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Interview

„Eine gute Batterie macht noch kein gutes Auto“

Jörg-Rainer Zimmermann, 26.03.13
Peter Ramsauer (CSU) ist seit dem 28. Oktober 2009 Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Im Interview mit neue energie spricht er darüber, wie die Regierung das Ziel, bis 2020 eine Million Elektro-Autos auf die Straßen zu bekommen, erreichen will.

neue energie: Das Ziel, bis 2020 eine Million E-Mobile auf deutsche Straßen zu bringen, erscheint derzeit nicht erreichbar. Was sind die Kernprobleme?

Peter Ramsauer: Das Ziel ist ambitioniert, aber machbar. Deutschland ist bei der Elektromobilität auf einem sehr guten Weg. Die deutschen Automobilhersteller arbeiten an attraktiven Modellen, die die Kunden überzeugen werden. Das Angebot an Elektrofahrzeugen kann nicht von heute auf morgen entstehen. Das gleiche gilt für die Akzeptanz durch den Kunden. Wir rechnen nicht mit einem linearen Anstieg der Fahrzeugzahlen, sondern eher mit einer exponentiellen Verbreitung nach der Phase der Marktvorbereitung.

ne: Die Industrie wirft der Politik angesichts der ambitionierten Ziele eine zu zögerliche Förderpolitik im Bereich E-Mobilität vor. Werden in absehbarer Zeit neue Förderprogramme aufgelegt?

Ramsauer: Die Bundesregierung unterstützt mit rund einer Milliarde Euro vor allem die heimische Industrie bei Forschung, Entwicklung und Demonstration, etwa um die Ladekapazität zu verbessern und die Lebensdauer zu verkürzen. Außerdem setzen wir eine Vielzahl an Anreizen für die Bürger. Der Staat kann günstige Rahmenbedingungen schaffen und dabei unterstützen, Innovationen und Nachfrage zu fördern, er kann und will Forschung und Marktentwicklung aber nicht bestimmen.

ne: Chinesische Batterieentwickler sind sehr weit mit F&E. Überholt uns Asien demnächst in Sachen E-Mobilität?

Ramsauer: Nein. Selbstverständlich müssen Industrie und Politik genau beobachten, wie sich die Elektromobilität international entwickelt. Das tun wir. Mit der chinesischen Regierung haben wir etwa eine „Strategische Partnerschaft Elektromobilität“ eingerichtet. Von diesen guten Beziehungen auf Regierungsebene profitiert auch die deutsche Automobilindustrie. Mit ihrer mehr als hundertjährigen Erfolgsgeschichte muss sich die deutsche Automobilindustrie aber ganz sicher nicht verstecken. Deutsche Autos sind nach wie vor weltweit Spitze, die Exportzahlen belegen es. Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen wir bei der Forschung und Entwicklung immer einen Schritt voraus sein. Darin unterstützen wir die Industrie mit unseren Förderprogrammen. Allein eine gute Batterie macht aber noch kein gutes Auto. Die Reichweite eines Elektroautos ist wichtig, aber andere Komponenten wie Sicherheit und Fahrkomfort spielen für die Nutzerakzeptanz insbesondere in Europa sicherlich eine ebenso große Rolle.

ne: Macht es aus Ihrer Sicht Sinn, dass Premiumhersteller wie Porsche Fördergelder für die Entwicklung von E-Sportwagen erhalten?

Ramsauer: Dieses Segment ist sicherlich kein Förderschwerpunkt. Bei der Förderung und Weiterentwicklung alternativer Antriebe und Mobilitätskonzepte müssen wir jedoch für alle Produkte offen sein, die auf dem nationalen und internationalen Markt erfolgreich sind.

ne:
Der Verband der Automobilindustrie fordert, dass die öffentliche Hand bei ihrer Fahrzeugflotte künftig auf E-Mobilität setzt. Bislang gibt es keine solchen Pläne. Wie setzen Sie sich als Verkehrsminister dafür ein?

Ramsauer: Die öffentliche Beschaffung ist ein wichtiges Instrument, um die Markteinführung von Elektrofahrzeugen zu unterstützen. Die Bundesregierung hat sich deshalb in ihrem Regierungsprogramm zum Ziel gesetzt, ab dem Jahr 2013 den CO2-Ausstoß von zehn Prozent der insgesamt neu angeschafften oder neu angemieteten Fahrzeuge der Flotten der Bundesbehörden auf weniger als 50 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. Hierfür werden aktuell die nötigen Rahmenverträge erarbeitet. Außerdem wurde im Rahmen der „Allianz für nachhaltige Beschaffung“ eine Expertengruppe Elektro-mobilität eingerichtet. Dort wird gemeinsam mit Vertretern der Länder und Kommunen ein neuer Beschaffungsleitfaden entwickelt. Für mein Haus kann ich sagen: Das Verkehrsministerium geht mit gutem Beispiel voran. Wir liegen beim Einsatz batterie- und brennstoffzellenbetriebener Fahrzeuge weit über den Vorgaben.

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