Netzpaket

Dynamische Netzentgelte für Batteriespeicher: Was die AgNes-Reform für Flexibilitäten bedeutet

Die AgNes-Netzentgeltreform soll Batteriespeicher an den Netzkosten beteiligen – doch pauschale Entgelte könnten genau die Flexibilität zerstören, die das Stromsystem dringend braucht. Warum dynamische Netzentgelte der richtige Weg sind und was Investoren jetzt brauchen.
Interview: Janna Riffeler
25.05.2026 | 3 Min. | 1
Lars Stephan ist seit rund elf Jahren in der Energiespeicherbranche und seit rund vier Jahren bei Fluence tätig. Er leitet den Bereich Politik und Advocacy für Fluence in Europa. In dieser Rolle verantwortet er die strategische Politikarbeit und -kommunikation des Unternehmens mit Kunden, politischen Entscheidungsträgern, Medien und der Öffentlichkeit in ganz Europa.
Lars Stephan ist seit rund elf Jahren in der Energiespeicherbranche und seit rund vier Jahren bei Fluence tätig. Er leitet den Bereich Politik und Advocacy für Fluence in Europa. In dieser Rolle verantwortet er die strategische Politikarbeit und -kommunikation des Unternehmens mit Kunden, politischen Entscheidungsträgern, Medien und der Öffentlichkeit in ganz Europa.
Foto: Fluence Energy GmbH

neue energie: Was bedeutet die geplante Netzentgeltreform konkret für dezentrale Flexibilitäten wie Batteriespeicher?

Batteriespeicher sind bisher von der Zahlung von Netzentgelten befreit, zahlen aber den sogenannten Baukostenzuschuss, der abhänging von der Region bis zu 20% der Projektkosten betragen kann. Mit der AgNes-Reform sollen jetzt auch Netzentgelte für Speicher eingeführt werden.

Die grundsätzliche Logik, dass Speicher zur Finanzierung der Netze beitragen sollen, ist im Großen und Ganzen unstrittig, es kommt aber auf die genaue Ausgestaltung an. Und insbesondere darauf, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Speichern zur Zahlung von Netzentgelten nicht überschritten wird. Diese Gefahr besteht insbesondere bei statischen Netzentgelten, die auf den Energieumsatz oder die Anschlussleistung erhoben werden sollen. Auf der anderen Seite stehen die dynamischen Netzentgelte mit denen Speicher in Engpasssituationen Anreize zum netzdienlichen Verhalten bekommen sollen. Diese werde in der Branche großteils positiv beurteilt.

Die Infragestellung des Vertrauensschutzes blockiert aktuell subventionsfreie Investitionen in den deutschen Speicherausbau in Milliardenhöhe."

Ein weiteres Problem, das auch medial schon große Wellen geschlagen hat, ist die Infragestellung des Vertrauensschutzes nach § 118 Abs. 6 EnWG durch die BNetzA. Diese besagt, dass Projekte, die bis August 2029 ans Netz gehen für 20 Jahre von Netzengelten befreit sind. Viele Projekte wurden und werden auf Basis dieser geltenden Befreiung im EnWG aktuell entwickelt, finanziert und in die Umsetzung gebracht. Die Infragestellung des Vertrauensschutzes blockiert aktuell subventionsfreie Investitionen in den deutschen Speicherausbau in Milliardenhöhe.

Aus Expertensicht sollte die Reform deshalb klar zwischen zwei Ebenen unterscheiden: Bestandsschutz für Projekte unter der bestehenden Regelung und ein dynamisches, anreizbasiertes System für die Zeit danach. Pauschale Entgelte wären dafür ungeeignet, weil sie netzdienliches und netzbelastendes Verhalten nicht ausreichend differenzieren.

ne: Wie können Speicher dazu beitragen, Netzausbaukosten zu senken? Sehen Sie das Potenzial im Reformpaket ausreichend berücksichtigt?

Speicher können Netzausbau nicht ersetzen, aber sie können bestehende Netzkapazitäten besser nutzbar machen. Ihr Beitrag liegt vor allem in der Reduktion von Einspeise- und Lastspitzen, weniger Abregelung erneuerbarer Energien, weniger Redispatch und einer effizienteren Nutzung vorhandener Infrastruktur.

Fast alle Speicher, die heute ans Netz gehen, erhalten nur noch eingeschränkte Netzzugänge. Über Einschränkung in der erlaubten Netznutzung werden sie also bereits heute schon faktisch netzneutral gestellt.

Dieses Potenzial wird im Reformpaket bislang nicht ausreichend in konkrete Anreize übersetzt. Der Fokus liegt zu stark auf der Kostenbeteiligung von Speichern und zu wenig auf ihrem Beitrag zur Senkung von Gesamtsystemkosten, also nicht nur der Netzkosten. Wenn Speicher durch pauschale Entgelte unwirtschaftlich werden, verliert das System genau die Flexibilität, die Netzkosten aber auch Systemkosten senken kann.

Sinnvoll wäre ein dynamischer Ansatz, der Standort und Netzsituation berücksichtigt. Speicher sollten wirtschaftlich profitieren, wenn sie Engpässe entlasten, und belastet werden, wenn sie Engpässe verschärfen. Das wäre systemisch deutlich präziser als ein statisches Entgeltmodell.

ne: Was müsste insgesamt im Bereich Batteriespeicher und Flexibilitäten passieren, um den Hochlauf zu beschleunigen?

Entscheidend sind drei Punkte. Erstens muss der Vertrauensschutz für Projekte nach § 118 Abs. 6 EnWG durch die BNetzA wieder hergestellt werden. Ohne regulatorische Verlässlichkeit ist es unmöglich in Deutschland zu investieren.

Ohne regulatorische Verlässlichkeit ist es unmöglich in Deutschland zu investieren."

Zweitens braucht es für die Zeit nach 2029 ein klares, investierbares Netzentgeltsystem. Arbeitsentgelte auf gespeicherte Kilowattstunden sollten vermieden werden, weil sie die Nutzung von Flexibilität verteuern. Ein begrenzter, planbarer Kapazitätsbeitrag kann diskutiert werden, muss aber unterhalb der Schwelle bleiben, ab der Projekte nicht mehr wirtschaftlich sind. Dynamische Netzentgelte erscheinen am sinnvollsten, da die Speichern Preissignale für einen netzoptimierten Einsatz geben.

Drittens müssen Netzanschlüsse und Flexibilitätsmärkte investierbar ausgestaltet werden. Flexible Netzanschlussvereinbarungen können helfen, dürfen aber nicht zusammen mit zusätzlichen Entgelten den Business Case zerstören. Gleichzeitig braucht es  Märkte für Systemdienstleistungen wie Momentanreserve, Frequenzhaltung und weitere netzbildende Funktionen.

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Kommentare (1)

Ohne ein Konzept für Langzeit- bzw. saisonale Energiespeicherung bleiben EE langfristig auf staatliche Zuschüsse oder Umlagen angewiesen.
Solche saisonale Energiespeicher müssen gleichzeitig netzdienlich beladen werden können.
Dafür nur auf Wasserstoff zu setzen ist zu wenig.
Alternativen JETZT fördern!
z.B. Power to Heat Ansätze.

27.05.2026 - 07:23 | Rolf Beck

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