Weiterbetrieb nach 20 Jahren

Perspektive für alte Windräder gesucht

Tim Altegör, 01.03.17
Ende 2020 fallen erstmals Windkraftanlagen aus der EEG-Vergütung. Laut einer Studie stehen dann tausende von ihnen ohne funktionierendes Geschäftsmodell da, obwohl sie noch günstig Strom erzeugen. Abhilfe verschaffen könnte ein Kohleausstieg.

20 Jahre lang werden Anlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit einer festen Vergütung gefördert. Das Gesetz trat im Jahr 2000 in Kraft, in wenigen Jahren ist es also soweit: Die ersten Anlagen erreichen das Ende der Förderung. Weil damals für alle Anlagen, die noch älter sind, 2000 als fiktives Startjahr festgelegt wurde, betrifft das sogar eine ganze Menge: etwa 6000 Anlagen mit einer Leistung von zusammen circa 4,5 Gigawatt, schätzt das Beratungsunternehmen Deutsche Windguard in einer aktuellen Studie für den Ökostromanbieter Naturstrom. Am stärksten betroffen ist demnach Niedersachsen mit fast einem Drittel der Fälle. In den Folgejahren bis 2026 könnten es jährlich immerhin noch 2,5 Gigawatt sein, die aus dem EEG fallen.

„Gehen die Altanlagen massenweise vom Netz, wird die Energiewende um Jahre zurückgeworfen“, warnt deshalb Oliver Hummel, Vorstand bei Naturstrom. Das Problem: Theoretisch dürfen die Windkraftanlagen weiter betrieben werden, sie müssen sich allerdings irgendwie finanzieren. Der Preis an der Strombörse ist dafür jedoch laut der Windguard-Studie zu niedrig. Je nach Betriebskosten, die mangels Daten für drei Varianten geschätzt wurden, müssten die Anlagen 2,65 bis fünf Cent je Kilowattstunde erzeugten Stroms erwirtschaften. Im mittleren „Basisfall“ sind es etwa 3,5 bis vier Cent. Der Durchschnittspreis am Spotmarkt der Energiebörse EEX lag 2016 bei knapp 2,9 Cent. „Wenn sich an diesem Preisniveau nichts ändert, wird nur für sehr wenige Anlagenbetreiber ein Weiterbetrieb Sinn machen“, sagt Hummel.

Die nächste Bundesregierung soll handeln

In Einzelfällen seien zwar Kostensenkungen denkbar, so die Studienautoren. Auch sie kommen jedoch zu dem Schluss, „dass zu den aktuellen Marktkonditionen für die Mehrzahl von Alt-Windenergieanlagen kein rentabler Weiterbetrieb nach 2020 möglich ist“. Die Alternative, ein Repowering mit neuen Anlagen am gleichen Standort durchzuführen, sei auch nicht immer möglich, beispielsweise weil in der Zwischenzeit neue Flächenplanungen erlassen wurden.

Damit die alten Windräder in einigen Jahren nicht einfach abgeschaltet werden, fordern Naturstrom und der Umweltverband Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine Maßnahme, die zugleich die deutsche CO2-Bilanz verbessern würde: den Abbau fossiler Kraftwerksleistung. Die ist mitverantwortlich dafür, dass die Preise an der Börse dauerhaft im Keller sind – es ist schlicht sehr viel Strom im Angebot, weil trotz Erneuerbaren-Ausbau die Kohlemeiler bislang weiter laufen.

„Funktionsfähige und kostengünstige Stromerzeugungsanlagen aus regenerativen Quellen dürfen nicht ohne Not abgeschaltet werden, solange die Klimaziele noch in weiter Ferne liegen“, sagt DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Die nächste Bundesregierung müsse den Kohleausstieg beschleunigen – zumal die betroffenen Windkraftbetreiber wohl nicht erst am Abend vorher entscheiden, ob sie ihre Anlagen noch ein paar Jahre weiterlaufen lassen.

 

Kommentare (1)

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  • 13.07.17 - 07:46, Miniwind

    Vielleicht oder wahrscheinlich habe ich keine Ahnung-aber
    Wie lange haben die alten Windräder Geld erwirtschaftet?
    Hat es keine Abschreibungen,steuerliche Vergünstigungen gegeben ?
    All die Jahre nur minus gemacht und keine Rückstellungen?
    Mir kommen echt die Tränen - auch wenn ich die Spargelwälder in Mecklenburg sehe
    Windrad an Windrad
    Baut die alten Dinger ab und in Entwicklungsländern kostenlos wieder auf oder verschenkt
    Sie an die Gemeinde

    Aber hört auf zu heulen

    Ein Besitzer einen Kleinwindrades Black 600

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