Netzpaket

„Kein einziges Problem gelöst“: Warum das Netzpaket den Windenergie-Ausbau stoppen könnte

Der Windenergie-Ausbau in Deutschland hängt vom Stromnetz ab – doch das geplante Netzpaket steht in der Kritik. Es würde „kein einziges Problem lösen“ und könnte Projekte sogar ausbremsen. BWE-Präsidentin Bärbel Heidebroek fordert stattdessen schnellere Genehmigungen und mehr Tempo beim Netzausbau.
Interview: Nadine Fischer
06.05.2026 | 2 Min.
Bärbel Heidebroek ist Präsidentin des Bundesverbandes WindEnergie e.V., Vizepräsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e. V. sowie Vorsitzende des LEE Niedersachsen/Bremen. Seit 2001 ist Bärbel Heidebroek gemeinsam mit ihrem Mann geschäftsführende Gesellschafterin der Landwind-Gruppe.
Bärbel Heidebroek ist Präsidentin des Bundesverbandes WindEnergie e.V., Vizepräsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e. V. sowie Vorsitzende des LEE Niedersachsen/Bremen. Seit 2001 ist Bärbel Heidebroek gemeinsam mit ihrem Mann geschäftsführende Gesellschafterin der Landwind-Gruppe.
Foto: BWE

neue energie: Für den weiteren Ausbau der Windenergie braucht es ein starkes, modernes Stromnetz. Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

Bärbel Heidebroek: Vor allem die Genehmigungsverfahren müssen endlich gestrafft werden. Bei der Windenergie haben wir bewiesen, dass hier echte Beschleunigung möglich ist. BWE und VKU schlagen deshalb vor, bei der Erneuerung der Verteilnetze von Genehmigungs- auf Bauanzeigeverfahren umzustellen. Das wäre ein wichtiger Schritt für mehr Tempo beim Netzausbau. Gleichzeitig gilt es, das vorhandene Netz besser zu nutzen: durch die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten, Leitungsmonitoring und schnelle Fortschritte bei der Digitalisierung.

ne: Welche Vorschläge im Netzpaket und im Bereich der Netzentgelte bewerten Sie besonders kritisch? Gibt es aus Ihrer Sicht klare „No-Gos“, die für die Branche problematisch wären?

Heidebroek: Es ist zunächst richtig, die Herausforderungen im Netz mit einem eigenen Gesetzespaket anzupacken. Bei Digitalisierung, Transparenz und dem Tempo des Netzausbaus ist viel zu tun. Leider lösen aktuell geplante Instrumente wie Redispatch-Vorbehalt und kapazitätslimitierte Netzgebiete kein einziges Problem. Tatsächlich verstoßen sie sogar gegen EU-Recht und kommunales Planungsrecht. Die Bundesregierung würde mit ihren Plänen also neue rechtliche Unsicherheiten schaffen. Die Maßnahmen könnten zudem zu einem fast bundesweiten Ausbaustopp bei der Windenergie führen – gerade in Zeiten der wachsenden fossilen Energiekrise ein völliger Irrweg. Die EU-Kommission hat gerade erst unterstrichten, dass wir uns unabhängiger von Brennstoffimporten machen müssen. Deshalb braucht es kräftigen Zubau Erneuerbarer Energien sowie eine massive Erweiterung der Kapazitäten bei Speichern und Elektrolyse.

ne: Wenn Sie eine politische Priorität setzen müssten: Welche Stellschraube im aktuellen Reformpaket würde den größten Unterschied machen, um den Ausbau der Windenergie weiter hochzuhalten?

Heidebroek: Jetzt gilt es, Chancen zu nutzen. In allen Bundesländern gibt es ausreichend Genehmigungen, die Projektierer stehen bereit. Im ganzen Land setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir uns von fossilen Energien lösen müssen. Denn sie sind knapp, teuer und machen uns verwundbar. Es ist deshalb höchste Zeit, dass die Bundesregierung die bestmöglichen Rahmenbedingungen für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien schafft. Gerade wir als Windbranche wollen jetzt noch mehr Verantwortung übernehmen – mit mehr Engagement vor dem Netzverknüpfungspunkt, direkten Lieferbeziehungen zum industriellen Mittelstand und Investitionen in Großbatteriespeicher und Elektrolyse. Die Politik muss hierfür die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen und so der Windkraft ermöglicht, ihr gewaltiges Potenzial voll zu entfalten, statt sie auszubremsen.

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Bärbel Heidebroek ist Präsidentin des Bundesverbandes WindEnergie e.V., Vizepräsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie e. V. sowie Vorsitzende des LEE Niedersachsen/Bremen. Seit 2001 ist Bärbel Heidebroek gemeinsam mit ihrem Mann geschäftsführende Gesellschafterin der Landwind-Gruppe.
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