Nachwuchs

„Es gibt immer etwas Neues zu sehen und zu lernen“

Die Windkraft wächst ungebremst weiter – und mit ihr auch der Bedarf an Servicetechnikerinnen und Servicetechniker, die die Anlagen zuverlässig am Laufen halten. Wie kann man den Nachwuchs für die Arbeit gewinnen?
Interview: Christiane Nönnig
22.01.2026 | 4 Min.
Die Azubis beim Sicherheitstraining im Training Center Standort Viöl.
Die Azubis beim Sicherheitstraining im Training Center Standort Viöl.
Fotos: Deutsche Windtechnik

„Es gibt immer etwas Neues zu sehen und zu lernen“
Momme Feddersen, Leiter des Training Centers der Deutschen Windtechnik
Einer der größten unabhängigen Serviceanbieter ist die Deutsche Windtechnik: Allein in Deutschland warten mehr als 4.800 Windenergieanlagen darauf, von ihren Serviceteams betreut zu werden. Seinen Nachwuchs bildet das Unternehmen in umfangreichen Trainings und Schulungen aus – ob als Quereinsteigende oder Auszubildende. „Wir müssen unseren Nachwuchs selbst schnitzen“, sagt Momme Feddersen, der seit 2024 das Training Center der Deutschen Windtechnik leitet. Bisher kann die Nachfrage den großen Bedarf noch decken: Aktuell beschäftigt das Unternehmen 102 Azubis allein in der Fachrichtung Mechatronik. 

Intensives Grundlagentraining

Ausgebildet wird aktuell an zwei Standorten: In Bremen kooperiert die Deutsche Windtechnik mit den Ausbildungswerkstätten der Deutschen Bahn. Im nordfriesischen Viöl bildet Sie im eigenen Training Center aus. Das erste Lehrjahr verbringen die Auszubildenden ausschließlich in der Lehrwerkstatt, um sämtliche Grundfertigkeiten zu lernen – von der Mechanik über die Elektrotechnik bis hin zur Steuerung.

Hier lernt der Nachwuchs, Schaltpläne zu verdrahten, zu fräsen und zu bohren oder auch Programme selbst zu codieren. „Das ist eigentlich eine universelle Mechatronik-Ausbildung“, erklärt Feddersen. „Erst ab dem zweiten Lehrjahr wird man auf die wirkliche Windkraft spezialisiert. Dann findet die Ausbildung der Azubis direkt auf den Anlagen im Feld statt – immer begleitet von erfahrenen Servicetechniker*innen, die Praxisinhalte vermitteln.“ 

 

Auch die Auszubildende Rieke Stomberg ist aktuell dritte Kraft eines Serviceteams in Nordfriesland. Im Sommer durfte sie das neue Training Center in Houston, Texas, mit aufbauen – und berichtet begeistert von ihren Erfahrungen.

neue energie: Rieke, wie war deine Zeit in den USA?

Rieke Stomberg: Das war ziemlich spontan. Ich wurde gefragt, ob ich Englisch sprechen kann und Lust hätte rüberzugehen. Klar, warum nicht? Es war sehr schön. Eine ganz neue Erfahrung. Da hat sich die harte Arbeit in der Schule und im Feld wirklich gelohnt.

ne: Was habt ihr dort gemacht?

Rieke: Wir waren zum Aufbau des Training Centers dort. Zu meinen Aufgaben gehörte zum Beispiel, einen Schaltschrank aus einer Gondel zu holen und etwas für einen Simulator aufzubauen. Es sollte dann noch eine komplette Gondel kommen, aber das hatte sich zeitlich ein bisschen verschoben. Drüben gibt es zwar keine Lehrwerkstatt, aber eine große Halle, wo dann auch Trainings stattfinden. Mittlerweile müsste die Gondel drinnen stehen.

„Es gibt immer etwas Neues zu sehen und zu lernen“

ne: Wie bist du überhaupt auf die Ausbildung gekommen?

Rieke: Ich war schon immer technikbegeistert und habe meine Fachhochschulreife im Bereich Technik gemacht. Hier im Norden stehen ja auch viele Windkraftanlagen und ich fand das sehr interessant zu wissen, wie alles funktioniert. Während eines Praktikums bei Enercon habe ich dann alle Bereiche kennengelernt. Da wusste ich, die Windkraft ist das Richtige für mich. 

ne: Kam das in deinem Freundeskreis gut an?

Rieke: Meine Freunde finden das alle sehr schön. Es ist natürlich eher ungewöhnlich als Frau in einem Beruf, in dem überwiegend Männer tätig sind, aber sie freuen sich alle für mich und ich komme sehr gut klar.

ne: Hattest du Angst, als du zum ersten Mal auf einer Anlage warst?

Rieke: Ich hatte keine Angst, aber war doch ein bisschen aufgeregt und hab mich riesig gefreut. Dieser Moment wird mir auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben.

ne: Was hat dir bisher am besten in der Ausbildung gefallen? 

Rieke: Ich würde sagen, die Fehlersuche liegt mir sehr gut. Ich mag es, in den Schaltplänen zu schauen, wo der Fehler sein könnte und was alles womit zusammenhängt. Es hat ein bisschen was von Rätsel lösen.

ne: Und worauf könntest du eher verzichten?

Rieke: Eigentlich mag ich alles, aber wenn man zum Beispiel ein paar Wochen hintereinander nur Wartung macht, mit Fettputzen und sowas, das kann schon mal langweilig sein. Aber es muss ja trotzdem gemacht werden, insofern bin ich zufrieden mit allem. 

ne: Gibt es noch etwas, worauf du dich besonders freust?

Rieke: Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit. Es gibt immer etwas Neues zu sehen und zu lernen. Aber am meisten freue ich mich darauf, dass ich später alles Gelernte auch umsetzen kann.

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