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Biotreibstoff

Durchbruch beim Algensprit?

Rebecca Raspe - energiezukunft.eu, 07.07.14
Japanische Forscher wollen Treibstoff aus Algen gewinnen. „Deusel“ heißt ihre Lösung und soll ab 2018 serienmäßig in Fahrzeugen eingesetzt werden. In Europa hatten Versuche mit Algentreibstoff bisher zu ernüchternden Ergebnissen geführt.

Japaner mögen Algen – sie wickeln rohen Fisch darin ein und essen sie, sie dekorieren Gerichte damit und verwenden Algen-Gesichtscremes. Sie sind sozusagen Algen-Experten. Nun will ein japanisches Industriekonsortium Algen als Treibstoff verwenden: Der LKW-Hersteller Isuzu und das Biotechnologie-Unternehmen Euglena wollen gemeinsam in einem Forschungsprojekt an der Herstellung eines Kraftstoffs aus Algen arbeiten. Der Öko-Sprit soll „DeuSEL“ heißen und konventionellen Dieseltreibstoff ersetzen. Zunächst wird er von einzelnen Bussen getestet, ab 2018 soll er serienmäßig in großen Mengen hergestellt und von Fahrzeugen genutzt werden können.

Der positive Nebeneffekt: Algen benötigen für ihr Wachstum neben Licht und Nährstoffen das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid. Es könnte direkt in die Algenfarmen geleitet und somit sinnvoll „verarbeitet“ werden. Erste Versuche mit einem Kohlekraftwerk in Okinawa sollen erfolgreich gewesen sein. Die Algen lassen sich in Fabriken züchten. Euglena-Gründer Mitsuru Izumo und seinem Team war es als ersten Forschern weltweit geglückt, die mikroskopisch kleine Alge künstlich zu kultivieren. Das Biotechnologie-Unternehmen hatte in der Vergangenheit bereits für die Fluggesellschaft All Nippon Airways Kerosin auf Algenbasis entwickelt.

An einer Treibstoffproduktion aus Algen wird weltweit geforscht. Die Ergebnisse europäischer Forscher waren allerdings bisher ernüchternd. So heißt es in einem Positionspapier der Fachgruppe Algenbiotechnologie der Dechema, der deutschen Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, dass „auf der Grundlage des aktuellen wissenschaftlichen und technischen Kenntnisstands sich mit Algen nur die Herstellung von Produkten mit höherer Wertschöpfung wirtschaftlich darstellen lässt“. Deutsche Wissenschaftler sind skeptisch, dass Algen eines Tages im großen Stil zur Deckung des Energiebedarfs beitragen werden. Das Problem sei die relativ geringe Ausbeute bei der Energiegewinnung verglichen mit anderen erneuerbaren Quellen, so die Algenforscher der Dechema: Die bisher verwendeten Algenreaktoren waren der konkurrierenden Photovoltaik in Sachen Energieeffizienz durch Lichtausbeute unterlegen. 

Mit Mikroalgen soll sich das allerdings nun ändern, hoffen die japanischen Forscher. Sie setzen auf den Einzeller Euglena. Diese Alge besitzt Merkmale von Pflanzen und von Tieren und wird deswegen auch als "Brückentier" bezeichnet. Die Chloroplasten mit dem grünlichen Farbstoff Chlorophyll und die Ernährung per Photosynthese sind Merkmale, die für Pflanzen charakteristisch sind. Das Fehlen einer Zellwand und die Fähigkeit zur organischen Ernährung sind dagegen Merkmale von Tieren.

 

 

Zum Schwimmen nutzt die Alge eine Geißel am Vorderende des Körpers. Sie reagiert lichtempfindlich und kann sich auf Lichtquellen zubewegen (Phototaxis). Dabei spielt das rote Stigma eine Rolle – umgangssprachlich auch Augenfleck genannt. Der Parabasalkörper, eine Anschwellung an der Geißelbasis, dient als Photorezeptor. Dem Augenfleck fällt die Funktion eines Sonnenschirms zu, der den Parabasalkörper beschattet. Da die Zellen während der Bewegung permanent um die eigene Achse rotieren, ändert sich der Beschattungsgrad periodisch. Die Zellen reagieren auf Intensitätswechsel und sind somit in der Lage, die Lichtrichtung wahrzunehmen und ihre Bewegung danach auszurichten.

Rebecca Raspe – energiezukunft.eu

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