzu kommen wirtschaftliche und informationstechnische Aspekte. Ich finde die Perspektiven, die sich mir eröffnen, deshalb ganz spannend. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu spezialisieren und in die verschiedensten Berufe einzusteigen. Und natürlich das Thema Energiewende allgemein. Es gibt eine ganze Reihe von Aspekten, die zusammenkommen, das finde ich superinteressant.
ne: Wie sieht dein Studienalltag dabei aus?
Thiedig: Wir haben ganz klassisch Vorlesungen, und dazu kommen dann meist auch noch Übungen, in denen das Wissen vertieft und angewandt wird. Außerdem machen wir auch Praktika. Im Studiengang ist vorgesehen, dass man ein Grundpraktikum und ein Fachpraktikum macht. Das Grundpraktikum dauert sechs Wochen und vermittelt handwerkliche Sachen. Ich war bei einem Gebäudeenergiemanager und habe dort Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher installiert, Leitungen gezogen und Steckdosen in die Wände montiert. Sachen, die einfach, aber trotzdem wichtig sind. Es war gut, mal gesehen zu haben, wie das in der Praxis alles funktioniert.
ne: Diese Praktika haben dich dann direkt in die Branche geführt?
Thiedig: Genau. Ich habe mein Fachpraktikum bei SMA gemacht, einem Hersteller von Photovoltaiktechnik in Kassel, und hatte sehr viel Glück mit dem Unternehmen. Es ist ein bisschen verrückt, weil ich ja in Dresden wohne, aber ich konnte die ganze Zeit im Homeoffice arbeiten und wurde anschließend auch noch als Werkstudent übernommen. Heute arbeite ich immer noch dort.
ne: Was macht das Arbeiten in der Erneuerbare-Energien-Branche für dich attraktiv?
Thiedig: Es ist eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre. Ich habe das Gefühl, dass die Erneuerbare-Energien-Branche sehr jung ist. Dadurch gibt es in großen Unternehmen – bei uns sind es jetzt zwischen 3000 und 4000 Mitarbeiter – noch eine gewisse Startup-Mentalität, was ich persönlich ganz cool finde. Und auch, dass es viele Wege in die Branche gibt. Es werden viele Berufe benötigt. Man braucht Leute, die BWL studiert haben, aber auch Maschinenbauer oder Projektleiter. Daher ist die EE-Branche recht attraktiv. Das habe ich gemerkt, als ich mit meinen Kollegen auf der Messe Intersolar war. Die Unternehmen aus der Branche waren alle locker, das hat es sehr angenehm gemacht.
ne: Du hast schon einige Erfahrungen in den Erneuerbaren gesammelt. Was steht nach dem Studienabschluss für dich an?
Thiedig: Die kommenden Jahre werden noch viel entscheiden. Ich bin kurz vor der Diplomarbeit, das heißt, ich bin im März 2026 fertig mit meinem Studium. Danach möchte ich ins Ausland gehen und internationale Arbeitserfahrung sammeln. Ich überlege, nach Südamerika zu gehen. Afrika finde ich auch spannend. Da sind vielleicht Orte, an denen das Netz noch gar nicht so sehr ausgebaut ist, und das würde mich sehr interessieren. Danach könnte ich mir gut vorstellen, einen akademischen Weg einzuschlagen oder in die Industrie einzusteigen.
ne: Wenn du auf deinen bisherigen Weg blickst: Was würdest du anderen mitgeben, die über diesen Studien- oder Berufsweg nachdenken?
Thiedig: Man sollte es einfach mal probieren und sich nicht zu viel Stress mit dem Studium machen. Jeder Mensch ist anders, aber wenn man sich einmal an den Uni-Alltag gewöhnt hat, weiß, wie die Prüfungen ablaufen und worauf man achten sollte, dann ist das definitiv machbar. Man muss sich auf jeden Fall dafür interessieren, sonst würde man es wahrscheinlich nicht machen. Aber ich finde, dass die Branche attraktiv ist und dazu sehr jung. Wenn ich das vergleiche mit dem, was ich etwa von der Automobilindustrie höre, dann ist es ein sehr angenehmes Arbeitsumfeld. Allen, die in die Branche wollen, kann ich den Einstieg nur wärmstens ans Herz legen.
ne: Was wünschst du dir für die kommenden Jahre?
Thiedig: Meiner Meinung nach wird kein Weg an den erneuerbaren Energien vorbeiführen. Ich hoffe, dass am Ende allen bewusst wird, wie wichtig es ist, dass wir uns in der Energieversorgung weg von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien orientieren. Mit den fossilen Energieträgern hat es auch nicht von jetzt auf gleich geklappt. Das hat Zeit gebraucht, bis alles funktioniert, wie es jetzt läuft. Daher wurden vielleicht die erneuerbaren Energien ein bisschen außer Acht gelassen. Aber jetzt ist die Zeit, in der wir uns wirklich intensiver damit beschäftigen. Es kann noch viel mehr passieren, und wir werden auch in Zukunft immer mehr Innovationen sehen. Ich hoffe, dass das immer so weitergeht, bis wir Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen erzeugen.

-(300-x-250-px)-(1).png)