ENERGIEDIALOG 2026 - Der energiepolitische Jahresauftakt am 20.01.2026
Blick auf 2026

„Ankündigungspolitik können wir uns als Industrieland in der Rezession nicht leisten“

Die Erneuerbaren-Branche ist bereit für die nächsten Entwicklungsschritte. Stephan Frense, CEO von Arge Netz, erklärt, warum 2026 zum entscheidenden Jahr für Flexibilitäten, Speicher und Wasserstoff werden könnte.
Interview: Christiane Nönnig
08.01.2026 | 2 Min.
Erschienen in: Ausgabe 12/2025
Aus der Branche für die Branche: Stephan Frense, CEO Arge Netz, blickt auf das energiepolitische Jahr 2026.
Aus der Branche für die Branche: Stephan Frense, CEO Arge Netz, blickt auf das energiepolitische Jahr 2026.
Foto: Storyfischer

neue energie: Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Energiepolitik?

Stephan Frense: Es ist ein wichtiges Signal, dass die Bundesregierung sich zu den Klimazielen und auch den Ausbaumengen für Erneuerbare Energien bekennt. Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Politik die zentrale Bedeutung von Flexibilität erkannt hat und Hemmnisse für Speicher und Elektrolyseure abbaut. Es gilt jetzt, die vielen Gigawatt in der Projektpipeline mit einem planbaren Rahmen auch in die Umsetzung zu bringen. Ankündigungspolitik und mögliche Brüche im Marktdesign können wir uns als Industrieland in der Rezession nicht leisten. Wir unterstützen ausdrücklich die geplante Reform der Netzentgelte. Ziel muss es sein, den Netzausbau digitaler, transparenter und kosteneffizienter zu gestalten. Mit smarten Baukostenzuschüssen und dynamisierten Netzentgelten können die Anreize zur Nutzung des Stroms und die Lasten im dezentralen Energiesystem besser verteilt werden.

ne: Was erwarten Sie für das energiepolitische Jahr 2026?

Frense: In den letzten Jahren wurden viele Hemmnisse für die Erneuerbaren aus dem Weg geräumt und Prozesse beschleunigt. Im kommenden Jahr wird entscheidend sein, dass wir die „Ernte auch einfahren können“, also die Projektpipeline für Flexibilitäten und Erneuerbare umgesetzt wird und konsequent hoch bleibt. Damit leisten die Erneuerbaren ihren Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit unseres Landes in unsicheren Zeiten. Wir fordern zudem eine Beschleunigung beim Ausbau der Verteilnetze, damit Erneuerbare-Anlagen effizient angeschlossen werden können. Es darf nicht sein, dass Erneuerbare und Flexibilitäten endlich Fahrt aufnehmen und dann an die noch immer unzureichende Geschwindigkeit beim Netzausbau angepasst werden. Wichtig ist dabei auch der Ausbau von Speichern (Batterien, Elektrolyseure), da diese zentral sind, um die volatile Erzeugung durch Wind und PV zu integrieren. Wir sehen in der Wasserstoffstrategie einen zentralen Hebel: Elektrolyseure müssen schnell hochgefahren werden – dafür müssen regulatorische Hemmnisse abgebaut werden.

ne: Und welchen Wunschzettel haben Sie für die politische Weichenstellung, um den Ausbau der Erneuerbaren weiter voranzutreiben?

Frense: Wir fordern einen Systemansatz, der parteiübergreifend über Legislaturen hinaus Bestand hat und so unseren Wirtschaftsstandort nachhaltig stärkt. Wir wünschen uns, dass 2026 diese Regelungen nicht nur beschlossen, sondern auch aktiv umgesetzt werden, um das Zusammenspiel von Erzeugung, Netz, Verbrauch und Speichern auf lokaler Ebene zu stärken. Und wir hoffen, dass die Themen dezentrale Resilienz sowie regionale Wertschöpfung und Akzeptanz durch die Stärkung der Bürgerenergie, des Energy Sharings und der Direktbelieferung zu politischen Prämissen werden.

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