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Wasserstoffhochlauf

„Wir brauchen Quoten für grünen Wasserstoff"

Enertrag treibt den Hochlauf von grünem Wasserstoff voran – mit neuen Elektrolyseuren, Pipeline-Anbindung und Milliardeninvestitionen. Doch fehlende Infrastruktur, hohe Preise und politische Hürden bremsen die Nachfrage. Im Interview erklärt Enertrag-Manager Peter Agoston, was jetzt passieren muss.
Interview: Frank Lassak
18.03.2026 | 3 Min. | 1
Erschienen in: Spotlight: Wasserstoff
Der promovierte Ingenieur Peter Agoston ist zuständig für Enertrags Wasserstoffprojekte.
Der promovierte Ingenieur Peter Agoston ist zuständig für Enertrags Wasserstoffprojekte.
Foto: Enertrag, Silke Reents

neue energie: Herr Agoston, wie ist Enertrag bei grünem Wasserstoff aktuell aufgestellt? Welche Schwerpunkte setzen Sie?

Peter Agoston: Seit 2011 nutzen wir einen eigenen Elektrolyseur. Man könnte also sagen, wir haben den Markt früh besetzt. Unsere Standorte in Prenzlau und Pasewalk sollen parallel zur Umsetzung der Projekte an die zum Wasserstoffkernnetz gehörende Flow-Pipeline angeschlossen werden. Im Sommer nimmt zudem unsere Anlage in Osterweddingen bei Magdeburg den Betrieb auf: Dort wird ein Zehn-Megawatt-Elektrolyseur eingesetzt. Das ist zwar eine relativ geringe Leistung. Aber was nutzt ein großer Elektrolyseur mit 100 oder mehr Megawatt, wenn der Wasserstoff am Ende wegen fehlender Infrastruktur ineffizient, teuer und klimaschädlich per LKW zu den Kunden transportiert werden muss? Mittelfristig setzen wir auf die Belieferung von Raffinerien sowie Industrieunternehmen und Verkehrsbetrieben. Zugleich verfolgen wir die Umwandlung von Wasserstoff in e-SAF (strombasierte SAF: Sustainable Aviation Fuel). Langfristig ist die Nutzung von grünem Wasserstoff in Kraftwerken notwendig. Die Rückverstromung von Wasserstoff wollen wir zudem bereits frühzeitig im Referenzkraftwerk Lausitz erproben.

ne: Sie stecken gerade viel Geld in den Ausbau des Wasserstoffgeschäfts. Wo sehen Sie die größten Chancen für Ihr Unternehmen in den kommenden fünf bis zehn Jahren?

Agoston: Bis 2030 haben wir im Wasserstoff- und vor allem im Power-to-Liquid-Segment, in dem wir kürzlich gemeinsam mit unserem Partner Zaffra Fördermittel für den Standort in Schwedt sichern konnten, Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro geplant – je nach Marktentwicklung. Sicher ist, dass wir das nicht nur aus Eigenmitteln stemmen. Concrete Chemicals, das Joint Venture mit Zaffra, wird mit 350 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln gefördert.

ne: Die Nachfrage nach Power-to-Liquid-Kraftstoffen, die aus grünem Wasserstoff hergestellt werden, ist allerdings weiterhin verhalten; viele Projekte liegen auf Eis. Welche politischen Weichenstellungen sind jetzt am dringendsten nötig, damit der Wasserstoffhochlauf klappt?

Agoston: Derzeit zeigen Industrie- und Verkehrsunternehmen wenig Bereitschaft, bindende Lieferverträge für grünen Wasserstoff abzuschließen. Das liegt nicht nur, aber vor allem am Preis – und an der Verfügbarkeit. Um das Henne-Ei-Problem zu lösen, braucht es dringend Gesetze, die mithilfe einer progressiven Quotenregelung die Nutzung von grünem Wasserstoff in jenen Branchen vorschreiben, die große Mengen an Treibhausgasen (THG) emittieren. So etwas funktioniert etwa bereits in Dänemark, aber in Deutschland fehlte dafür bislang der politische Wille. Die Bundesregierung hat zwar jüngst einen Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der THG-Quote ins Parlament eingebracht, der eine Unterquote für strombasierte Kraftstoffe beziehungsweise grünen Wasserstoff vorsieht. Die aber ist mit gerade einmal acht Prozent bis 2040 sehr klein geraten. Da muss Druck aufgebaut werden.

ne: Wie bewerten Sie das sogenannte Netzpaket des Bundeswirtschaftsministeriums, das den Ausbau von Wind und Solar stärker an die Netzkapazitäten koppeln soll?

Agoston: Wir arbeiten daran, dass es nicht in der aktuellen Form umgesetzt wird, weil sich daraus massive Nachteile für die Erneuerbare-Energien-Branche ergäben. Der in dem Paket enthaltene Redispatch-Vorbehalt hätte zur Folge, dass der Ausbau stark einbräche, da Betreiber von Windenergie- oder Solaranlagen weniger finanzielle Sicherheit hätten – und das würde den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft weiter bremsen. Angesichts der für 2045 gesteckten Klimaziele können wir uns das nicht leisten.

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Kommentare (1)

"Enertrag-Manager Peter Agoston erklärt im Interview mit neue energie, wie zögerlich die aktuelle Bundesregierung den Hochlauf für grünen Wasserstoff angeht und warum jetzt mehr Druck aufgebaut werden muss."

Nur, damit mehr Subventionen abgegriffen werden können, für sinnlose Projekte. Bei der Atomkraft wurden die selben Fehler gemacht und Milliarden von Steuergeldern sinnlos verbrannt.

28.03.2026 - 17:01 | Energiewende - Mehr Kaufkraft für die Region - Landkreis Cham e.V.

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