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Digitalisierung

Die energiehungrige Kryptowährung

Margit Hildebrandt, 09.04.21
Der Wert von Bitcoin steigt immer weiter – ebenso wie ihr Stromverbrauch. Einer Studie zufolge könnte der Boom in China in naher Zukunft so viel CO2 erzeugen wie ganz Tschechien.

Gefährden Bitcoin Chinas Klimaziele? Davor warnen zumindest Forschende rund um Shouyang Wang von der nationalen Wissenschaftsakademie in Beijing in einer aktuellen Studie, die im Fachmagazin Nature Communications erschienen ist. Demnach würden 2024 in Chinas Bitcoin-Minen ohne politische Eingriffe knapp 300 Terawattstunden Energie benötigt und über 130 Millionen Tonnen CO2 erzeugt. Das entspreche rund 5,4 Prozent der Emissionen aus der chinesischen Stromerzeugung und sei mehr als die jährliche Gesamtmenge ganzer Länder wie Italien oder Tschechien.

Laut Staatschef Xi Jinping will China vor dem Jahr 2060 CO2-neutral werden. Ohne strengere Vorschriften könnten Bitcoins das Vorhaben jedoch untergraben, so die Studienautoren. Sie empfehlen daher, das chinesische Stromnetz zu modernisieren und fit für grüne Kraftwerke zu machen. Um die CO2-Emissionen zu begrenzen seien zudem Regulierungen nötig mit denen Miner dazu gebracht werden, ihre Rechnerstandorte mit Ökostrom zu versorgen.

Zwar nutzen Bitcoin-Schürfer neben Kohlestrom auch schon zu fast einem Drittel Ökostrom. Wenn allerdings – wie derzeit der Fall – der dafür anfallende Stromverbrauch immer weiter steigt, bräuchte es für eine bessere Klimabilanz entweder sehr viel mehr Ökostrom, oder dieser fehlt an anderer Stelle, wo dann wieder ein Kohlekraftwerk angeschmissen wird.

Mining vor allem in China

Die virtuelle Währung entsteht durch „Schürfen“ („mining“). Die Computer der Schürfer lösen dafür komplexe Rechenaufgaben in einer sogenannten Blockchain. Mittlerweile werden sie in großen Rechenzentren („Farmen“) erzeugt, das Netzwerk umfasst mehrere Millionen Maschinen. Fast 80 Prozent der weltweiten Operationen werden derzeit, begünstigt durch niedrige Energiepreise und günstige Hardware, in China abgewickelt.

Dass die Erzeugung von Bitcoin viel Energie verbraucht, bestätigen Studien seit der ersten Transaktion 2009 regelmäßig, wie zuletzt im Februar die Universität Cambridge. Ihr Bitcoin Electricity Consumption Index zeigt, dass mit dem Kurs der Kryptowährung auch ihr Energieverbrauch seit Jahren durchschnittlich nur eine Richtung kennt – nach oben. Aktuell soll er global fast 140 Terawattstunden jährlich betragen, Stand 09. April 2021. Wäre das Bitcoin-System ein Staat, läge es in den Top 30 mit dem größten Stromverbrauch.

2018 warnten Forschende der Universität Hawaii in der Fachzeitschrift Nature, dass Bitcoin eine „stromhungrige Kryptowährung“ sei und innerhalb von weniger als drei Jahrzehnten allein genug CO2-Emissionen erzeugen könnte, um die Erderwärmung über zwei Grad Celsius hochzutreiben.

Kurs steigt, Stromverbrauch auch

Aufgrund ihrer Anonymität und Unabhängigkeit von Banken oder Politik werden Bitcoin wahrscheinlich auch in Zukunft immer mehr als Investment und Zahlungssystem genutzt. Anfang Februar kündigte etwa Tesla-Chef Elon Musk an, 1,5 Milliarden Dollar in die Währung zu investieren, was die Dynamik weiter befeuerte. Wenn der Kurs steigt, dann auch der Energieverbrauch, da immer mehr Menschen teilhaben wollen. Der Wert eines Bitcoins ist in diesem Frühjahr in die Höhe geschossen und liegt aktuell bei über 49.700 Euro. Zwar ist die Anzahl von ihren Erfindern 2009 auf 21 Millionen begrenzt worden, aber je näher diese Zahl rückt – derzeit gibt es bereits etwa 18 Millionen –, desto schwerer und damit rechenintensiver werden die zu lösenden Algorithmen.

Bitcoin-Fans weisen darauf hin, dass letztlich das Banken- und Finanzsystem ebenfalls riesige Mengen Strom für Server, Filialen und Geldautomaten verbraucht. Es gibt auch Bemühungen, Kryptowährungen energieeffizienter zu gestalten, und „grüne Alternativen“ zu Bitcoin. So soll etwa die Nummer zwei am Kryptomarkt, Ethereum, nur halb so viel Strom verbrauchen und verspricht langfristig die Algorithmen der Blockchain umzustellen, um den Energieverbrauch um bis zu 99 Prozent zu reduzieren.

 

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version des Artikels wurde die Bitcoin-Investitionssumme von Tesla mit 150 Milliarden Dollar angegeben. Wir haben das korrigiert: Die richtige Zahl ist 1,5 Milliarden.

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