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MINT-Karriere

„Der Fachkräftemangel ist eine strukturelle Herausforderung“

Ob Azubis in der Elektrotechnik oder junge Ingenieure: Ohne MINT-Talente stockt der Ausbau der Erneuerbaren. Wie Unternehmen diese Zielgruppe für sich gewinnen, erklärt Sven Kristkeitz, CEO und Head of Talents beim Recruiting-Dienstleister Max Talent, im Interview.
Interview: Paul Helm
25.03.2026 | 13 Min.
Die MINT-Talente im Blick: Sven Kristkeitz von Max Talent.
Die MINT-Talente im Blick: Sven Kristkeitz von Max Talent.
Foto: Max Talent

neue energie: Viele Unternehmen – gerade in den Erneuerbaren – suchen händeringend junge MINT-Talente. Trotzdem bleiben Stellen oft lange unbesetzt. Wo hakt es aus deiner Sicht aktuell am meisten?

Sven Kristkeitz

ist Co-CEO und Head of Talents bei Max Talents, einem MINT-Spezialisten. Sie betreuen 300.000 aktive Talente und einen zusätzlichen passiven Talentpool für die Zielgruppe, von Azubis bis Professionals (bis 10 Jahre Erfahrung) aus Elektrotechnik, Ingenieurwesen, Informatik, Wirtschaftsingenieurwesen und vielen anderen MINT-Bereichen.

Sven Kristkeitz: Häufig stellen die Fachabteilungen sehr hohe und spezifische Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber – zum Beispiel eine bestimmte fachliche Spezialisierung. Wenn diese nicht exakt erfüllt wird, gestaltet sich die Besetzung schwierig. Wir suchen dann das Gespräch mit unseren Partnerunternehmen und verweisen auf Kandidaten, die grundsätzlich die richtigen Kenntnisse und die passende Ausbildung mitbringen. Man muss bereit sein, einen sinnvollen Kompromiss einzugehen. In diesen Teil des Recruiting-Prozesses sollte man die Fachabteilungen stärker einbeziehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Unternehmen eine regelrechte Flut an unpassenden Bewerbungen erhalten. Ich höre täglich von unseren Kunden, dass sie auf eine einzige Stellenanzeige – etwa bei Stepstone – 100 bis 150 Bewerbungen bekommen, die allesamt gesichtet werden müssen. Das führt zu erheblicher Überlastung und birgt die Gefahr, dass wirklich geeignete Kandidatinnen und Kandidaten in dieser Masse untergehen.

Ein weiterer Aspekt ist das Thema Sprachkenntnisse. Es ist grundsätzlich nachvollziehbar, dass Unternehmen deutschsprachige Mitarbeitende bevorzugen. Das Problem liegt dabei nicht immer in der internen Organisation, sondern häufig im Behördenkontakt, der für viele Tätigkeiten in der Erneuerbaren-Branche unverzichtbar ist und nach wie vor sehr gute Deutschkenntnisse erfordert. Das ist für die gesamte Branche ein echtes Hemmnis, denn dadurch entgehen ihnen viele gut qualifizierte Fachkräfte.

ne: Du arbeitest seit Jahren an der Schnittstelle zwischen Studium, Lernen und Arbeitsmarkt. Was hat dich persönlich dazu gebracht, dich auf junge MINT-Talente zu fokussieren?

Kristkeitz: Ich habe eine Zeit lang als Lehreraushilfe gearbeitet und dabei eine große Leidenschaft für das Thema Bildung entwickelt. Im Studium habe ich mich dann intensiv damit beschäftigt, wie man Lehrformate interaktiver und individueller gestalten kann – weg vom reinen Frontalunterricht. Fragen wie: Was motiviert Menschen? Wie können Ausbildung und Beruf besser zusammenpassen? Wo will jemand eigentlich hin? All das hat mich schon früh beschäftigt.

Hinzu kommt, dass MINT bei uns im gesamten Gründerteam einfach im Blut liegt. Ich habe Physik studiert, mein Co-Founder Luis Maschinenbau, und Elias, unser dritter Gründer, hat Chemie und Informatik studiert. Wir sind durch und durch ein MINT-Team – das ist unser Bereich, und dort haben wir uns folgerichtig spezialisiert. Doch in MINT-Studiengängen herrschen nach wie vor erschreckend hohe Durchfall- und Abbrecherquoten: In manchen Fächern schaffen 50 bis 70 Prozent der Studierenden die Prüfungen nicht, und am Ende erhalten nur rund die Hälfte überhaupt einen Abschluss. Das ist ein enorm großes verschwendetes Potenzial – und es ist unnötig, denn diese Themen kann grundsätzlich jeder erlernen. Man muss kein Genie sein. Gemeinsam mit der RWTH Aachen haben wir deshalb ein Konzept entwickelt, das Studierende wirkungsvoll durch ihr Studium begleitet.

Für mich persönlich passt das auch inhaltlich sehr gut zur Branche: Der MINT-Bereich ist essenziell, um die drängenden Probleme unserer Zeit zu lösen, sei es die Energiewende oder andere technische Herausforderungen. Wir haben als Gründerteam nach Ansatzpunkten gesucht, an denen wir mit unserem technischen Hintergrund echten gesellschaftlichen Impact erzielen können. Immer wieder sind wir beim Thema Bildung gelandet – und so ist die Idee zu Max Talents entstanden.

ne: Ihr bietet eine Job-Matching-Plattform an. Was ist deren Funktion?

Kristkeitz: Die Plattform war die logische Konsequenz aus unserem Bildungsansatz. Uns war von Anfang an klar, dass wir Menschen nicht nur fachlich ausbilden, sondern auch bei ihrer Berufsorientierung unterstützen wollen. Wir haben festgestellt, dass viele MINT-Studierende zwar aus intrinsischem Interesse studieren, aber keine klare Vorstellung davon haben, was sie mit ihrem Abschluss beruflich anfangen möchten. Die Verbindung zwischen Studium und Arbeitsmarkt wird oft erst sehr spät hergestellt. Diese Lücke wollten wir schließen. Aus diesem Ansatz heraus ist unser Gesamtmodell entstanden: Wir verbinden die Ausbildung von Talenten mit der gezielten Besetzung von Stellen. Unternehmen profitieren davon, dass wir Kandidatinnen und Kandidaten nicht nur vermitteln, sondern sie auch inhaltlich auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts vorbereiten.

ne: Wie habt ihr das Konzept entwickelt?

Kristkeitz: Das Gesamtkonzept haben wir zunächst gemeinsam mit Hochschulen entwickelt – vor allem mit der RWTH Aachen. Im Bereich Karriere haben wir dann zusätzlich das Gespräch mit Unternehmen gesucht und schnell festgestellt: Der Fachkräftemangel ist ein strukturelles Problem, das seit Jahrzehnten bekannt ist. Klassische Jobplattformen bieten dafür keine nachhaltige Lösung, denn sie vermitteln letztlich nur bestehende Fachkräfte von einem Arbeitgeber zum nächsten – ein ständiges Hin und Her. Das bekämpft nicht den Fachkräftemangel, sondern verteilt ihn nur um. Die eigentliche Frage lautet: Wie kann man mehr qualifizierte Menschen auf den Arbeitsmarkt bringen? Genau das war unsere Grundidee – und die haben wir gemeinsam weiterentwickelt.

ne: Was unterscheidet euch von klassischen Jobportalen oder Hochschulangeboten?

Was MINT-Fachkräfte interessiert, sind fachliche Inhalte und eine spezialisierte Community."
Kristkeitz: Der entscheidende Unterschied ist unsere fachliche Spezialisierung auf den MINT-Bereich. Das wirkt sich direkt auf die Zielgruppe aus, die wir ansprechen. Gute MINT-Fachkräfte stehen in der Regel nicht unter Druck, aktiv nach einem Job zu suchen – sie werden ohnehin angesprochen. Was sie hingegen interessiert, sind fachliche Inhalte und eine spezialisierte Community. Genau das bieten wir ihnen. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Aspekt: Viele Talente kennen uns bereits aus dem Studium – durch unsere Lernmaterialien haben wir eine Vertrauensbasis aufgebaut. Wenn wir sie dann passenden Unternehmen weiterempfehlen, ist diese Glaubwürdigkeit ein erheblicher Vorteil. Das hören wir auch regelmäßig von unseren Kunden: Über unsere Plattform funktioniert die Ansprache deutlich besser als über allgemeine Jobportale.

ne: Ihr habt Bildungsmaterialien für Studierende entworfen. Was ist die Idee dahinter?

Kristkeitz: Wir haben uns bewusst auf dieses Trainingsformat konzentriert, weil es dafür bisher kaum geeignete Angebote gab. Es gibt gute Plattformen, die Theorie verständlich erklären – aber das reicht oft nicht aus. Entscheidend ist, dass Studierende die Inhalte auch sicher anwenden und schnell genug berechnen können. Andere Lernplattformen setzen bislang fast ausschließlich auf theoretische Erklärungen. Genau hier haben wir gemeinsam mit der RWTH Aachen angesetzt und einen anderen Weg entwickelt, ein praxisnahes Training.

ne: In welcher Phase des Studiums befinden sich eure Nutzerinnen und Nutzer?

Kristkeitz: Es ist tatsächlich sehr bunt gemischt, vom ersten bis zum dreizehnten Semester, was gar nicht so selten ist. Naturgemäß ist aber der größte Teil im Bachelorstudium, also im Grundstudium, aktiv. Das liegt einfach an der Verteilung: In einer Einführungsvorlesung der Fachrichtung Maschinenbau sitzen vielleicht 500 Studierende – im Master sind es später vielleicht noch 20. Diese Relation spiegelt sich auch in unseren Nutzerzahlen wider.

ne: Richtet ihr euer Angebot ausschließlich an Studierende?

Kristkeitz: Nein, wir haben uns in den vergangenen zwei Jahren deutlich breiter aufgestellt. Neben Studierenden haben wir mittlerweile auch viele Auszubildende auf der Plattform – eine Entwicklung, die maßgeblich durch die starke Nachfrage seitens der Unternehmen angetrieben wurde. Außerdem sprechen wir zunehmend auch Personen mit Berufserfahrung an. Aktuell haben wir rund 300.000 aktive Nutzerinnen und Nutzer auf unserer Plattform. Das sind keine inaktiven Accounts, sondern Menschen, die die Angebote regelmäßig nutzen. Davon sind inzwischen nur noch etwa ein Drittel Studierende. Die restlichen zwei Drittel verteilen sich auf Auszubildende, Young Professionals und erfahrenere Fachkräfte – wobei sich dieses Verhältnis kontinuierlich verschiebt.

ne: Spielt der Bildungsaspekt bei den Auszubildenden ebenfalls eine Rolle?

Kristkeitz: Ja, zum Teil, allerdings nicht in gleichem Umfang wie bei Studierenden, da Ausbildungen naturgemäß praxisorientierter sind. Wir haben aber auch Inhalte auf schulischem Niveau, um Lernende dort abzuholen, wo sie stehen. Interessanterweise hat sich unsere Reichweite bei Azubis zunächst durch eine andere Gruppe aufgebaut: Viele unserer Nutzerinnen und Nutzer beginnen mit dem Ziel, ein MINT-Studium aufzunehmen, entscheiden sich dann aber im Laufe der Zeit für eine Ausbildung – weil sie das Thema zwar fasziniert, sie aber einen praxisnäheren Weg bevorzugen. Über diesen Kanal haben wir begonnen, auch Ausbildungsstellen erfolgreich zu besetzen, und das Segment hat sich seitdem stetig weiterentwickelt.

ne: Welche Ausbildungsberufe sind bei euch vertreten?

Kristkeitz: Das Spektrum ist mittlerweile sehr breit, von der Zerspanungsmechanik bis zur Elektrotechnik, also in den verschiedensten Fachrichtungen. Im Kern sind es Berufe, die technisch interessierte Menschen ansprechen, die zwar grundsätzlich Interesse an Ingenieurwissenschaften mitbringen, aber lieber handwerklich-praktisch tätig werden möchten – genau diese Schnittmenge bedienen wir.

ne: Und die Personen mit Berufserfahrung, geht es da vor allem um die Jobvermittlung?

Kristkeitz: Jein. Aktuell liegt der Schwerpunkt bei dieser Zielgruppe klar auf der Jobvermittlung. Die Fachkräfte tragen sich in unseren Talentpool ein und erhalten von uns regelmäßig passende Unternehmensvorschläge sowie Brancheneinblicke. Im Wesentlichen übernehmen wir das Matching: Wir unterbreiten ihnen geeignete Stellen, und wenn das Interesse geweckt ist, begleiten wir den weiteren Prozess. Doch es wird bald Neuigkeiten für diese Zielgruppe geben: Wir arbeiten gerade an einem Angebot rund um berufsbegleitende Bildung und Weiterbildung. Mehr darf ich allerdings noch nicht verraten.

ne: Viele Unternehmen aus den Erneuerbaren konkurrieren mit großen Industrie- und Tech-Arbeitgebern um MINT-Talente. Was können sie besser machen?

Kristkeitz: Was ich aktuell sehr deutlich beobachte: Sicherheit ist für Talente wichtiger geworden als je zuvor. Und hier hat die Erneuerbaren-Branche einen echten Standortvorteil. Diese Branche ist ein fester Bestandteil der Zukunft – sie wird nicht verschwinden, sie wächst. Wer hier arbeitet, muss sich keine Sorgen um die langfristige Relevanz seines Arbeitgebers machen. Das ist eine starke Botschaft, diese sollten Unternehmen aus der Branche aktiv kommunizieren. Ebenso wichtig ist der Impact: Gerade in einem Nachrichtenumfeld, das von Negativmeldungen geprägt ist, sind die Erneuerbaren eines der wenigen Felder, in denen Menschen das Gefühl haben können: Ich gestalte etwas Sinnvolles, ich trage zur Lösung der größten Herausforderungen unserer Zeit bei. Diese Überzeugungskraft sollte man nicht unterschätzen.

Dazu kommen selbstverständlich Faktoren wie flexible Arbeitszeiten und, wo es möglich ist, Homeoffice-Optionen. Bei Installations- und Außendiensttätigkeiten ist das naturgemäß schwieriger, aber in Büro- und Planungsbereichen sollte das ein Standard sein. Was das Gehalt betrifft: Es muss grundsätzlich stimmen, aber wir hören zunehmend von Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie für ein Umfeld mit echtem Sicherheitsgefühl und gesellschaftlichem Impact bereit sind, beim Gehalt leichte Abstriche hinzunehmen. Als Vergleich: Öffentliche Arbeitgeber sind aktuell deutlich gefragter als noch vor fünf Jahren – eine völlige Kehrtwende. Diesen Effekt könnten Unternehmen aus den Erneuerbaren für sich nutzen.

ne: Wie können Unternehmen konkret mit euch zusammenarbeiten?

Kristkeitz: Wir bieten grundsätzlich zwei Leistungsversprechen an: ein langfristiges und ein kurzfristiges. Langfristig unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Bekanntheit bei der MINT-Zielgruppe zu steigern und eine starke Arbeitgebermarke aufzubauen – davon profitieren alle Bereiche des Recruitings. Kurzfristig besetzen wir konkrete offene Stellen. Daraus ergibt sich ein ganzheitliches Bild, und entsprechend unterschiedlich sind auch unsere Kunden.

Wir analysieren gemeinsam mit jedem Unternehmen, wo der eigentliche Engpass liegt."
Kleine Unternehmen wie die Kling-Ingenieure (KL-Ing) aus Köln mit rund 20 Mitarbeitenden beauftragen uns beispielsweise, zwei oder drei Stellen pro Jahr zu besetzen. Mittelständische Unternehmen wie die B&T Group aus dem Recycling- und Energiesektor setzen bei uns eher auf das Thema Bekanntheitssteigerung: Wie kann man sich von großen Konzernen abheben und sichtbarer werden? Hier entwickeln wir gemeinsam gezielte Maßnahmen, abgestimmt auf Fachrichtung, Standort und Zielgruppe. Größere Unternehmen wie Amprion, Xylem oder der TÜV Hessen spielen ihre Stellenanzeigen direkt in unser System ein, wir verbreiten sie und matchen passende Talente. Kurz gesagt: Wir analysieren gemeinsam mit jedem Unternehmen, wo der eigentliche Engpass liegt – und entwickeln dann maßgeschneiderte Lösungen, um ihn zu schließen.

ne: Welche Rolle spielt Employer Branding dabei?

Kristkeitz: Wir nutzen unsere Community als zentrales Umfeld. Dort spielen wir das jeweilige Unternehmen an verschiedenen Stellen aus – ähnlich wie eine Litfaßsäule, an der man täglich vorbeiläuft: Man nimmt das Logo wahr, unterbewusst prägt es sich ein. Das können dezente Einblendungen im Lernmaterial sein oder auch umfangreichere Kurzvorstellungen, in denen ein Unternehmen seine offenen Stellen und seinen Standort präsentiert. Für Talente, die einen Arbeitgeber noch nicht kennen, sind ein paar erläuternde Sätze zum Unternehmen oft entscheidend.

Wir haben verschiedene Abstufungen im Angebot, vom reinen Logo bis hin zum vollständigen Firmenprofil mit Video und Einblicken in den Unternehmensalltag. Je mehr Touchpoints ein Talent mit einem Unternehmen hat, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich die Person auf eine Stellenanzeige bewirbt. Ergänzend setzen wir häufig Social-Media-Retargeting ein: Dieselbe Zielgruppe, die wir auf unserer Plattform ansprechen, wird über externe Kanäle erneut angesprochen – ähnlich wie bei klassischer Online-Werbung, wenn man nach einem Produkt gesucht hat und kurz darauf auf Instagram eine passende Anzeige sieht. Diese kanalübergreifende Verbindung verstärkt den Gesamteffekt deutlich.

ne: Und das Matching, wie funktioniert das?

Kristkeitz: Wir gehen dabei mehrschrittig vor. Zunächst führen wir ein automatisiertes Matching in unserem Talentpool durch. Passende Kandidatinnen und Kandidaten werden dann angesprochen, teils automatisiert, aber bei besonders guter Übereinstimmung auch persönlich durch unser Recruiting-Team, das aktiv auf die Talente zugeht. Wer grundsätzlich in Frage kommt, durchläuft einen Vorqualifizierungsprozess. Zunächst prüft unser System das Talentprofil auf die erforderlichen Kompetenzen. Bei positiver Bewertung kann die Person einen maßgeschneiderten Fragebogen ausfüllen, den wir gemeinsam mit dem Unternehmen entwickeln – mit Fragen zu spezifischen Programmierkenntnissen, Tools oder relevanten Erfahrungen. Die Antworten werden bewertet und anschließend nochmals von einem erfahrenen Recruiter geprüft.

Am Ende landen beim Unternehmen nicht 100 Bewerbungen wie bei einer Stepstone-Anzeige, sondern in der Regel fünf bis 15 wirklich geeignete Kandidatinnen und Kandidaten – Menschen, die man direkt zum Vorstellungsgespräch einladen könnte. Das ist unser Qualitätsversprechen. Wir haben die Reichweite einer Plattform, erbringen aber den Service einer Agentur.

ne: Wenn du auf die nächsten fünf bis zehn Jahre blickst: Wie wird sich der MINT-Arbeitsmarkt entwickeln – und was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?

Kristkeitz: Der demografische Wandel ist ein bekanntes Problem, das seit Jahren diskutiert wird. Was mich persönlich sehr beschäftigt: Der Bedarf an MINT-Fachkräften wächst, während gleichzeitig das Angebot an verfügbaren Fachkräften sinkt. Ältere Jahrgänge gehen in Rente, der Nachwuchs fehlt, und viele bestehende Fachkräfte müssen für neue Aufgaben umqualifiziert werden. Diese Schere zwischen steigendem Bedarf und sinkendem Angebot ist eine ernstzunehmende strukturelle Herausforderung. Ich bin überzeugt, dass der Bedarf an MINT-Kompetenzen durch die laufende KI-Revolution weiter zunehmen wird, und zwar aus zwei Gründen: Erstens wird KI den Energiebedarf nicht senken, sondern erhöhen. Zweitens lassen sich tiefes technisches Verständnis, systemisches Denken und handwerklich-technische Fertigkeiten – Installation, Wartung, Inbetriebnahme – durch KI nicht ersetzen. Was KI erleichtern kann, sind einfache und mittlere Aufgaben. Was bleibt, sind hochspezialisierte Kompetenzen – und genau dort liegt eine der Stärken Deutschlands, die wir weiter ausbauen sollten.

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: In einem Markt mit Fachkräftemangel ist die Mitarbeiterfluktuation hoch, weil es mehr offene Stellen als Kandidatinnen und Kandidaten gibt. Umso wichtiger werden Arbeitgebermarke und Mitarbeiterbindung. HR-Verantwortliche wissen das bereits, aber ich beobachte häufig, dass die Geschäftsführung den Wert von Employer-Branding-Investitionen unterschätzt. Es ist ein langfristiges Investment, dessen Wirkung sich schwer in kurzfristigen Kennzahlen abbilden lässt. Wer das heute noch nicht versteht, wird es in den kommenden Jahren auf die harte Tour lernen.

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