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Straßenverkehr der Zukunft

Wissenschaftler kritisieren E-Mobilitätskonzept

Clemens Weiß – energiezukunft.eu, 12.01.15
Das Konzept der Bundesregierung zur Elektromobilität sei grundfalsch – zu diesem Ergebnis kommt das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Das Festhalten am Autoverkehr löse keines der verkehrsbedingten Umweltprobleme, neue Mobilitätskonzepte seien nötig.

Forscher des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie geben dem Elektromobilitätskonzept der Bundesregierung schlechte Noten. Angesichts der vielen Umweltprobleme durch den Straßenverkehr sollten für die Zukunft andere Mobilitätskonzepte im Vordergrund stehen, so die Wissenschaftler. Die Bundesregierung will bis 2020 als Beitrag zum Klimaschutz eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen bringen. Bisher sind hierzulande jedoch nur gut 12000 rein elektrisch betriebene Autos unterwegs.

Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts, äußerte sich Anfang Januar im Deutschlandfunk äußerst kritisch zum Elektromobilitätskonzept. Wenn Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor gegen Elektroautos ausgetauscht würden, löse das keines der durch den Verkehr verursachten Probleme. Der Automobil-Anteil müsse erheblich zurückgefahren werden. „Wir brauchen ein Hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln, zu stärkerem Rad- und Fußverkehr in den Städten. Das heißt, das Auto muss in den Mobilitätskonzepten der Zukunft eine sehr viel geringere Rolle spielen als das heute der Fall ist“, so Schneidewind.

Elektro- und Hybridautos nach gesamter Ökobilanz beurteilen

Nachhaltige Mobilitätskonzepte müssten in den Vordergrund rücken, wie Verkehr vermieden und verlagert werden kann. Welche Antriebstechnologien für die verbliebenen Autos sinnvoll sind, sei eine nachgeordnete Frage. Elektro- oder Hybridautos seien auch nicht per se umweltfreundlicher als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, so Schneidewind. Eine vergleichende Analyse der verschiedenen Antriebstechnologien durch das Wuppertal Institut zeigt: Bei normalen PKW ist die Nutzungsphase, in der fossiler Treibstoff getankt wird, ausschlaggebend für die Ökobilanz. Bei Elektroautos hingegen sind die Belastungen für Klima und Ressourcen in der Herstellungsphase deutlich größer. Denn für die großen Batterien der Fahrzeuge werden sehr viele und seltene Rohstoffe benötigt. Die Umweltbelastungen in der Nutzungsphase fallen bei E-Autos kaum noch ins Gewicht, solange der Strom aus erneuerbaren Energien stammt.

Besonders kritisch sehen die Wissenschaftler den Hybridantrieb, der als Übergangstechnologie gilt, bis Elektroautos größere Reichweiten abdecken können. „Gerade ein Hybridauto, das beides hat, einen normalen und einen Elektromotor, ist äußerst ressourcenintensiv. Wenn dann am Ende der Strom noch eine ganze Zeit gar nicht aus regenerativen Quellen kommt, dann kann die Ökobilanz endgültig desaströs werden“, fasst Schneidewind die Bedenken zusammen.

Staat setzt falsche Anreize

Die Bundesregierung wies die Kritik in einer Stellungnahme zurück. Das Bedürfnis, auch in Zukunft mobil zu sein und sich jederzeit an einen Ort zu begeben, sei nach wie vor vorhanden. Nur ein Fünftel der Menschen in Deutschland nutze derzeit den öffentlichen Nahverkehr, denn besonders in ländlichen Gebieten könnten Busse und Bahnen nicht so oft fahren wie gewünscht. Zudem produzierten Elektroautos beim Fahren keine Abgase und machten kaum Lärm.

Die Forscher des Wuppertal Instituts halten dagegen, ihren Ergebnissen zufolge seien besonders junge Menschen in den Städten offener für neue Mobilitätskonzepte. Es müssten Anreize dafür geschaffen werden, dass junge Leute sich erst gar kein Auto anschafften. Steuerliche Vergünstigungen wie Dienstwagenregelung oder Pendlerpauschale seien dagegen völlig falsche Signale.

Clemens Weiß – energiezukunft.eu

Kommentare (1)

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  • 06.02.15 - 16:51, GünterB

    Das sollte ja eigentlich selbstverständlich sein, das Elektroautos 'Ökostrom' laden und später möglichst nahe zu 100% recycelt werden.
    Natürlich ist es Unsinn, wenn in herkömmliche Autos einfach nur der Verbrennungsmotor gegen E-Motor ausgetauscht wird, wie z.B. beim E-Golf. Die Autos sind viel zu groß und zu schwer.
    Wie es gehen kann, hier im Bereich Kleinstwagen, zeigte eine Studie der TU München.
    450 kg leicht + 85 kg der Akku, 160 km Reichweite, 120 km/h schnell. Bei einer Stückzahl von 100.000 p.a. rechnet man mit 16.000 € pro Auto. http://visiom-automobile.de
    Im Bereich Verbrauch liegen gegenüber PKWs mit Verbrennungsmotor Welten.
    Der Verkehr ist, neben der Stromerzeugung, der Bereich mit den größten Verlusten. Von 2.572 PJ Endenergie bleiben gerade mal 513 PJ Nutzenergie übrig, wie auf dieser Grafik zu sehen ist: http://bit.ly/14PMWEi (hinzu kommen die Verluste von Erdöl-Suche, -Förderung, -Transport, Raffinerieverluste)
    80 % Energie gehen im PKW durch den Motorkühler, Auspuff usw. verloren.
    Die 2.000 PJ Verluste im Verkehrsbereich sind mehr, als in Deutschland für den Heizbereich benötigt werden (ca. 40% der Nutzenergie).
    Vertretbar ist der Verbrennungsmotor höchstens als BHKW im Keller, wenn auch die 'Abwärme' genutzt werden kann.
    Der Elektroantrieb ist dem Verbrenner haushoch überlegen.
    Zitat bmub.bund.de: >>Selbst 40 Millionen Fahrzeuge kämen mit 10 Prozent des deutschen Stromverbrauchs aus.<< http://bit.ly/KLMYBH

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