Energieverbrauch

Reparieren lohnt sich doch

Foto: Andriy Popov/PantherMedia/picture alliance

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Ein Monteur repariert einen Kühlschrank.

Joachim Wille, 12.11.18
Die alte Waschmaschine oder den betagten Kühlschrank ausrangieren, um mit einem neuen Gerät Strom zu sparen? Was früher sinnvoll war, ist es heute (meistens) nicht mehr, zeigt eine Untersuchung des Öko-Instituts.

Repair-Cafés boomen. Bundesweit gibt es inzwischen über 600 dieser Initiativen, bei denen man kleinere defekte Haushalts- und Elektronikgeräte wie Toaster oder Radio von versierten Handwerkern reparieren lassen kann, meist nur gegen Erstattung der Ersatzteil-Kosten und eine Spende. Viele Bürger ärgern sich darüber, dass die Geräte oft schnell ihren Geist aufgeben und es im Geschäft oder beim Hersteller häufig heißt: „Reparatur lohnt sich nicht. Kaufen Sie doch ein neues Gerät.“ Tatsächlich lässt sich die Lebensdauer vieler dieser Produkte per Repair-Café dann doch deutlich verlängern – und der Energie- und Ressourcenverbrauch senken, weil keine zusätzliche Neuware produziert werden muss.

Bei größeren Haushaltsgeräten wie Kühlschrank oder Waschmaschine galt das früher nicht unbedingt. Das Postulat des Energiesparens lautete hier oft: „Kaufen Sie ein neues energiesparenderes Gerät, wenn das alte kaputt ist und schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.“ Tatsächlich war das bei Neugeräten, bei denen sich die Energieeffizienz binnen weniger Jahre schnell verbesserte, durchaus sinnvoll. Stromverbrauch und damit auch Umweltbelastung konnten so deutlich gesenkt werden. Inzwischen ist das anders, zeigt eine Untersuchung des Öko-Instituts in Freiburg. Lange Nutzung und Reparieren machen demnach heute in vielen Fällen Sinn.

Die Energieeffizienz vieler Neugeräte hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Der Hauptgrund dafür sind vor allem die EU-Richtlinie zum „Ökodesign“ der Produkte, die den zulässigen Energieverbrauch senkte, und jene zur Energielabel-Kennzeichnung, die sparsame Geräte leichter erkennbar macht. Zukünftig sind laut Einschätzung des Öko-Instituts dagegen keine großen Energieeffizienzsteigerungen zu erwarten.

Beim Kühlschrank kommt es drauf an

Die Freiburger Experten raten daher: „Wer bereits heute ein energieeffizientes Gerät besitzt, sollte es so lang wie möglich nutzen, um die Umwelt zu entlasten.“ Und: Aus ökologischer Sicht lohne es mit wenigen Ausnahmen immer, defekte Haushaltsgeräte reparieren zu lassen. Ob das auch fürs Portemonnaie stimmt, hängt vom konkreten Gerät, der Höhe der Reparaturkosten und seinem Alter ab.

Um die Verbraucher bei dieser Entscheidung zu unterstützen, hat das Institut konkrete Empfehlungen für Waschmaschinen, Kühl- und Gefriergeräte, Spülmaschinen, Wäschetrockner und Staubsauger zusammengestellt (siehe Grafik). Effiziente Waschmaschinen und Wärmepumpenwäschetrockner sollten danach in jedem Fall möglichst lang genutzt werden. Bei Kühlschränken hingegen kommt es auf die Energieeffizienz-Klassen des alten und des neuen Modells an. So lohnt sich bei Geräten, die bis 2000 gekauft wurden oder Energieeffizienzklasse B oder schlechter aufweisen, sogar ein vorzeitiger Ersatz, wenn sie durch ein neues Gerät mit mindestens  Energieeffizienzklasse A++ ersetzt werden.

Grafik: Öko-Institut, CC BY-SA 2.0

Die Öko-Experten fordern von der Politik, dass sie bessere Rahmenbedingungen für Reparaturen schaffen, Mindestanforderungen an Haltbarkeit und Qualität von Produkten formulieren sowie Gewährleistung und Garantien verbessern muss. Aber auch der bewusste Kunde ist gefragt. Bei einem Neukauf sollten Verbraucher stets qualitativ hochwertige Produkte bevorzugen. Die Geräte halten meist länger, zudem kommen sie den Nutzer unter dem Strich billiger. Und die Umwelt profitiert auch.

 

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