ENERGIEDIALOG 2026 - Der energiepolitische Jahresauftakt am 20.01.2026
Intelligente Stromzähler

Smartmeter schaffen Transparenz über den Energieverbrauch

Deutschland hinkt bei der Nutzung von Smartmetern hinterher und blockiert sich auf dem Weg zu einem intelligenten Energiesystem, meint Sebastian Schaule vom Stromanbieter Octopus Energy.
Interview: Christiane Nönnig
12.11.2025 | 2 Min.
Erschienen in: Ausgabe 11/2025
Stefan Schaule ist Politik-und Kommunikationschef beim Energieversorger Octopus Energy Germany.
Stefan Schaule ist Politik-und Kommunikationschef beim Energieversorger Octopus Energy Germany.
Foto: Octopus Energy

neue energie: Wie wichtig Smartmeter für die Energiewende sind, wird häufig unterschätzt. Teilen Sie diesen Eindruck?

Sebastian Schaule: Das stimmt tatsächlich, obwohl Smartmeter ein so zentraler Baustein im Energiesystem sind. Was die Nutzung angeht, hinken wir in Deutschland sehr hinterher. In anderen Ländern hängen intelligente Stromzähler einfach an der Wand und funktionieren.

ne: Wie können Smartmeter ein intelligentes Energiesystem ermöglichen?

Schaule: Smartmeter sind der zentrale Baustein, um Transparenz über den Energieverbrauch zu schaffen, indem sie den Stromverbrauch viertelstündlich messen und kommunizieren. Der Stromverbrauch kann so in Zeiten gelegt werden, in denen besonders viel Wind- oder Solarstrom im Netz ist und die Preise dadurch besonders günstig sind. Das funktioniert über zeitvariable oder dynamische Tarife, aber auch über eine Automatisierung mit Algorithmen, etwa beim Laden von Elektroautos.

ne: Offiziell gibt es einen Rollout für Smartmeter in Deutschland, doch da rollt derzeit nicht viel. Woran liegt das?

Schaule: Deutschland hat sich für einen extrem komplizierten, teuren und überregulierten Sonderweg entschieden. Er konzentriert sich stark auf die Netzperspektive und die Abregelung von Solaranlagen, E-Autos oder Wärmepumpen. Der deutsche Ansatz berücksichtigt die Verbraucher nicht mit, die am Ende die Smartmeter einbauen und bezahlen sollen. Die hohen Sicherheitsanforderungen für die Abregelung haben dazu geführt, dass das Thema über Jahre hinweg nicht vorangekommen ist. Einige Hersteller haben bereits aufgegeben, inzwischen gibt es nur noch wenige, die am Markt aktiv sind. Außerdem haben wir den Weg eines Teil-Rollouts gewählt: Es werden nur Haushalte mit Smartmetern ausgestattet, die energiewirtschaftlich relevant sind. Dazu gehören Haushalte mit Solaranlage, Wärmepumpe, Speicher, Wallbox oder einem sehr hohen Stromverbrauch. Das hat den Effekt, dass man sich auf einzelne Haushalte konzentriert, die man separat anfahren muss, was die Installationskosten nach oben treibt. In anderen Ländern installiert man straßenweise, das verursacht deutlich geringere Kosten.

ne: Sie plädieren für einen radikal vereinfachten Smartmeter Light. Was verstehen Sie darunter?

Schaule: Der Smartmeter Light ist ein einfacher Smartmeter, wie er in anderen Ländern installiert wird. Er hat lediglich Basisfunktionen und verzichtet auf die kostspielige und komplizierte Abregelungsfunktion: Der Stromverbrauch wird alle 15 Minuten gemessen und dann am Folgetag gesammelt oder in Echtzeit kommuniziert. Das ist die einzige Funktion, die man braucht, um darauf basierend innovative Geschäftsmodelle wie zeitvariable und dynamische Tarife anbieten zu können. Das reicht schon, damit Kunden ihren Energieverbrauch in Zeiten legen können, wo der Strom besonders günstig ist.

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