BMWE-Entwurf

„Das Netzpaket stellt einen klaren Paradigmenwechsel dar“

Das sogenannte Netzpaket könnte die lokale Netzsituation zum entscheidenden wirtschaftlichen Faktor für Projektentwickler machen. Abregelungen würden dann echte Erlösverluste bedeuten, sagt Fritz Halla, Manager und Team Lead Wind Energy bei Enervis.
Interview: Christiane Nönnig
19.02.2026 | 2 Min. | 1
Blickt auf das Netzpaket: Fritz Halla, Manager und Team Lead Wind Energy bei Enervis.
Blickt auf das Netzpaket: Fritz Halla, Manager und Team Lead Wind Energy bei Enervis.
Foto: Enervis

neue energie: Wie beurteilen Sie den vorliegenden Entwurf?

Fritz Halla: Der Entwurf stellt einen klaren Paradigmenwechsel dar. Mit der Möglichkeit, kapazitätslimitierte Netzgebiete auszuweisen und Neuanschlüsse unter einen Redispatch-Vorbehalt zu stellen, wird das bisher vom Förderinstrument getragene Redispatch-Risiko teilweise auf neue Anlagen verlagert. Aus systemischer Sicht ist das vorgegebene Ziel der Senkung der Redispatch-Kosten und Entlastung der Letztverbraucher durchaus nachvollziehbar. Gleichzeitig verhindert der Entwurf die Realisierung in gewissen Regionen und macht dabei den Netzstatus, der von Projektentwicklern nicht beeinflussbar ist, zu einem zentralen ökonomischen Faktor für Investitionsentscheidungen. Die aktuell geplante Grenze von drei Prozent Redispatch an der Gesamterzeugung erscheint recht niedrig gewählt, gleichzeitig sind viele relevanten Stellschrauben und Festlegungen im Papier noch nicht ausreichend konkretisiert.

ne: Was bedeutet das in der Praxis für Betreiber von EE-Projekten?

Halla: Für Betreiber und Projektentwickler bedeutet das vor allem ein reales Erlösrisiko in kapazitätslimitierten Gebieten, da Redispatch ohne finanziellen Ausgleich erfolgen kann. Netzbedingte Abregelungen werden damit vom neutralen Durchlaufposten zum echten wirtschaftlichen Risiko für die Projekte und sind dabei nur sehr schwer für die nächsten 10 Jahre prognostizierbar. In der Praxis wird die Netzsituation bereits in frühen Entwicklungsphasen zu einem entscheidenden Prüfpunkt, dabei ist aber zu diesem Zeitpunkt vier bis fünf Jahre vor Inbetriebnahme noch überhaupt nicht klar, wie dann zum Bewertungszeitpunkt die vorliegende Netzsituation tatsächlich aussieht. Business Cases, Finanzierungsstrukturen und Bewertungsannahmen müssen das Erlösverlust-Risiko explizit berücksichtigen. Projekte in stark belasteten Regionen würden wohl an Attraktivität verlieren oder nur unter wesentlich schlechteren Bedingungen finanzierbar werden. Übergangsregelungen erscheinen notwendig, um für die bereits begonnenen Planungen Sicherheit zu schaffen.

ne: Welche Regionen wären davon besonders betroffen?

Halla: Besonders betroffen wären aller Voraussicht nach Regionen mit hoher Erneuerbaren-Dichte und strukturellen Netzengpässen, also typischerweise die windstarken Regionen in Nord- und Ostdeutschland mit hohem Einspeiseüberschuss und begrenzter Abtransportkapazität. Gleiches gilt aus PV-Sicht für beispielsweise Teile Bayerns.  Entscheidend ist hier allerdings auch der erwartete Zubau der bereits bezuschlagten Anlagen aus den Auktionen der Bundesnetzagentur und die konkret vorgesehenen Maßnahmen des Netzausbaus aus den jeweiligen Netzentwicklungsplänen.

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Kommentare (1)

sehr interessante Artikel; aber schön wäre es, wenn Sie die Regionen, die von der geänderten Redispatch Lösung
betroffen sind, benennen würden.

25.02.2026 - 15:53 | ludwig wittgenstein

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