Lorenz Gösta Beutin will die vier deutschen Stromübertragungsnetze in eine Infrastrukturgesellschaft des Bundes überführen, um den Netzausbau und die Preisgestaltung stärker staatlich zu steuern. Auch die Rekommunalisierung lokaler Energieversorgung – wie in Berlin bei Strom und Fernwärme bereits geschehen – ist Teil seines Plans für eine gemeinwohlorientierte Energiewirtschaft. Zugleich drängt Beutin auf einen massiven Ausbau erneuerbarer Energien – mit mehr Tempo und mehr Beteiligung der Kommunen an den Einnahmen. Den Kohleausstieg will er bis 2030 vollziehen, Erdgas bis 2035 ersetzen – ohne Versorgungslücken. Mit Beutin an der Spitze bekommt der Ausschuss – unterstützt von Michael Thews (SPD) und Steffi Lemke (Grüne) – eine politische Neuausrichtung. Für Unternehmen bedeutet das: Die Energiewende soll nicht nur schneller, sondern auch sozial verträglicher, sprich: bezahlbarer werden. Im Gespräch mit neue energie erläutert Beutin seine Agenda.
neue energie: Herr Beutin, was bedeutet sozial-ökologische Transformation für Ihre Arbeit im Ausschuss?
Lorenz Gösta Beutin: Wir brauchen eine Abkehr von der Profitlogik hin zur öffentlichen Daseinsvorsorge – etwa durch Rekommunalisierung, Verstaatlichung der Netze und den Abschied vom Merit-Order-Prinzip. Als Ausschussvorsitzender will ich durch Impulse wie wissenschaftliche Gäste und Modellprojekte Akzente setzen. In meiner Fraktion arbeite ich an neuen Konzepten für eine sozial gerechte, demokratische Energie- und Wärmewende.
Wie kann Energiepolitik demokratischer gestaltet werden?
Lorenz Gösta Beutin: Die Energiewende bietet die Chance, Mitbestimmung neu zu denken. Wenn Kommunen an Windkrafteinnahmen beteiligt werden, steigt die Akzeptanz deutlich. Ich setze auf Bürgerenergie, Energiegenossenschaften und kommunale Verantwortung. Energie gehört in öffentliche Hand, wie in Dänemark, wo gemeinwohlorientierte Fernwärme hervorragend funktioniert. Denn Energie ist Daseinsvorsorge – keine Ware.
Welche Erfahrungen prägen Ihren Blick auf die Umweltpolitik?
Lorenz Gösta Beutin: Ich komme aus der Anti-AKW-Bewegung. Heute bewegen mich Menschen, die unter hohen Energiepreisen leiden – wie etwa eine Rentnerin aus Flensburg, der nach dem Heizen kaum etwas zum Leben bleibt. Das zeigt: Klimapolitik muss sozial gerecht sein – nicht marktabhängig.
Was treibt Sie an – und was wollen Sie im Ausschuss bewegen?
Lorenz Gösta Beutin: Was mich antreibt, ist der Anspruch, die Energiewende so zu gestalten, dass die Menschen konkret davon profitieren – statt nur steigende Kosten durch Marktinstrumente wie den CO₂-Preis zu spüren. Was Union und SPD vorlegen, ist Klimapolitik nach Marktlogik. Ich will erreichen, dass soziale Bedürfnisse und ökologische Ziele im Ausschuss gemeinsam behandelt werden – orientiert an den realen Anliegen der Menschen, nicht an Renditeinteressen.

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