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Halbjahresbilanz

Genehmigungen legen leicht zu

Margit Hildebrandt, 08.07.21
Im ersten Halbjahr 2021 wurden wieder mehr Genehmigungen für Windenergieanlagen in Deutschland erteilt.

Nach Erhebungen der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) hat die Zahl der behördlichen Genehmigungen für neue Windparks in den ersten sechs Monaten 2021 leicht zugelegt. Demnach wurden von Januar bis Juni bundesweit 315 Windenergieanlagen (WEA) genehmigt. Es ist die höchste Zahl an neu erteilten Bewilligungen in einem ersten Halbjahr seit 2016. Damals wurde mit 715 genehmigten Anlagen ein Rekord aufgestellt.

Im Vorjahresvergleich schneidet 2021 auch bei der genehmigten Leistung etwas besser ab, bislang wurde Anlagen mit insgesamt 1466 Megawatt (MW) eine Bauzusage gewährt. 2020 waren es 292 Anlagen mit 1196 MW Leistung. Eine Rolle spielt dabei die kontinuierlich steigende Leistungsfähigkeit der Generatoren: Betrug sie 2016 im Mittel noch drei MW, liegt sie laut Statistik der FA Wind derzeit bereits bei 4,65 MW, bei deutlich steigenden Anteilen von Anlagen mit fünf MW und mehr.

Die Auswertung von Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur zeigt, dass weiterhin eklatante Unterschiede zwischen den Bundesländern bestehen. In den drei Stadtstaaten wurde bis Mitte des Jahres kein einziges Windrad genehmigt, im Saarland lediglich eins. Auch in Baden-Württemberg (sechs) und Bayern (vier) bleiben die Genehmigungszahlen wie in den letzten Jahren sehr niedrig, zusammengenommen wurden in den beiden südlichsten Ländern seit Januar nur 36 MW genehmigt.

Vor allem der Mangel an Flächen limitiere laut FA Wind-Experte Jürgen Quentin den Fortschritt bei den Genehmigungen: „Ohne mehr Flächenausweisung, lassen sich auch nicht mehr Genehmigungsanträge stellen.“ In Brandenburg (34 WEA) ging die Zahl der Genehmigungen im Vergleich zu 2020 um etwa 25 Prozent zurück, in Rheinland-Pfalz (fünf WEA) gar um etwa 65 Prozent.

Einzig Schleswig-Holstein (92 WEA) und Niedersachsen (64 WEA) liegen nach der bundesweiten Flaute der letzten Jahre mittlerweile wieder auf einem vergleichsweise hohen Niveau. In den beiden Bundesländern wurden zusammen 728 MW bewilligt. Sollte sich der Trend bis Ende Dezember fortsetzen oder sich wie in früheren Jahren im zweiten Halbjahr noch steigern, erwartet Quentin unterm Strich Genehmigungen mit einem Volumen von 3000 bis 3700 MW.

„Die aktuelle Entwicklung ist erfreulich, aber bei weitem nicht ausreichend für das, was die Energiewende und der Klimaschutz erfordern“, so Quentin. Eine Studie des Thinktanks Agora Energiewende prognostiziert für das Jahr 2030 einen Bedarf an installierter Leistung von 80 Gigawatt Windenergie an Land. „Um dieses erreichen zu können, bräuchten wir Genehmigungen in einer Größenordnung von 6000 MW pro Jahr, um jährlich wenigstens 5000 MW Nettozubau gewährleisten zu können“, rechnet Quentin vor.

Eine leichte Verbesserung zeigt sich auch beim Zubau. Bundesverband WindEnergie (BWE) und VDMA Power Systems gaben Ende Juli bekannt, dass im ersten Halbjahr 240 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 971 MW in Deutschland installiert worden waren. Das ist zwar ein Wachstum von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allerdings wurden auch 135 Anlagen abgebaut, wodurch sich der Nettozubau auf 105 Anlagen mit 831 MW verringert.

„Das erneute Marktwachstum reicht nicht aus, um die Zielvorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2021 von knapp 4000 MW pro Jahr zu erfüllen“, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. Die beiden Verbände prognostizieren eine Bandbreite von 2200 bis 2400 MW brutto für das gesamte Jahr, vorausgesetzt Lieferketten und weitere Errichtungen bleiben störungsfrei.

Derweil hat die FA Wind auch eine Onlinekarte veröffentlicht, in der die Lagebeziehung zwischen Drehfunkfeuern und genehmigten Windenergieanlagen dargestellt wird. Sie soll zeigen, wie und wo sich die Anwendung einer im Rahmen des Forschungsprojekts „WERAN plus“ neu entwickelten Berechnungsformel auf die Genehmigungssituation auswirkt. Das modifizierte Bewertungsverfahren zur Bestimmung des Störpotenzials von Windrädern auf ihre Funk-Navigationseinrichtungen setzt die Deutsche Flugsicherung seit Juni 2020 ein.

Durch die neue Methode sollen mehr Windenergieanlagen nach den strengen Kriterien der Flugsicherung zulässig sein. Auf Anfrage teilte die DFS mit, dass seit der Nutzung der neuen Prüfmethode 217 Windrädern im Schutzbereich durch das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung grünes Licht erteilt wurde. Die neue FA-Wind-Karte zeigt allerdings, dass in den letzten zwölf Monaten nur 14 Anlagen innerhalb dieser Prüfkreise eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung erhalten haben. „Die Anwendung der neuen Prüfmethode schlägt sich noch nicht spürbar in den Genehmigungszahlen nieder“, so Quentin. Das könne auch daran liegen, dass sich die Zulassungsverfahren aufgrund anderer Konflikte wie etwa dem Artenschutz verzögerten.

Aktualisiert am 03. August 2021.

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