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Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie

„Wir brauchen eine echte Verkehrswende“

Jürgen Heup, 03.07.13
… sagt Stephan Kühn von Bündnis 90/Die Grünen: Weg vom privaten Auto, dafür den öffentlichen und den Fahrradverkehr besser finanzieren. Als Mitglied im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung kritisiert er das Konzept der Bundesregierung und bezeichnet es als Etikettenschwindel.

neue energie: Warum ist die von der Bundesregierung vorgelegte Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie ihrer Meinung nach reiner Etikettenschwindel?

Stephan Kühn: Sie hat erst gar nicht den Versuch unternommen, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Gleich zu Beginn der Studie wird festgestellt, dass die „Kraftstoffstrategie perspektivisch in eine ganzheitliche, übergeordnete Mobilitätsstrategie integriert werden sollte.“ Wenn die Energiewende im Verkehrssektor gelingen soll und die Treibhausgasemissionen des Verkehrssektors endlich sinken sollen, dann brauchen wir eine echte Verkehrswende.

neue energie: Sie sagen, dass es falsch ist, auf neue Antriebe und alternative Kraftstoffe zu bauen. Warum?

Kühn: Weil das nur ein Teil der Strategie sein kann. Denn Fortschritte beim Spritverbrauch wird durch den Trend zu immer leistungsstärkeren Autos wieder aufgezehrt. Und natürlich kommt es bei E-Fahrzeugen auf den Energiemix an. Mit dem jetzigen Mix besteht kein Vorteil bei CO2-Emissionen gegenüber besonders sparsamen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

neue energie: Wie sieht denn ihrer Meinung nach ein zukunftsfähiges Mobilitätskonzept aus?

Kühn: Die Zukunft liegt in der Vernetzung der jeweiligen Verkehrsmittel, sodass aus Car-Sharing, Leihfahrrädern und öffentlichen Verkehrsmitteln Angebote mit intermodalen Mobilitätsketten entstehen. Gerade hier stellen wir in den letzten Jahren positive Trends fest: Junge Menschen sind zunehmend intermodal unterwegs, gleichzeitig nimmt die Bedeutung des eigenen Pkw ab, die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr steigen, die Nutzung des Fahrrads erfreut sich wachsender Beliebtheit und generell erleben wir eine Renaissance der Städte. Das sind Entwicklungen, die sich viele Verkehrspolitiker jahrzehntelang gewünscht haben. Verkehrspolitik muss diese Trends verstärken, zum Beispiel durch eine gesicherte Finanzierung für den öffentlichen Verkehr und Förderung des Fahrradverkehrs.

Kommentare (1)

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  • 21.04.15 - 22:31, Carrie Hampel

    Kühn is right AND future infrastructure needs to include a new network of fuel-cell public transport for transporting larger family, cargo and e-bikes if we are really going to move away from private car use.

    this becomes interesting when mixed with:
    http://forschung-energiespeicher.info/en/news/aktuelles-einzelansicht/2/Windstrom_als_Wasserstoff_speichern/

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