Internationaler Klimaschutz

Schifffahrtslobby will CO2-Ausstoß senken

Isaac Bah, 24.05.17
Beim Thema Treibhausgasemissionen gelten für Schiffe nur lasche Regeln. Weder auf europäischer noch auf globaler Ebene gibt es ein System, das die Höhe ihrer Emissionen steuert. Nun drängt die Internationale Handelsschifffahrtsorganisation ICS selbst auf eine Verminderung ihres CO2-Fußbadrucks.

Die Jahreshauptversammlung der Internationalen Handelsschifffahrtsorganisation (ICS), die Mitte Mai in Istanbul stattfand, endete mit einer Überraschung. Die ICS-Mitglieder verfassten einen Appell an die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Darin rufen sie die IMO auf, für den gesamten Sektor „dramatische CO2-Reduktionsziele“ zu verabschieden. Unterschiedlichen Schätzungen zufolge entfallen auf die internationale Schifffahrt aktuell zwischen zwei und drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen.

Seit 2009 hat sich ihr CO2-Ausstoß verdoppelt, je nach Entwicklung des Welthandels könnte er im Jahr 2050 um bis zu 250 Prozent höher liegen als heute. Laut Angaben des Umweltbundesamts betrugen die weltweiten CO2-Emissionen im Schiffsverkehr im Jahr 2012 rund 940 Millionen Tonnen. Zum Vergleich: Deutschlands Emissionen in diesem Zeitraum lagen bei 926 Millionen Tonnen CO2.  

Forderung nach verbindlichen CO2-Zielen

Angesichts der Entwicklung hat die ICS drei Kernforderungen formuliert, die darauf abzielen, dass auch der Schifffahrtssektor seinen Beitrag zur Umsetzung der Beschlüsse des Pariser Klimaabkommens beiträgt. Zum einen schlägt die Lobbyorganisation vor, dass die globalen Emissionen im Sektor dauerhaft unter dem Niveau von 2008 bleiben sollen. Das entspräche einem jährlichen CO2-Ausstoß von 921 Millionen Tonnen. Zum anderen soll für  die gesamte internationale Schifffahrt ein verbindliches, prozentuales Reduktionsziel für das Jahr 2050 im Vergleich zu 2008 verankert werden. Als dritte Maßnahme fordert die ICS ein verbindliches Emissionsminderungsziel von 50 Prozent pro Tonnenkilometer. Dieses Maß steht für die Beförderung von Gütern im Gewicht von einer Tonne über einen Kilometer.

„Es ist sehr wichtig, dass die IMO ein klares und eindeutiges Signal an die internationale Gemeinschaft sendet, dass sich die Schifffahrtsaufsichtsgremien auf ambitionierte Ziele mit konkreten Zahlen und Daten für die Minderung von CO2-Emissionen verständigt haben“, sagte der ICS-Vorsitzende Esben Poulsson in Istanbul. Seine Organisation wolle sich daher dafür einsetzen, dass die IMO diese Ziele in ihre für 2018 vorgesehene Strategie zur Treibhausgasminderung aufnimmt. „Die langfristige Zukunft dieser Industrie, wie auch für die übrige Weltwirtschaft, muss letztendlich frei von fossilen Kraftstoffen sein“, so Poulsson. 

 

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