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Erneuerbare Energien

Zwei Wege zum Ziel

Tim Altegör, 16.10.18
Eine Studie kommt zu dem Schluss: An fehlenden Flächen wird die Energiewende nicht scheitern. Die Autoren plädieren jedoch dafür, diesen Faktor stärker zu beachten – denn im Detail gibt es verschiedene Ausbaupfade für Solar- und Windenergie.

In Deutschland gibt es genügend Flächen, um eine vollständige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien zu erreichen. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Forschungsinstitute, die sich im Auftrag der Umweltorganisation WWF mit der Frage auseinandergesetzt haben. Ihre Studie untersucht zwei verschiedene Szenarien, die demnach beide zum Erfolg führen würden: Variante eins setzt vor allem auf den Ausbau von Windenergie an Land – dies sei das gängige Szenario. Variante zwei soll das Potenzial von Solaranlagen auf Dächern ausreizen, wobei ein großer Teil dieses Stroms für den Eigenverbrauch erzeugt würde. Zum Vergleich: 2050 wären im ersten Szenario 154 Gigawatt Photovoltaik-Leistung nötig (Onshore-Wind: 178), im zweiten dagegen 313 Gigawatt (Onshore-Wind: 115).

Was die Gesamtkosten angeht, bestehe kein großer Unterschied zwischen beiden Wegen, so die Autoren. Sie haben zwar unter Einbezug von Netzausbau und Speicherbedarf etwas geringere Kosten beim Standard-Szenario errechnet, der Unterschied liege jedoch über den gesamten Zeitraum nur bei einem bis 1,5 Prozent (maximal rund eine Milliarde Euro). Einen Nachteil des Solar-Fokus sehen sie eher in der Ungewissheit, ob Hausbesitzer wirklich wie gewünscht in PV-Anlagen investieren.


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Ein Vorteil dieser Variante könnte dagegen beim zentralen Thema der Studie liegen, dem Flächenbedarf. So wären beim Windkraft-Schwerpunkt den Berechnungen zufolge nach 2045 wohl Flächen nötig, die „weichen Restriktionen“ unterliegen, also nicht uneingeschränkt geeignet sind – etwa aus Naturschutzgründen. Diesen Aspekt vertieft eine Begleitstudie zu den regionalen Auswirkungen des Windkraftausbaus auf Vögel. Sie blickt auf sechs ausgewählte Landkreise in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Sachsen, in denen ein starker Ausbau anzunehmen ist und zugleich die drei Vogelarten Rotmilan, Kiebitz und Mäusebussard häufig vorkommen.

Ruf nach schnellerem Ausbau

Die Auswertung, inwiefern beides in Konflikt geraten könnte, fällt dabei sehr unterschiedlich aus. In zwei von sechs Landkreisen sei die Nutzung der Windkraft-Potenziale möglich, ohne auf Flächen mit erhöhtem Konfliktrisiko zurückzugreifen. In dreien seien auch Flächen mit mittlerem Risiko nötig, in einem Landkreis (Havelland) sogar auf solchen mit hohem Risiko. Die höchste Risikokategorie sei jedoch nirgendwo betroffen. Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass es sich nur um Beispiele handelt, die nicht unbedingt übertragbar sind.

Die Hauptstudie plädiert dafür, topografische Faktoren und Beschränkungen bei der Energiewende-Planung allgemein stärker zu berücksichtigen, bemängelt allerdings, dass die Datenlage „stark verbesserungswürdig“ sei.

Im Gesamtfazit legt sich der WWF nicht auf einen der beiden skizzierten Wege fest. Er geht davon aus, dass die nötige Windkraftleistung „grundsätzlich naturverträglich, wenngleich nicht überall vollkommen konfliktfrei“ erreichbar sei. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie müsse jetzt in jedem Fall deutlich beschleunigt werden. Bei der aktuellen Studie handelt es sich um den zweiten Teil eines Ausblicks in die Jahre nach 2035. Der erste Teil behandelte den Kohleausstieg.

 

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