neue energie: Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Energiepolitik?
Thomas Treiling: Erfreulich war, dass die nicht mehr ganz so neue Bundesregierung die europäische Erneuerbaren-Richtlinie (RED III) schnell in nationales Recht umgesetzt hat. Das schafft insbesondere Kontinuität bei den Windkraft-Genehmigungsverfahren, was auch im Interesse der Genehmigungsbehörden liegt. Dass aufgrund der anstehenden EEG-Novelle und den Regelungen im Zusammenhang mit der europäischen Verordnung zum Net Zero Industry Act vieles in Bewegung ist, liegt in der Natur der Sache. Gelegentlich würden wir uns vom Wirtschaftsministerium aber wünschen, auf vermeidbare Irritationen zu verzichten. Das betrifft insbesondere Fragen der künftigen Vergütungssystematik. Dass sich produktionsunabhängige Elemente nicht kurzfristig implementieren lassen, wenn man keinen Fadenriss beim Ausbau riskieren möchte, sollte eigentlich jedem klar sein.
ne: Was erwarten Sie für das energiepolitische Jahr 2026?
Treiling: Aufgrund der guten Genehmigungssituation erwarten wir einen anhaltend hohen Wettbewerb bei den Tarifausschreibungen, sowohl bei Wind Onshore als auch bei der PV-Freifläche. Die Diskussion um das Metagutachten zur Entwicklung des Stromverbrauchs und die Schlussfolgerungen der Bundeswirtschaftsministerin lassen leider erwarten, dass ein möglichst reibungsloser und bürokratiearmer Ausbau erneuerbarer Energien nicht die höchste Priorität genießt. Aber wir lassen uns gerne positiv überraschen.
ne: Und welchen Wunschzettel haben Sie für die politische Weichenstellung, um den Ausbau der Erneuerbaren weiter voranzutreiben?
Treiling: Wir wünschen uns Fingerspitzengefühl bei der Novellierung des EEG. Ein Fadenriss beim Windkraftausbau wie wir ihn 2018/2019 erlebt haben, ist unbedingt zu vermeiden. Auch die PV-Freifläche muss weiterhin als günstigste erneuerbare Erzeugungsform ihren notwendigen Beitrag leisten können. Gestaltungsbedarf gibt es bei den Netzanschlüssen. Indem die Bundesregierung Flexibilisierung und Hybridisierung ermöglicht und Hürden abbaut, könnte sie zu günstigeren Strompreisen beitragen und beweisen, dass sie es ernst meint mit dem Entbürokratisieren. Statt überdimensionierte und teure Gaskraftkapazitäten zu installieren, gilt es, die Dynamik des Batteriespeicherzubaus zur Entfaltung zu bringen. Denn Batterien kommen ohne finanzielle Förderung aus. Für ihren schnellen Zubau braucht es aber transparente und vernünftige Regeln, insbesondere den Netzzugang betreffend.