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E-Mobilität

Abkassieren an der Ladesäule

Foto: Daniel Kubirski/picture alliance

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Joachim Wille, 26.10.20
Trotz immer mehr Elektroautos: Eine Untersuchung des Ökostromanbieters Lichtblick zeigt, dass Strom zu „tanken“ immer noch teuer und kompliziert ist. Gerade längere Fahrten werden dadurch erschwert – oder besonders kostspielig.

Die hohen Kaufanreize für E-Autos wirken. Inzwischen sind rund 16 Prozent der Neuwagen in Deutschland reine Batterie-Fahrzeuge oder Plug-in-Hybride, die für begrenzte Strecken auch rein elektrisch gefahren werden können. Unterwegs Strom zu laden, ist aber weiterhin für viele E-Auto-Fahrer kompliziert und vor allem teuer. Teilweise kostet es sogar mehr, die Batterie zu „betanken“ als die entsprechende Menge Sprit für einen Verbrenner zu kaufen. Das zeigt ein aktueller „Ladesäulen-Check“, den der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick durchführen ließ.

Die Zahl der öffentlichen Strom-Ladepunkte in Deutschland ist deutlich angestiegen. Es gibt inzwischen 30.000 davon. Zum Vergleich: Klassische Tankstellen gibt es rund 14.400 – mit allerdings jeweils mehreren Zapfsäulen und viel kürzeren Tankzeiten. Die Tarife bei den Strom-Ladestellen sind laut der Untersuchung jedoch anders als bei Benzin oder Diesel undurchsichtig, es gebe eine Vielzahl an Abrechnungsverfahren, moniert Lichtblick.

Das Unternehmen hat zusammen mit dem Datendienstleister Statista die Tarife von 14 Anbietern untersucht, darunter auch zwei Roaming-Angebote. Verglichen wurden die Kosten für eine Stromladung für 100 Kilometer in einem BMW i3 an einer Standard-Ladesäule.

Hohe Roaming-Kosten

Wer unterwegs Strom lädt, erfährt laut der Studie meist erst später mit der Abrechnung den tatsächlichen Preis – und der kann erheblich variieren. Die Ladung zuhause kostet beim Haushalts-Strompreis im Schnitt 4,73 Euro (31,5 Cent pro Kilowattstunde, kWh). An der Ladesäule ist es fast immer teurer. Die untersuchten Anbieter kassieren zwischen 4,80 Euro (32 Cent/kWh, Stadtwerke Dresden) und 7,75 Euro (52 Cent/kWh, Eon). In Berlin zum Beispiel fallen 6,00 Euro (40 Cent/kwh, Allego) an, in Hamburg 6,66 Euro (44 Cent/kWh, Stromnetz Hamburg). Bei zwei Anbietern können E-Auto-Fahrer noch kostenlos laden. Offenbar lohnt sich der Abrechnungsaufwand bisher nicht, vermutet man bei Lichtblick.

Sehr hohe Preise fallen an Schnelladesäulen an – zwischen 48 Cent (EWE, EnBW) und 77 Cent (Ionity) pro kWh. Ebenfalls besonders teuer ist das Laden über Drittanbieter, das Roaming. Beispiel: Wird an einer Eon-Ladesäule über den Dienstleister New Motion „getankt“, kostet das 8,69 Euro statt 7,75 Euro. Das ist merklich teurer als eine vergleichbare Tankfüllung für einen Benziner, für die rund 7,50 Euro fällig werden.

Ein Kritikpunkt ist laut der Studie weiterhin der Zugang zu den Ladesäulen. Wer längere Fahrten plant und sein Auto in verschiedenen Regionen laden will, muss sich mehrere Ladekarten und Apps besorgen und sich bei den Anbietern jeweils registrieren. Roaming-Dienstleister bieten zwar eine Karte für zehntausende Ladepunkte an, kassieren dafür aber teils kräftige Aufschläge.

Grundlegende Reform gefordert

Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth kommentiert: „Trotz zunehmender Kritik von E-Auto-Fahrern und Politik: Verbraucherfreundlichkeit ist an Deutschlands Ladesäulen weiter Fehlanzeige.“ Gegenüber den Ladesäulen-Checks in den Vorjahren gebe es kaum Fortschritte. Die Zustände an den Stromtankstellen seien eines der größten Hindernisse für die Verkehrswende.

Das Unternehmen fordert eine grundlegende Reform der Ladesäulen-Organisation: Künftig sollten öffentliche Ladestellen allen Stromversorgern bundesweit zur Verfügung stehen, die dafür ein Nutzungsentgelt an die Betreiber zahlen. Vorteil sei, dass die E-Autofahrer dann unter den Angeboten vieler Versorger wählen könnten. Auch der Zugang zu reinen Ökostrom-Anbietern wäre damit möglich, statt „Egalstrom“ laden zu müssen.

Tatsächlich ist in jüngster Zeit Bewegung in die Debatte gekommen. Nachdem sich Verbraucher über hohe Preise bei den öffentlichen Ladestationen beschwert haben, untersucht das Bundeskartellamt den Markt seit Juli. Und die Bundesnetzagentur will es den Versorgern zumindest technisch ermöglichen, ihre Stromtarife überall anzubieten.

 

Kommentare (1)

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  • 06.11.20 - 08:38, Rombach

    Über diese Katastrophe mit den Ladepunkten, ob aus Absicht oder aus Unfähigkeit, kann man nur lächeln, wenn man ein richtiges Elektroauto fährt.
    Ich lade kostenlos an den Tesla Superchargern in ganz Europa.

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