EEG 2027 & Netzpaket

„Das Versprechen der Kosteneffizienz ist eine Mogelpackung“

Die aktuellen Gesetzesnovellen halten die Erneuerbaren-Branche in Atem. Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie (BWE), über die Enttäuschung nach den Referentenentwürfen zur EEG-Novelle und dem Netzpaket – und wo die Branche dennoch zu Kompromissen bereit ist.
Interview: Christiane Nönnig
25.08.2026 | 2 Min.
Bärbel Heidebroek ist Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie (BWE).
Bärbel Heidebroek ist Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie (BWE).
Foto: BWE/Silke Reents

neue energie: Die Branche hat lange auf die EEG-Reform gewartet und sich vor allem Planungs- und Investitionssicherheit erhofft. Wie groß ist die Enttäuschung, wenn man sich die Entwürfe anschaut?

Bärbel Heidebroek: Die Enttäuschung ist groß. Natürlich gibt es in einigen Details Verbesserungen gegenüber den Leaks, und wir freuen uns, dass die zusätzlichen 12 Gigawatt im Gesetz verankert werden. Aber es überwiegt die Ernüchterung darüber, dass unsere vielfachen Vorschläge und Einwände weitgehend unberücksichtigt geblieben sind. Besonders schmerzt, dass unsere Ideen zur Vermeidung von Redispatch, zum Prinzip „Nutzen statt Abregeln“ und zur Digitalisierung und Ertüchtigung der Netze kaum Eingang in die Entwürfe gefunden haben. Auch fehlen die im Koalitionsvertrag vereinbarten Instrumente für eine marktliche Entwicklung der Erneuerbaren – Direktbelieferung, ein Marktwertkorridor zum Erhalt der Direktvermarktung und Anreize für PPAs.

ne: Welche konkreten Auswirkungen hätten die EEG-Novelle und das Netzpaket in ihrer jetzigen Form auf die Windbranche?

Heidebroek: Sie machen Projekte teurer, erklären Teile von Vorranggebieten für faktisch unbrauchbar und greifen in laufende Planungen und bestehende Investitionen ein. Die Entwicklung in Richtung Markt wird konterkariert, die Energiewende ausgebremst. Das Versprechen der Kosteneffizienz ist eine Mogelpackung – die Inhalte der Gesetzentwürfe spiegeln es in keiner Weise wider.

ne: Siehst du ein Risiko für den weiteren Ausbau der Windenergie – erwartest du einen Fadenriss?

Heidebroek: Ein Risiko auf jeden Fall. Der Fadenriss wird sich vermutlich erst in zwei bis drei Jahren zeigen, weil noch sehr viele Projekte in der Pipeline sind, die das Potenzial haben, die Ausschreibungen zunächst zu überzeichnen.

ne: Wenn du drei Wünsche frei hättest: Wo sollte das Ministerium nachschärfen – und wo ist die Branche zu Kompromissen bereit?

Heidebroek: Es sind ehrlich gesagt mehr als drei Wünsche – aber angesichts dessen, was mit der Energiewende auf dem Spiel steht, ist das kaum verwunderlich. Ganz oben auf der Liste stehen: „Nutzen statt Abregeln“ und ein generell verbesserter Zugang zu Markt und Flexibilitäten, Bestandsschutz für Projekte in der Planung, die Abschaffung des Pachtdeckels, eine Anhebung des Auslösewerts für den Redispatch-Vorbehalt und eine Korrektur der neu geschaffenen Zonen im Referenzertragsmodell. Kompromissbereit ist die Branche beim Thema Wirkleistungsbegrenzung – allerdings muss der Startzeitpunkt deutlich nach hinten verschoben werden.

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