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Renault Zoe

Einsteiger-Modell

Jan Wilms, 19.08.13
Mit dem vollelektrischen Zoe könnte Renault einen Verkaufsschlager landen. Allerdings lässt sich der pfiffige Kleinwagen nicht wie jedes andere E-Auto an der Haushaltssteckdose laden.

Genauso, wie springende Pferde auf der Motorhaube heute auf Sportwagen verweisen, könnte der Rhombus einmal zum Symbol der Elektromobilität werden. Denn das Renault-Logo, seit 1923 im Kühlergrill der Autos aus Boulogne-Billancourt montiert, leuchtet nun bereits beim vierten Modell in hellblauem Chrom, der Galionsfarbe der Elektroauto-Linie. Damit führt Renault die Branche an. Und beim seit Juni erhältlichen vollelektrischen Kleinwagen Zoe ist das Signet mehr als ein reines Symbol: Hinter dem aufklappbaren Rhombus verbirgt sich die Buchse für den Ladestecker.

Der Fünfsitzer soll das neue Segment von unten aufrollen: Der Zoe ist günstiger als seine e-mobile Konkurrenz, allerdings immer noch teurer als vergleichbare Benziner, Diesel oder Hybride. Mit einer realistischen Reichweite von rund 150 Kilometern wurde er für Kurz- und Mitteldistanzen konzipiert, auf denen er mit hervorragenden Fahrleistungen überzeugt. Dazu erfreuen smarte Ausstattungsdetails wie wasserabweisende Teflon-Sitze und eine Sprachsteuerung des Multimediasystems. Beides wurde bis dato noch in keinem Kleinwagen angeboten. Und auch wenn der Zoe aus Kostengründen auf der Bodengruppe des Renault Clio 4 aufbaut: Die flach im Unterboden versenkte Batterie zeugt von der konsequenten Entwicklung als Elektroauto. Renault bringt solch eine originäre Konstruktion als erster europäischer Großserienhersteller auf den Markt – Chapeau.

Renaults Hoffnungsträger

Allerdings besitzt der Zoe eine eklatante und unverständliche Schwäche: Er lässt sich nur an einer speziellen Wallbox und an öffentlichen Säulen laden. Ein Adapter für die Haushaltssteckdose ist bislang noch nicht verfügbar. Mit seinem Allianzpartner Nissan hat Renault enorme Summen in die Elektromobilität investiert, bis 2015 sollen insgesamt vier Milliarden Euro ausgegeben werden. Doch die verfügbaren Produkte sind – wie alle E-Autos – noch keine Kassenschlager: 2012 ging der Fluence Z.E. in den Verkauf. Ein Derivat der Mittelklasse-Limousine Fluence, deren Heck wenig elegant verlängert wurde, um die Batterie aufzunehmen. Ursprünglich war die Limousine auch als Vehikel für Renaults Beteiligung an „Better Place“ gedacht. Obwohl der Batteriewechselanbieter im Mai Insolvenz anmelden musste, soll der Fluence Z.E. weiter im Programm bleiben. Auch der Twizy, das auf den ersten Blick revolutionär wirkende Konzept eines Kleinstautos, will nicht richtig zünden. Allein der Lieferwagen Kangoo Z.E. verkauft sich ordentlich.

Der Zoe besetzt nun eine der verbleibenden Nischen und ist der letzte Hoffnungsträger für den Plan von Konzernchef Carlos Ghosn, 100 000 Elektromobile bis Ende 2013 abzusetzen – bis April 2013 konnte Renault weltweit allerdings nur rund 26 000 Stück verkaufen. Trotzdem glaubt Ghosn, wie er kürzlich in einem Interview mit der Wirtschaftswoche betonte, immer noch an den unaufhaltsamen Siegeszug der Elektrifizierung. Fahren wir los: Der Druck auf den Startknopf löst zur Begrüßung ein kurzes SynthesizerArpeggio aus, im Digitaltacho leuchtet „Ready“ auf. Wie jedes Elektromobil ist auch der Zoe ähnlich wie ein konventionelles Automatikauto zu bedienen, da der E-Motor jeweils nur einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang besitzt. Ein beherzter Tritt aufs Strompedal, und der Zoe schießt durch die Stadt, flitzt um Kurven, wechselt leichtfüßig Spuren. Die Abstimmung zwischen der relativ geringen Leistung von 65 kW (88 PS) und den immerhin 1,5 Tonnen Leergewicht ist den Renault-Ingenieuren hervorragend gelungen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 135 elektronisch abgeriegelten Stundenkilometern. Bei forciertem Fahrstil verbraucht der Zoe 17,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Im „Eco“-Modus, der bis 90 Stundenkilometer oder bis zum Kickdown, etwa für ein Überholmanöver, die Motorleistung halbiert und Heizung beziehungsweise Klimaanlage zügelt, sinkt der Verbrauch auf rund 14,6 Kilowattstunden.

Konzept, Fahreigenschaften und Design überzeugen

Beim Energiesparen hilft die automatisierte zweistufige Rekuperation. Sie regelt den Grad der Bremsenergie-Rückgewinnung und animiert zum vorausschauenden Fahren: Damit sich der Energiespeicher optimal lädt, rollt man – wenn der Verkehr es zuläßt– vor Ampeln oder Hindernissen langsam aus. Und nutzt nur noch für abruptere Bremsmanöver das entsprechende Pedal. Den Rest erledigt der Rekuperationsautomat, sobald man den Fuß vom Strompedal nimmt. Die Reichweite, ermittelt im von der EU vorgeschriebenen NEFZ-Laborzyklus, wird mit 210 Kilometern angegeben, schrumpft in der Realität aber auf 100 bis 150 Kilometer, je nach Fahrweise und Außentemperatur.

Hier reagiert die Batterie immer noch ähnlich sensibel wie ein Mensch – und liefert nur zwischen 0 und 35 Grad Celsius ihr volles Potenzial. Bei der Kontrolle der Innentemperatur zeigte sich Renault erfinderisch: Die Klimaanlage nutzt wie eine Zweikreis-Wärmepumpe die Umgebungsluft und soll im Winter ein Drittel weniger Energie als herkömmliche Systeme verbrauchen. Denn die Erfahrungen mit anderen E-Modellen zeigen, dass sich im Winter die Reichweite aufgrund der temperaturbedingten Minderleistung der Batterie und des erhöhten Heizbedarfs halbieren kann. Wie sich diese Innovation im Alltag bewährt, bleibt allerdings abzuwarten. Weil große Entwicklungsschübe in der Akkutechnologie derzeit nicht zu erwarten sind, wird auch im Zoe Bewährtes verbaut: eine 22 Kilowattstunden fassende luftgekühlte Lithium-Ionen-Batterie. Ihre Position – flach im Unterflur – schafft viel Platz im Innenraum und senkt den Schwerpunkt, was für erstklassigen und ausgeglichenen Fahrkomfort sorgt: In Kombination mit der gut abgestimmten Dämpfung bietet das Fahrwerk des Zoe einen angenehmen Kompromiss aus sportlich und soft. Zudem erfüllt der E-Kleinwagen mit dem Höchstwert von fünf Sternen im standardisierten NCAP-Crashtest strengste Sicherheitsstandards.

 

Die vollständige Version dieses Artikels ist in der Juli-Ausgabe von neue energie erschienen.

 

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